Im Land wird seit Tagen kaum ein Thema so heiß diskutiert wie der geplante Abschuss des Wolfs "GW2672m". Der Hornisgrinde-Wolf wird regelmäßig im Nordschwarzwald gesichtet. Während die Entscheidung der Landesregierung Baden-Württemberg Unterstützung beispielsweise durch den Naturschutzbund (NABU) erfährt, wächst der Widerstand unter anderem im Internet massiv. Dort werden Alternativen diskutiert. Experten sprechen von Druck der Regierung gegen kritische Äußerungen.
Im Nationalpark soll ein Wolf totgeschossen werden Meinung: Wie ein armer Wolf in Wahlkampfzeiten unter die Räder der Politik geriet
"Was hat der Hornisgrinde-Wolf den Politikern in Stuttgart getan, dass sie ihn totschießen wollen?", fragt sich SWR-Reporter Heiner Kunold. Eine Meinung zum Abschuss des Wildtieres.
SWR-Nutzer: Abschuss des Wolfs ist nicht alternativlos
Zwei Online-Petitionen von Privatpersonen aus Baden-Baden und Bühlertal (Kreis Rastatt) gegen den Abschuss des Hornisgrinde-Wolfs haben in den vergangenen Tagen mehrere Zehntausend Unterstützer erreicht. Gefordert wird neben dem Stopp des Abschusses "vollständige Transparenz der Entscheidungsgrundlage" und die Prüfung von Alternativen.
Auch zahlreiche Zuschriften von SWR-Nutzern sprechen von friedlichen Begegnungen mit dem Hornisgrinde-Wolf im Nordschwarzwald. Andere kritisieren den Zeitpunkt der Entscheidung und bewerten die Maßnahme als Wahlkampfmanöver vor der Landtagswahl, um ein Zeichen gegen "Problemwölfe" zu setzen. Außerdem nehmen sie insbesondere Hundehalter in die Pflicht.
Wenn die Hündin läufig ist, hopst der Rüde auch drauf. Lasst den Wolf einfach in Ruhe und das Gesetz, den Wolf ins Jagdrecht zu nehmen, muss sofort zurückgenommen werden.
Häufig geäußerte Aussagen gegen den Abschuss zusammengefasst:
- Wolf zeigt bei Begegnungen keinerlei Aggressionen
- Wolf habe im Nationalpark Vorrang und bedarf entsprechenden Schutz
- Hundehalter müssten sich an Regeln halten und Tiere anleinen
- Wolf soll umgesiedelt statt getötet werden
Ministerium: Es gibt keine Alternative Hornisgrinde-Wolf soll abgeschossen werden - Widerstand formiert sich
Der Hornisgrinde-Wolf ist vom Umweltministerium auf die Abschussliste gesetzt worden. Der Wolf GW2672m war mehrfach dadurch aufgefallen, dass er Menschen zu nahe gekommen war.
Naturschützer reichen Eilantrag und Klage gegen Abschuss des Hornisgrinde-Wolfs ein
Mit einer Klage versuchen Naturschützer, den Abschuss des Wolfs im Nordschwarzwald zu verhindern. Die Naturschutzinitiative e. V. (NI) hat gegen die Ausnahmegenehmigung des Ministeriums beim Verwaltungsgericht Stuttgart Anfechtungsklage erhoben. Die Naturschutzinitiative sieht im Abschuss einen Verstoß gegen EU-Recht.
Wegen des drohenden Abschusses des Wolfes wurde auch ein Eilantrag gestellt. Damit soll erreicht werden, dass der Wolf nicht vor Abschluss des Klageverfahrens verfolgt werden darf. Unklar ist aktuell, ob beziehungsweise wann das Gericht über die Klage und den Eilantrag entscheidet.
Insider sprechen von "Fehler" und von massivem Druck der Landesregierung
Seit Bekanntwerden der Pläne der Landesregierung wollen immer weniger Experten ihre Kritik zum geplanten Abschuss öffentlich äußern. Diese Insider sagen im Gespräch mit dem SWR, dass das Umweltministerium Baden-Württemberg kritische Äußerungen eindämmen wolle. Es war sogar von einem "Maulkorb" die Rede.
Dabei kommen von dieser Seite ernstzunehmende Alternativen zum Abschuss. Die Fachleute sprechen davon, dass nicht alle Optionen ausreichend ausgeschöpft wurde. Zum Beispiel die Vergrämung, also dem Wolf die Scheu gegenüber dem Menschen neu anzugewöhnen. Sie empfehlen, dass strengere Regeln gegenüber Hundehaltern im Nordschwarzwald durchgesetzt oder gar ein Hundeverbot während der Paarungszeit ausgesprochen werden müsste.
Wilde Begegnung im Schwarzwald Wenn ein Wolf dir und deinem Hund folgt ... 🐺
Stell dir vor, du gehst mit deinem Hund im Wald spazieren – und plötzlich folgt euch ein Wolf. Wie verhält man sich da? Und was will der Wolf wohl?