Debatte zum Bundesjagdgesetz

Wie nah sind sich Mensch und Wolf in Baden-Württemberg?

Debatte im Bundestag: Ein Gesetzentwurf sieht vor, den Wolf als "jagdbare Tierart" zu deklarieren. Im Nordschwarzwald ist der Wolf dem Menschen bereits recht nah.

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Stand

Von Autor/in Jakob Sax

Der Schnee lockte in den vergangenen Wochen zahllose Naturbegeisterte auf die Gipfel des Nordschwarzwaldes - und in diesem Schneetreiben begegnen immer mehr Wanderinnen und Wanderer auch dem Wolf. Biologen gehen davon aus: Es handelt sich immer um dasselbe Tier, höchst wahrscheinlich den Wolf "GW2672m".

Inzwischen wurde der Wolf zum Abschuss freigegeben:

Landkreis Rastatt

Ministerium: Es gibt keine Alternative Hornisgrinde-Wolf soll abgeschossen werden - Widerstand formiert sich

Der Hornisgrinde-Wolf ist vom Umweltministerium auf die Abschussliste gesetzt worden. Der Wolf GW2672m war mehrfach dadurch aufgefallen, dass er Menschen zu nahe gekommen war.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

In den örtlichen Zeitungen wird in den Tagen kurz nach Neujahr von mehreren Wolfssichtungen berichtet. Im Internet kursieren Bilder von ihm, ganz nah, mitten auf einem Wanderweg. Für die meisten ist das ein beeindruckendes Erlebnis.

Wolf GW2672m hat noch nie einen Menschen angegriffen

Dennoch ist der Wolf umstritten. Zwar geht für den Menschen keine Gefahr aus, jedoch haben Wölfe in der Vergangenheit immer wieder Nutztiere angegriffen. Daher fordert die Bundesregierung eine Änderung des Jagdgesetz zum Schutz von Nutztieren.

Am Mittwoch debattierte der Bundestag über eine Verschärfung des Jagdgesetzes. Der Wolf soll als jagdbare Tierart deklariert werden und dürfte unter Umständen somit geschossen werden. Erlaubt sein soll das laut dem Entwurf dann, wenn ein ungünstiger Erhaltungszustand vorliegt, der Wolf also beispielsweise Nutztiere angreift oder die Sicherheit des Menschen gefährdet.

Warum wird der Wolf gerade jetzt so oft im Nordschwarzwald gesichtet?

Beim Wildtierinstitut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) sind zwischen Weihnachten und Dreikönig besonders viele Meldungen eingegangen, aber nicht etwa, weil der Wolf aktiver ist als sonst, sondern ganz einfach, weil mehr Menschen im Wald unterwegs sind.

Ein weiterer Faktor ist der Beginn der Ranzzeit, das ist die Paarungszeit der Wölfe. Während dieser ist der Wolf nochmal besonders aktiv auf der Suche nach Kontakt. Besonders spannend für den Wolf sind Hunde, denn die sind mit dem Wolf verwandt und daher von besonderen Interesse.

Ein Abdruck einer großen Pfote im Schnee, schätzungsweise ist sie vom Wolf GW2672m.
Im Schnee sind die Spuren besonders gut zu erkennen, diese hier ist schätzungsweise von einem Wolf. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Junge mit blauer Jacke fährt in einem roten Bob den verschneiten Weg an der Badner Höhe im Schwarzwald entlang, wenige Tage zuvor stand genau dort der Wolf.
Wo heute Kinder mit Bob und Schlitten unterwegs sind, war wenige Tage zuvor der Wolf zu sehen. Bild in Detailansicht öffnen
Verschneiter Schwarzwald mit einer Mauer im Vordergrund und einem Wanderweg der in die Ferne führt, diesen Weg nutzt auch der Wolf GW2672m.
Vom Friedrichturm auf der Badener Höhe (Kreis Rastatt/Baden-Baden) aus kann man einen Teil des Territorium des Wolfes überblicken. Bild in Detailansicht öffnen
Gelbe Urinspuren von einem Wolf im Schnee.
An dieser Stelle hat der Wolf sein Revier markiert. Bild in Detailansicht öffnen
Ein Wolf auf einem verschneiten Wanderweg im Schwarzwald.
Wege des Menschen bieten dem Wolf viele spannende Gerüche, sei es von Wanderern und Wandererinnen oder deren Hunden. Bild in Detailansicht öffnen

Immer mehr Menschen treffen den Wolf im Wald: So reagiert man richtig

Wichtig sei es, den Wolf nicht anzufüttern und dafür zu sorgen, dass man nicht als Attraktion für den Wolf wahrgenommen wird, erklärt Micha Herdtfelder vom zuständigen FVA Wildtierinstitut. Man solle vielmehr dem Wolf klar signalisieren, dass diese Nähe zum Menschen nicht erwünscht ist.

Bei diesem speziellen Wolf droht auch keine Gefahr. [...] Alles, was wir über das Tier bisher wissen, lässt keine gefährliche Situation erkennen.

Am besten klappe das, wenn man den Wolf laut anschreit, so der Experte. Es dauert manchmal eine Weile, aber meistens zieht sich der Wolf dann zurück. Zur besseren Lokalisierung der Tiere und um die Forschung zu unterstützen, sei es außerdem hilfreich, die Wolfssichtung dem FVA zu melden.

Begeisterung über Begegnung mit dem Wolf GW2672m im Schwarzwald

Die meisten Menschen, die zwischen Forbach (Kreis Rastatt) und Baden-Baden an der Badener Höhe unterwegs sind, haben keine Angst vor einer Wolfsbegegnung, sagten sie dem SWR. Sie sind begeistert und fasziniert von dem Tier.

Ich finde es schön, so eine Begegnung. Ich habe da eigentlich keine Angst.

Einige haben den Wolf bereits gesehen und sprechen von einem einmaligen Erlebnis. Die meisten sehen die Ansiedlung des Wolfes viel mehr als Bereicherung für die Artenvielfalt im Nordschwarzwald.

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Jakob Sax
Multimedialer Autor Jakob Sax

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