Christian Striebichs Herdenschutzhündin Nala hat gerade Nachwuchs bekommen. Sie bellt laut jeden an, der sich ihr nähert - außer ihr Herrchen natürlich. Die Welpen sehen süß aus, aber auf einige von ihnen kommt eine große Aufgabe zu: selbst Hütehund werden. Für Christian Striebich jedenfalls sind Herdenschutzhunde das effektivste Mittel gegen den Wolf.
In Sachen Wolf: In Baden-Württemberg nur wenige Mahnfeuer
Europaweit brennen an diesem Freitagabend Mahnfeuer der Schafhalter. Sie fordern schärfere Abschussregeln für Wölfe. In Baden-Württemberg allerdings regt sich kaum Protest. Die Schafhalter sind überwiegend zufrieden mit der Arbeit der Landesregierung. Das bestätigt auch Alfons Gimber vom Verband der Schafzüchter:
Wir rufen nicht zu den Protestfeuern auf, weil das nicht viel bringt. Wir als Verband setzen mehr auf die Zusammenarbeit mit dem Ministerium.
Gimber lobt den sehr guten Kontakt zum baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium und zum Umweltministerium: "Es ist so, dass die auf unsere Forderungen eingehen, fast auf alles und das ist natürlich für uns eine optimale Sache."
Schafzüchter: "Hätten ohne das Land schon aufgegeben"
Was das konkret heißt, zeigt das Beispiel von Christian Striebich. Seit 2019 hatte er vier Mal "Besuch" vom Wolf. 15 Muttertiere hatte der Wolf gerissen, davon seien mindestens zehn trächtig gewesen, berichtet der Schäfer. Und er bestätigt: Ohne die Unterstützung des Landes hätte er im vergangenen Jahr aufgegeben. Der 43-Jährige konnte sich so zwei Herdenschutzhunde anschaffen. Das Land unterstützt ihn bei der Unterhaltung der Tiere. Durch eine Crowdfunding-Finanzierung hat er die teuren Maremmen-Abruzzen-Schäferhunde bezahlen können. Das Besondere dabei:
Wir haben das ganze Dorf mit ins Boot geholt.
Denn der Wolf traute sich sehr nah bis an die Häuser von Gausbach bei Forbach im Murgtal. Striebichs Weide grenzt direkt an den Ortsrand. Deshalb hatte er seine Nachbarn eingeladen und von dem Herdenschutzhund erzählt - die Hunde bellen schließlich auch nachts. Für die Anwohner ist das in Ordnung - niemand möchte einen Wolf gerne in seiner Nähe haben. Und es scheint zu klappen: Seit die Schäferhunde Striebichs Weiden bewachen, kam auch der Wolf nicht mehr vorbei.
Bedeuten mehr Wölfe mehr Probleme?
Obwohl Christian Striebich zufrieden mit der Arbeit des Landes Baden-Württemberg ist, hätte er eigentlich auch gerne ein Mahnfeuer entzündet. Er schafft es aber aus Zeitgründen nicht. Striebich wünscht sich, dass Wölfe grundsätzlich einfacher zum Abschuss gegeben werden. Der Hobbyschäfer ist grundsätzlich gegen den Wolf.
Wenn sich Rudel bilden, helfen auch die Hunde nicht mehr.
Striebichs Befürchtung für die Zukunft: Wenn die Wölfe wie geplant ins Bundesjagdgesetz aufgenommen werden, besteht die Gefahr, dass Entschädigungen für gerissene Tiere und finanzielle Unterstützung für Herdenschutzmaßnahmen wegfallen könnten. So sieht es auch der Landesverband der Schafzüchter. Und deshalb brennen in Baden-Württemberg am Freitagabend nur zwei Protestfeuer.