Neue Studie zu Mobbing und Cybermobbing

Mobbing am Arbeitsplatz: Vorgesetzte oft beteiligt - das können Betroffene tun

In Deutschland sind mehr Erwachsene von Mobbing oder Cybermobbing betroffen als noch vor vier Jahren. Das zeigt eine neue Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing e.V. aus Karlsruhe.

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Von Autor/in Fabiola Germer

Es passiert im Internet, am Arbeitsplatz und sogar in der Freizeit: Die Zahl der Erwachsenen, die von Mobbing oder Cybermobbing betroffen sind, wächst weiter. Das zeigt eine neue Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing e.V. aus Karlsruhe.

Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen angestiegen

Mobbing und Cybermobbing seien weiterhin ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft und entwickle sich stetig negativ weiter, so die Studienmacher in ihrer Veröffentlichung. Demnach sind in Deutschland 37 Prozent der Befragten schon mal Opfer von Mobbingattacken gewesen. Das entspricht 19 Millionen Menschen zwischen 18 und 65 Jahren. Nicht nur Schülerinnen und Schüler sind häufig von Mobbing oder Cybermobbing betroffen, auch Erwachsene.

Cybermobbing bei Erwachsenen, also Anfeindungen im Internet, sei im Vergleich zu einer Untersuchung vor vier Jahren um fast 22 Prozent gestiegen. Bei Mobbing liegt der Anstieg bei 13 Prozent. Besonders betroffen seien jedoch jüngere Menschen im Alter von 18 bis 24 Jahren und Frauen. Letztere seien häufiger von Mobbing betroffen, Männer dagegen öfter von Cybermobbing.

Wir haben kein Erkenntnisproblem. Wir haben ein Handlungsproblem.

"Seit Jahren wachsen die Zahlen und zeigen uns, dass das gelernte negative Verhalten aus der Jugend ins Arbeitsleben übernommen wird, weil es nicht sanktioniert worden ist", sagt Uwe Leest, Vorstandsvorsitzender des Bündnisses gegen Cybermobbing e.V. in Karlsruhe. Die Gesellschaft übernehme zu wenig gegen Mobbing und Cybermobbing, sagt er.

Mobbing bei Erwachsenen vor allem am Arbeitsplatz

Fast die Hälfte aller Mobbingattacken bei Erwachsenen finden im Arbeitsleben statt, heißt es in der Studie. Vorgesetzte seien an etwa der Hälfte der Mobbingfälle beteiligt. Bei Cybermobbing sei die Beteiligung dagegen geringer.

Gründe, die in der Studie genannt werden, seien Neid und eine auffällige Erscheinung. Fast jeder dritte Täter gab an, "aus Ärger mit der Person" zu handeln oder "weil andere das auch machen".

Folgen von Mobbing sind vielfältig

Mobbing und Cybermobbing wirke sich sowohl auf die psychische als auch auf die körperliche Gesundheit aus. Die Betroffenen klagen über Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen oder körperliche Schmerzen. In Extremfällen komme es unter anderem zu Zwangsstörungen oder die Flucht in Alkohol oder andere Drogen.

Die Studie zeigt auch, dass Mobbing den Unternehmen in Deutschland wirtschaftlich schadet. Die Krankheitsfolgekosten, die im Zusammenhang mit Mobbing entstehen, belaufen sich auf 4,3 Milliarden Euro. Bei Betroffenen steige zudem die Kündigungsbereitschaft und sie hätten jährlich zwei Krankheitstage mehr als nicht betroffene Beschäftigte.

Die Studie "Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen" ist vom Bündnis gegen Cybermobbing e.V. im Zeitraum vom 29. Juli bis 8. August 2025 durchgeführt worden. Insgesamt sind dabei 2030 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahre befragt worden. Es ist die neunte Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing e.V. zu diesem Thema.

Was können Betroffene tun?

Für Betroffene sei es wichtig, dass sie sich vertrauten Personen öffnen, sagt Uwe Leest. Sowohl im privaten als auch beruflichen Bereich. Darüber hinaus müssen Hilfetelefone zur Verfügung stehen, die eine anonyme Beratung möglich machen, so Leest weiter. Doch die Gesellschaft müsse die Prävention von Mobbing oder Cybermobbing stärker in den Fokus nehmen.

Der Verein WEISSER RING setzt sich ebenfalls für Betroffene ein. Laut Hans Matheis von WEISSER Ring e.V. in Karlsruhe wird bei Bedarf ein kostenloses Erstgespräch bei einem Anwalt angeboten. Sie leiten bei Bedarf an Therapeuten oder andere psychische Einrichtungen weiter. Oder helfen bei der Erstattung der Anzeige oder sind in Gesprächen einfach für Opfer von Mobbing da, so Hans Matheis.

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Landesschau Rheinland-Pfalz SWR RP

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Fabiola Germer
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