Der Tag nach dem Bürgerentscheid in Bruchsal, bei dem sich die Windkraftbefürworter durchsetzen konnten, steht im Zeichen von Beratungen und möglichen Verhandlungen. Der Grund: Das bislang für das Projekt verantwortliche Unternehmen, die Energiequelle GmbH, hatte völlig überraschend der Stadt Bruchsal am Freitagabend per Mail die Zusammenarbeit aufgekündigt. Am Montag wurde dies in einem Telefonat bestätigt. Jetzt werde nach einem anderen Unternehmen gesucht, das einsteigt und das Projekt verantwortet.
Wir haben einen Meilenstein geschafft, den Bürgerentscheid. Jetzt geht es weiter. Natürlich braucht man einen seriösen Vertragspartner, der verbindlich die Dinge mit uns vereinbart.
Stadt Bruchsal prüft unterschiedliche Optionen
Der Oberbürgermeister von Bruchsal, Sven Weigt (CDU), will in der Gemeinderatssitzung am Dienstag nur kurz über den Bürgerentscheid und das weitere Vorgehen informieren, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Die Stadt werde jetzt zunächst verschiedene Optionen prüfen und einen groben Zeitplan erstellen, um dann im neuen Jahr mit einem Verwaltungsvorschlag zur weiteren Beratung zunächst in den Ausschuss Umwelt und Technik des Gemeinderates zu gehen.
Am Ende solle nur das entstehen, was die Stadt möchte, der Gemeinderat beschlossen hat und wozu jetzt die Bürgerinnen und Bürger von Bruchsal eine Mehrheit gefunden haben.
Die Rahmenbedingungen mit dem bisherigen Unternehmen waren gesicherte Einnahmen, bestmögliche Absicherung der Risiken und eine breite Bürgerbeteiligung an den Windkraftanlagen. Dies seien auch die Leitplanken für die neuen Vertragsverhandlungen. Dafür wolle sich Oberbürgermeister Sven Weigt auch weiterhin einsetzen, so ist es in einer Stellungnahme zu lesen.
Unklar, warum der bisherige Projektpartner ausgestiegen ist
Der bisherige Projektpartner, die Energiequelle GmbH, sitzt in Zossen in Brandenburg, 30 Kilometer südlich von Berlin. Zu den Gründen für den Ausstieg aus dem Projekt erklärte Oberbürgerneister Weigt, man habe ihm erklärt, die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien in diesem Bereich seien zu unsicher für ein derart großes Projekt mit entsprechenden wirtschaftlichen Risiken. Das Stadtoberhaupt kommentierte die Begründung mit der Aussage, die Risiken seien am Freitag nicht anders gewesen als vor drei Wochen.
Bürgerinitiative warnt vor Zerstörung von Waldflächen
Die Bürgerinitiative "Kein Windrad im Wald" gegen die Windräder hatte den Bürgerentscheid durchgesetzt. Die Mehrheit im Gemeinderat und die Verwaltung wollen die Windkraftanlagen auf jeden Fall bauen. Bedenken kommen allerdings von Anwohnern in den Ortsteilen Obergrombach und Helmsheim. Sie wollen keine Windräder in ihrem Wald haben.
Windkraftgegner warnen vor der Zerstörung des Waldes. Sie sind der Meinung, die Stadt treibe ihre Pläne ohne Rücksicht auf negative Folgen voran, um sich Subventionen zu sichern und schlechte Haushaltszahlen zu kompensieren. Außerdem sei die Windhöffigkeit, also das durchschnittliche Windaufkommen, am Standort Bruchsal-Süd nicht so gut wie bei anderen Standorten.
Im windschwachen Süddeutschland Windräder zu bauen, ist volkswirtschaftlicher Unsinn. Das bezahlen wir alle mit unseren Steuergeldern.
Befürworter der Windräder und die Stadt Bruchsal weisen darauf hin, dass nur Wirtschaftswald, aber keine Waldbiotope betroffen wären. Die für den Bau der Windräder benötigen Flächen liegen bei insgesamt rund vier Hektar und machten damit nicht einmal zwei Prozent der Waldfläche aus.