Eigentlich wäre demnächst eine Entscheidung des obersten Verwaltungsgerichts im Land, dem VGH in Mannheim, fällig gewesen. So weit kommt es nun nicht mehr. Das Verfahren kann eingestellt werden, weil sich alle Beteiligten außergerichtlich geeinigt haben. Damit können noch im Frühjahr die ersten sechs Tonnen Bauschutt aus dem Rückbau in Philippsburg auf die Deponie Hamberg im Enzkreis geliefert werden.
Kreistag stimmt Einigung mit Land und EnBW zu Enzkreis beendet Streit um Bauschutt aus Philippsburg
Der Enzkreis hat sich mit den Beteiligten im Streit um die Entsorgung von Bauschutt aus dem Kreis Karlsruhe geeinigt. Erste Lkw sollen bald rollen.
Zwei Jahre ging beim Rückbau in Philippsburg nichts mehr
Die EnBW wusste zuletzt gar nicht, wohin mit all dem Bauschutt, der beim Abbruch der Reaktoren I und II entsteht. Insgesamt 1.150 Tonnen, darunter Betonschrott aus den beiden Philippsburger Reaktorblöcken können jetzt abtransportiert und deponiert werden. Das Material fällt unter die Kategorie "spezifisch freigegebene Abfälle". Das bedeutet, es bleibt unter der Strahlendosis von 10 Mikrosievert pro Jahr und kann damit nach Einschätzung von Experten bedenkenlos deponiert werden.
Von diesem Material geht überhaupt keine Gefahr aus.
Die erste Fuhre soll bereits in den nächsten Wochen auf den Weg gebracht werden. Es handelt sich um eine Charge von Betonblöcken, in Big Bags verpackt, die auf die Deponie Hamberg nach Maulbronn im Enzkreis verschickt werden. Insgesamt geht es um rund sechs Tonnen Betonschrott, der auch aus dem Siedewasserreaktor von Block I im Atomkraftwerk Philippsburg stammt. Eigentlich darf Hamberg gar kein Beton-Bauschutt annehmen.
In diesem Fall allerdings schon, weil es um mit Asbest versetztes Material geht. Nach Einschätzung des Finanzdezernenten im Enzkreis, Frank Stephan, sei der Asbest durchaus gesundheitsbedenklich, die von dem Material ausgehende radioaktive Strahlung dagegen überhaupt nicht.
Rückbau von AKW Philippsburg soll bis 2035 beendet sein
Jörg Michels, Chef der EnBW-Kernkraft Sparte, hofft, dass im Verlauf eines Jahres das gesamte Werksgelände in Philippsburg freigeräumt werden kann, damit der Rückbau endlich wieder in Gang kommt. Die Zeit drängt. Bis Mitte der 30er-Jahre will die EnBW sämtliche Atomanlagen in Philippsburg abgebaut haben. Was nicht mehr in Hamberg eingelagert werden kann, weil die Deponie demnächst voll ist, das soll künftig auf der Deponie Sansenhecken im Neckar Odenwald Kreis vergraben werden. Dorthin geht jetzt schon der Müll aus Obrigheim.
Rückbau von ehemaligem Atomkraftwerk Philippsburg Bauschutt aus altem AKW landet im Neckar-Odenwald-Kreis
Betonschutt aus dem abgeschalteten Atomkraftwerk Philippsburg soll auf der Deponie Sansenhecken bei Buchen entsorgt werden. Das hat die Kreisverwaltung am Montag bekannt gegeben.
Vermittlung statt Zwangszuweisung
Erst vor wenigen Tagen war die Einigung vom Enzkreis, Kreis Karlsruhe und Neckar-Odenwald-Kreis bekannt gegeben worden. Diese Einigung kam auf Vermittlung und möglicherweise auch auf Druck aus dem Umweltministerium zustande. Jedenfalls, so teilte der Neckar-Odenwald-Kreis kürzlich mit, konnte mit dieser Einigung eine Zwangszuweisung des Landes vermieden werden.
Die Deponierung des Atomschrotts aus Philippsburg lässt sich der Neckar-Odenwald-Kreis auf jeden Fall angemessen entlohnen. Wobei über die Summen Stillschweigen vereinbart wurde. EnBW-Kernkraft-Chef Michels legt aber auf die Tatsache Wert, dass hier keine Steuergelder ausgegeben würden. Die Entsorgung des Rückbau-Abfalls werde komplett aus dem Rücklagenfonds KENFO der Kraftwerksbetreiber in Deutschland finanziert, erklärte Michels auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Philippsburg.
Mindestens fünf Kontrollmessungen für die spezifische Freigabe
Tatsächlich durchläuft der gesamte Rückbauschrott nicht eine, sondern mehrere Kontrollmessungen, bis er schließlich deponiert werden darf. Insgesamt sind es fünf Untersuchungen, die zum einen von der EnBW selbst, danach aber auch von unabhängigen Gutachtern wie dem TÜV SÜD oder einer Spezialfirma im Auftrag der Deponie Hamberg vorgenommen werden. Von insgesamt rund 1,2 Millionen Tonnen Bauschutt aus dem Rückbau der Blöcke I und II in Philippsburg können rund 97 Prozent normal recycelt werden.
Etwa ein Prozent des Rückbauschrotts muss als schwach- oder mittelradioaktiv belasteter Müll im Schacht Konrad eingelagert werden. Übrig bleiben noch einmal ein bis zwei Prozent, die nicht recycelt, aber deponiert werden können.
Endlager noch nicht fertig Warten auf "Konrad": Darum rosten Atommüll-Fässer am KIT und in Philippsburg
Zwei rostige Fässer mit Atommüll: Was in Philippsburg kurz vor Weihnachten entdeckt wurde, ist in vielen Zwischenlagern für radioaktive Abfälle ein Problem, auch am KIT-Campus Nord bei Karlsruhe. Wie Betreiber damit umgehen.
Einigung liefert auch Perspektive für Karlsruher Atom-Rückbau
Die Einigung der drei Landkreise mit der EnBW und dem Land betrifft auch das ehemalige Kernforschungsgelände auf dem Campus Nord im KIT. In Karlsruhe lagert aktuell die größte Menge an Atom-Rückbauschrott bundesweit. Insgesamt acht Forschungsanlagen vom Versuchsreaktor über heiße Zellen bis zur Wiederaufarbeitungsanlage müssen hier zurückgebaut werden.
Aus Karlsruhe fallen noch einmal rund 13.000 Tonnen spezifisch freigegebene Abfälle an, die ebenfalls deponiert werden müssen. Auch hier werden sich die Rückbauarbeiten noch Jahrzehnte hinziehen.