War der Weg zu schlecht für Radfahrer?

Nach Tod von Radaktivist Natenom: Land will Radweg sanieren

Die Fahrradstrecke zwischen Schellbronn und Neuhausen im Enzkreis soll sicherer werden. Vor 20 Monaten war hier der Radaktivist Natenom ums Leben gekommen.

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Von Autor/in Heiner Kunold

2024 war auf der Landstraße 574 zwischen Neuhausen und Schellbronn der bundesweit bekannte Fahrradaktivist Andreas Mandalka alias Natenom ums Leben gekommen. Jetzt soll der Fahrradweg neben der Landstraße saniert werden. Außerdem übernimmt das Land die Zuständigkeit für den Weg von der Gemeinde Neuhausen.

Zu Lebzeiten polarisierte Natenom. Mit seinem Fahrradblog erregte er bundesweit Aufsehen. Hunderte Radfahrer beteiligten sich nach seinem Tod an mehreren Gedenkfahrten. Autofahrende Nachbarn erlebten Mandalka eher als unbequemen Störenfried, der immer wieder Autofahrer anzeigte, die seiner Meinung nach zu schnell und mit zu wenig Abstand an Radfahrern vorbeifuhren.

Mehr als 300 Menschen hatten sich nach dem Tod von Natenom in Pforzheim versammelt, um an einer Gedenkfahrt für Natenom teilzunehmen.
Mehr als 300 Menschen hatten sich nach dem Tod von Natenom in Pforzheim versammelt, um an einer Gedenkfahrt für Natenom teilzunehmen.

Späte Genugtuung für Fahrradaktivisten?

Dass nun der Weg entlang seiner Todesstrecke zwischen Schellbronn und Neuhausen saniert werden soll, mag anderen Radaktivisten eine späte Genugtuung sein - Natenom hat diesen Radweg am Abend des 30. Januar 2024 gar nicht benutzt. Absichtlich.

Denn ihm erschien der Waldweg mit seinen Schlaglöchern unbefahrbar, das sagte er in seinem Blog. Und so verwundert es auch nicht, dass Natenom eben in diesem die Rückstufung des Weges begrüßte, der bis 2021 schon einmal als Radweg ausgewiesen war.

Land übernimmt die "Baulast" für den Weg entlang der Landstraße

Das Land in Person von Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne) hat jedenfalls die Zuständigkeit von der Gemeinde Neuhausen für den Weg übernommen, der in Zukunft wieder ganz offiziell als Radweg ausgeschildert werden soll. Bedeutet übrigens auch: Radfahrer müssen ihn dann benutzen, andernfalls droht ein Bußgeld. Aber das Land hat auch seine Sanierung angekündigt. Dafür sollen demnächst Probebohrungen stattfinden. Eine Sanierung könnte dann nächstes Jahr folgen.

Schlaglochpiste oder nicht?

Für unbeteiligte Betrachter bleiben Fragezeichen. Über den Zustand des Weges ließe sich streiten. Was Natenom als Schlaglochpiste bezeichnete, ist für andere, die ebenfalls mit dem Rad unterwegs sind, ein Normalzustand. Der Weg wird jedenfalls sowohl von Fußgängern als auch von Radfahrern zwischen Schellbronn und Neuhausen benutzt.

Natürlich wurde der Weg öfter geflickt, nachdem im Winter der Frost an manchen Stellen die geteerte Fahrbahndecke gesprengt hatte. Dennoch ist die Fahrbahn ohne weiteres befahrbar. Bürgermeisterin Sabine Wagner (parteilos) erklärt: "Der Weg ist in einem verkehrssicheren Zustand. Das habe auch eine Versicherung bestätigt", teilt ihre Hauptamtsleiterin auf SWR-Anfrage mit.

Gemeinde hatte vor Tod von Natenom selbst Sanierungsantrag gestellt

Trotzdem hatte die Gemeinde vor ein paar Jahren, als die Landesstraße 574 saniert wurde, beim Land den Antrag gestellt, den Waldweg gleich mit zu erneuern, mit der Begründung, Neuhausen selbst habe kein Geld dafür. Das habe die Landesregierung damals abgelehnt, berichtet die Bürgermeisterin.

Jetzt soll die Maßnahme doch noch umgesetzt werden. Ob der Sinneswandel im Verkehrsministerium vielleicht mit dem Tod des Fahrradaktivisten zu tun haben könnte? Hätte er vielleicht mit einer früheren Umsetzung sogar verhindert werden können?

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