Millimeterarbeit in Perfektion mit ruhiger Hand - in Karlsruhe ist die Chirurgie von morgen schon länger Realität. Ein OP-Roboter vom System "DaVinci" ist im Städtischen Klinikum bereits seit über zehn Jahren im Einsatz, vornehmlich in der Urologie. Bei einer Info-Veranstaltung konnten interessierte Besucher herausfinden, wie Operationen mit Roboter funktionieren - und wichtige Fragen stellen.
Immer mehr Operationen mit OP-Roboter am Klinikum Karlsruhe
In der Urologischen Klinik gehört der OP-Roboter zum Alltagsgeschäft. Zwei bis drei Eingriffe pro Tag werden mit dem "DaVinci-System" durchgeführt, erklärt der Leiter der Urologie, Dogu Teber. Im Bereich Prostata sei man eigentlich schon komplett auf das Robotersystem übergegangen - rund 300 Prostata-Eingriffe würden so pro Jahr gemacht.
Seit 2024 gibt es im Städtischen Klinikum Karlsruhe einen zweiten OP-Roboter. Auch die Allgemein- und Viszeralchirurgie und die Frauenklinik arbeiten seitdem mit Roboter-Unterstützung.
Wir haben hier inzwischen ein echtes robotisches Zentrum entwickelt.
Perfektion ohne Zittern: So funktioniert ein OP-Roboter
"Das ist viel größer, als ich es mir vorgestellt hatte", meint ein Mann, der erst vor ein paar Monaten mit dem OP-Roboter operiert wurde. Während der Narkose war es ihm nicht möglich, den Roboter zu sehen. Jetzt am Info-Tag kann er ihn selbst austesten.
Und obwohl der "DaVinci"-Roboter so groß ist, kann er besonders präzise arbeiten. Wer den Roboter bedienen will, nimmt an dem Steuerelement mit Sitzmöglichkeit Platz. Durch ein Sichtfenster kann das Innere des Übungstorsos in 3D eingesehen werden. Per Fußpedal wird die Kamerasteuerung aktiviert und die Option, das Bild bis auf das 15-Fache zu vergrößern. Jeweils die beiden Zeigefinger und Daumen werden in kleine Schlingen an den Gelenkarmen der Steuereinheit gelegt. Jede Bewegung wird dann eins zu eins auf den Roboter über dem Übungstorso übertragen.
Die meistgestellte Frage am Klinikum Karlsruhe: Wer steuert, wer operiert?
Die Info-Veranstaltung der Urologie des Städtischen Klinikums "Uro.live" ermöglicht Interessierten nicht nur, den OP-Roboter anzuschauen und selbst zu steuern, sondern auch Fragen an die Experten zu stellen. Marcell Lipták, Assistenzarzt an der Urologische Klinik, weiß, was viele Besucherinnen und Besucher besonders interessiert. "Sie fragen: Operiert der Roboter selbst oder wird er gesteuert?" Dass der Roboter selbst operiere, sei nicht der Fall, so Marcell Lipták. "Es ist nicht so, dass wir das Radio anschalten und rausgehen, sondern wir sind genauso dabei, als wenn wir normal operieren würden."
Das Interesse am OP-Roboter ist groß: Es sind Patienten gekommen, die sich den Roboter vor ihrer OP gerne anschauen möchten, aber auch solche, die das System nachträglich unter die Lupe nehmen.
Es gehe darum, den Patienten die Angst zu nehmen, meint Dogu Teber. Am Ende könnten die Patienten aber im Prinzip selbst entscheiden, ob sie mit oder ohne Roboter operiert werden möchten. Viele würden aber explizit nach dem Roboter fragen, weil es sich schon herumgesprochen hätte, dass das System sehr viele Vorteile habe.
Ich habe keine Angst. Überall sind schon Roboter im Einsatz, überall funktioniert es. Solange noch ein Mensch dabei ist, wird es schon okay sein.
Machen OP-Roboter Operationen bald alleine?
Der Roboter zittert nicht, er macht präzise kleine Schnitte, bietet eine hervorragende Vergrößerung und ermöglicht minimalinvasive Operationen, so der Tenor auf der Veranstaltung. Das Stimmungsbild unter den Ärztinnen, Ärzten, Patientinnen und Patienten ist eindeutig. Aber nicht für jeden Eingriff eigne sich ein Roboter, meint Assistenzarzt Lipták. Den Roboter an- und abzudocken koste Zeit, und bei einer Operation, die sowieso nur 15 Minuten dauere, würde es sich schlichtweg nicht lohnen, den Roboter zu nutzen.
Auch sonst sei man weit davon entfernt, Operationen ohne Menschen durchzuführen, so Klinikdirektor Dogu Teber: "Wenn wir beim Autofahren noch nicht so weit sind, dann können Sie sich vorstellen, sind wir beim Operieren noch weit entfernt." Es werde auch in Zukunft immer einen Menschen brauchen, der einen Roboter bedient und überwacht.