Es ist einer der Orte in Karlsruhe, an dem laut Statistik die meisten Unfälle im Straßenverkehr passieren: der Oststadtkreisel. Die Stadt Karlsruhe hat deshalb gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) einen Verkehrsversuch gestartet, um die Unfälle dort zu reduzieren und die Verkehrssituation zu vereinfachen. Verkehrstechnisch ist der Oststadtkreisel allerdings kein echter Kreisverkehr, sondern eine kreisförmige Kreuzung mit besonderen Einfahrt- und Vorfahrtsregeln.
Wie es sich im Moment mit den neuen Maßnahmen im Oststadtkreisel fährt, hat SWR-Reporter Felix Wnuck versucht herauszufinden:
Bauzäune und Leitschwellen am Karlsruher Oststadtkreisel
An einer besonders kritischen Stelle des Karlsruher Oststadtkreisels leiten derzeit sogenannte Leitschwellen und Bauzäune den Verkehr so, dass Autofahrer die Fahrbahn nicht mehr kreuzen oder die Spur wechseln können. Ein Großteil aller Unfälle im Kreisel ereigneten sich laut Stadt an dieser Stelle.
Erste Erhebungen nach drei Monaten zeigen, dass die Maßnahmen des Verkehrsversuchs demnach erfolgreich sind. Laut Verkehrsexperte und Projektmitarbeiter Matthias Zimmermann vom KIT sind die Unfälle in diesem Bereich des Oststadtkreisels im Vergleich zum Vorjahresquartal von sieben auf null zurückgegangen.
Bei solchen Verkehrsversuchen müsse man für belastbare Ergebnisse ein Jahr abwarten, erklärt Matthias Zimmermann. Dennoch sei es ein gutes Zeichen, dass es dort in den ersten drei Monaten keine Unfälle gegeben habe. "Das ist natürlich schon ein Zeichen, dass es wohl tatsächlich klappt, weil es ja auch gute Gründe dafür gibt, dass es funktioniert."
KIT-Verkehrsexperte: "War von vornerein klar, dass das so nicht funktioniert"
Der Oststadtkreisel sei ein Ort, der ihn schon seine gesamte Zeit in Karlsruhe beschäftigt habe, erzählt Matthias Zimmermann vom KIT. Als er vor 26 Jahren in die Stadt kam, wurde der Oststadtkreisel gerade fertiggestellt. Jetzt bekam er die Möglichkeit, zusammen mit einem Expertenteam der Universität und der Polizei, dort eine neue Straßenführung zu erarbeiten.
Dass dieser Verkehrsknotenpunkt in der Form, wie er vor Jahren geplant und umgesetzt wurde, viele Unfälle verursachen würde, sei eigentlich klar gewesen, meint der Verkehrsexperte vom KIT. Zwischen Bau und Betrieb herrsche keine Einheit, dabei sei das ein Grundsatz. "Es bringt eben nichts, wenn man eine Kreuzung Vorfahrtsberechtigung der B10 als Kreisverkehr ausbaut und dann überrascht ist, dass viele Leute das eben als Kreisel wahrnehmen."
Eigentlich war von vornerein klar, dass das nicht so funktioniert, wie es funktionieren soll.
Aktueller Verkehrsversuch am Oststadtkreisel: Vorsichtige Hoffnung
Nach Ablauf des Versuchszeitraums werde dann weiter überlegt, inwiefern die gewonnenen Erkenntnisse den Kreisel langfristig sicherer machen könnten. Denn die Baustellenzäune - und besonders die Leitschwellen - hätten natürlich auch Nachteile, bestätigt Zimmermann. Sie könnten verrutschen oder auch überfahren werden - das sei keine Dauerlösung. Dennoch bleibe zu hoffen, dass sich die Versuchsmaßnahmen weiterhin positiv auf die Unfallsituation am Karlsruher Oststadtkreisel auswirken werden.
Oststadtkreisel Karlsruhe ist beliebte Zielscheibe in den sozialen Medien
In den sozialen Netzwerken wird sich regelmäßig über den Oststadtkreisel in Karlsruhe lustig gemacht. Dort gilt er überspitzt auch schon mal als "Todeszirkel", wo es für Ungeübte kein Herauskommen zu geben scheint.
Auch das ARD-Satire-Format "extra 3" hatte die ungewöhnliche Verkehrsführung in Karlsruhe bereits 2017 aufs Korn genommen.