Unfälle und verwirrte Autofahrer bald Vergangenheit?

Entschärfter Oststadtkreisel Karlsruhe: Verkehrsversuch zeigt offenbar Wirkung

Am Karlsruher Oststadtkreisel - bekannt für komplizierte Verkehrsführung und Unfälle - ist die Situation offenbar verbessert. Seit drei Monaten läuft dort ein Verkehrsversuch.

Teilen

Stand

Von Autor/in Hannah Radgen

Es ist einer der Orte in Karlsruhe, an dem laut Statistik die meisten Unfälle im Straßenverkehr passieren: der Oststadtkreisel. Die Stadt Karlsruhe hat deshalb gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) einen Verkehrsversuch gestartet, um die Unfälle dort zu reduzieren und die Verkehrssituation zu vereinfachen. Verkehrstechnisch ist der Oststadtkreisel allerdings kein echter Kreisverkehr, sondern eine kreisförmige Kreuzung mit besonderen Einfahrt- und Vorfahrtsregeln.

Wie es sich im Moment mit den neuen Maßnahmen im Oststadtkreisel fährt, hat SWR-Reporter Felix Wnuck versucht herauszufinden:

Bauzäune und Leitschwellen am Karlsruher Oststadtkreisel

An einer besonders kritischen Stelle des Karlsruher Oststadtkreisels leiten derzeit sogenannte Leitschwellen und Bauzäune den Verkehr so, dass Autofahrer die Fahrbahn nicht mehr kreuzen oder die Spur wechseln können. Ein Großteil aller Unfälle im Kreisel ereigneten sich laut Stadt an dieser Stelle.

Erste Erhebungen nach drei Monaten zeigen, dass die Maßnahmen des Verkehrsversuchs demnach erfolgreich sind. Laut Verkehrsexperte und Projektmitarbeiter Matthias Zimmermann vom KIT sind die Unfälle in diesem Bereich des Oststadtkreisels im Vergleich zum Vorjahresquartal von sieben auf null zurückgegangen.

Bei solchen Verkehrsversuchen müsse man für belastbare Ergebnisse ein Jahr abwarten, erklärt Matthias Zimmermann. Dennoch sei es ein gutes Zeichen, dass es dort in den ersten drei Monaten keine Unfälle gegeben habe. "Das ist natürlich schon ein Zeichen, dass es wohl tatsächlich klappt, weil es ja auch gute Gründe dafür gibt, dass es funktioniert."

Verkehrsversuch: Entschärfter Oststadtkreisel Karlsruhe
Verkehrsversuch am Oststadtkreisel in Karlsruhe

KIT-Verkehrsexperte: "War von vornerein klar, dass das so nicht funktioniert"

Der Oststadtkreisel sei ein Ort, der ihn schon seine gesamte Zeit in Karlsruhe beschäftigt habe, erzählt Matthias Zimmermann vom KIT. Als er vor 26 Jahren in die Stadt kam, wurde der Oststadtkreisel gerade fertiggestellt. Jetzt bekam er die Möglichkeit, zusammen mit einem Expertenteam der Universität und der Polizei, dort eine neue Straßenführung zu erarbeiten.

Dass dieser Verkehrsknotenpunkt in der Form, wie er vor Jahren geplant und umgesetzt wurde, viele Unfälle verursachen würde, sei eigentlich klar gewesen, meint der Verkehrsexperte vom KIT. Zwischen Bau und Betrieb herrsche keine Einheit, dabei sei das ein Grundsatz. "Es bringt eben nichts, wenn man eine Kreuzung Vorfahrtsberechtigung der B10 als Kreisverkehr ausbaut und dann überrascht ist, dass viele Leute das eben als Kreisel wahrnehmen."

Eigentlich war von vornerein klar, dass das nicht so funktioniert, wie es funktionieren soll.

Verkehrsexperte und Projektmitarbeiter Matthias Zimmermann vom KIT beschäftigt sich mit dem Karlsruher Oststadtkreisel
Verkehrsexperte und Projektmitarbeiter Matthias Zimmermann vom KIT

Aktueller Verkehrsversuch am Oststadtkreisel: Vorsichtige Hoffnung

Nach Ablauf des Versuchszeitraums werde dann weiter überlegt, inwiefern die gewonnenen Erkenntnisse den Kreisel langfristig sicherer machen könnten. Denn die Baustellenzäune - und besonders die Leitschwellen - hätten natürlich auch Nachteile, bestätigt Zimmermann. Sie könnten verrutschen oder auch überfahren werden - das sei keine Dauerlösung. Dennoch bleibe zu hoffen, dass sich die Versuchsmaßnahmen weiterhin positiv auf die Unfallsituation am Karlsruher Oststadtkreisel auswirken werden.

Oststadtkreisel Karlsruhe von oben
Aufsicht auf den Karlsruher Oststadtkreisel.

Oststadtkreisel Karlsruhe ist beliebte Zielscheibe in den sozialen Medien

In den sozialen Netzwerken wird sich regelmäßig über den Oststadtkreisel in Karlsruhe lustig gemacht. Dort gilt er überspitzt auch schon mal als "Todeszirkel", wo es für Ungeübte kein Herauskommen zu geben scheint.

Social-Media-Beitrag auf Instagram von wirsindkarlsruhe

Auch das ARD-Satire-Format "extra 3" hatte die ungewöhnliche Verkehrsführung in Karlsruhe bereits 2017 aufs Korn genommen.

Stuttgart

Tempolimit in zwei Schritten Nach tödlichem Unfall mit Fußgänger: Stadt Stuttgart führt am Olgaeck Tempo 30 ein

Am Olgaeck gilt bald Tempo 30. Damit reagiert die Stadt auf einen Antrag der Fraktion von SPD und Volt. Anlass sind Forderungen nach mehr Verkehrssicherheit.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Pforzheim

Zurück zu Tempo 50 Pforzheim schafft 30er-Zonen auf Hauptverkehrsstraßen ab

Pforzheim macht aus 30er-Zonen tagsüber wieder Tempo 50 Abschnitte. Dem hat der Gemeinderat am Dienstag zugestimmt. Kürzungen im Busverkehr erteilte der Gemeinderat eine Absage.

Bruchsal

25 Minuten pro Stunde Stillstand Bahnübergänge ständig geschlossen: Ärgernis für Autofahrer bei Bruchsal

Bis zu 25 Minuten pro Stunde sind die Bahnschranken bei Bruchsal zu. Der Grund: Die Züge, die sonst auf der Schnellbahnstrecke Stuttgart-Mannheim fahren, werden über Bruchsal umgeleitet.