Schwertkämpfe auf offener Straße, Männer in Rüstung mit einer Kanone im Schlepptau oder gruselige Gestalten in Pestkutten. Wer sich zwischen dem 4. und 7. Juli in Bretten herumtreibt, darf sich über all das nicht wundern. Denn für vier Tage wird Bretten zu Alt Brettheim im Jahr 1504. Am Freitag ist der Startschuss für das mehrtägige Spektakel gefallen:
Warum feiert Bretten das Peter-und-Paul-Fest?
"Früher war alles besser" - eine Redewendung, die wohl nicht auf das Mittelalter zutrifft. Das Peter-und-Paul-Fest würde auch nicht gefeiert, um diese Zeit zu glorifizieren, betonen die Fest-Organisatoren. Vielmehr feierten die Brettener ihre Unabhängigkeit und den Frieden.
1504 möchte der württembergische Herzog die Stadt belagern, doch die Brettener Bürger schlagen die Truppen in die Flucht. Die erfolgreiche Verteidigung wird seit 1950 bis heute von den Brettener Bürgerinnen und Bürgern und zahlreichen Gästen gefeiert: inklusive Nachstellung der Schlacht.
SWR-Reporterin Anna Tschürtz über alles Wissenswerte rund um das Peter-und-Paul-Fest:
Schon an den ersten drei Tagen kamen fast 100.000 Besucherinnen und Besucher zum Peter-und-Paul-Fest nach Bretten. Über 10.000 sahen den Festzug am Sonntagnachmittag. Das waren mehr als erwartet, so die Organisatoren.
Es ist ein wundervoller 75. Geburtstag mit Gästen aus ganz Europa. Die Tage waren auch von den Besucherzahlen her überwältigend.
Peter-und-Paul-Fest lebt von seinen Gruppen
Neben der möglichst authentisch nachgestellten Schlacht von 1504 gibt es jede Menge weitere Gruppen und Vereine, die zum Peter-und-Paul-Fest mit dazu beitragen, dass sich Besucherinnen und Besucher am ersten Wochenende im Juli in Bretten ins Mittelalter versetzt fühlen: Kettenhemdmacher, Wäscherinnen und Tagelöhner, Landsknechte, Feldscher und und und.
Die Brettener- und Gastgruppen sorgen für ein buntes Programm: mittelalterliche Tanzvorführungen und Kurse, Fahnenschwinger, Schwertkämpfe und viele Darstellungen mittelalterlicher Berufe. Einige Programmpunkte sind kaum noch wegzudenken. Seit Jahrzehnten gibt es zum Beispiel neben der Darstellung der Schlacht am Samstagabend die Gruppe "Gramboler" mit ihrem Pestzug durch die Altstadt oder das Artillerie-Feuerwerk.
Wir stellen ein paar Gruppen vom Peter-und-Paul-Fest vor:
Peter-und-Paul-Fest in Bretten: Eine Stadt im Ausnahmezustand
"Ich kenne keinen Brettener, der das Peter-und-Paul-Fest nicht mag", meint Sibille Elskamp, zweite Vorsitzende der Vereinigung Alt Brettheim e.V., die das Fest seit jeher mit der Stadt Bretten veranstaltet. Irgendwas muss da auch dran sein: Immerhin geht das Programm mit mittelalterlichen Tänzen und Musik bis 3 Uhr nachts. Und rund 3.000 Brettener und Brettenerinnen wirken jedes Jahr beim Fest mit. Wer in Bretten lebt und sich daran störte, der würde über die vier Festtage wegfahren. Peter-und-Paul-Fest, das gehöre fest zu Bretten dazu. Nicht umsonst ist hier am Montag auch schulfrei.
Mein persönliches Highlight beim Peter-und-Paul-Fest ist der Zapfenstreich Samstagnacht. Die Atmosphäre, der Spielmannszug und die Bürgerwehr: ein erhebendes Gefühl!
Die Brettener Artillerie fährt schweres Geschütz auf
Kein alltäglicher Anblick: so eine echte Kanone mitten in der Innenstadt. Der Brettener Artillerie Verein sorgt seit jeher dafür, dass es beim Peter-und-Paul-Fest richtig heiß wird. Zum Beispiel mit dem zwölfschüssigen Orgelgeschütz "Schwarz Agnes". Die Artillerie-Fachleute zeigen bei einer Vorführung am Samstagnachmittag, wie eine Kanone geladen wird und wie man damit umzugehen hat, erzählt Dennis Scheeder von der Brettener Artillerie.
Natürlich wird keine scharfe Munition verwendet - Feuer gibt es aber trotzdem zu sehen. Alle Kanonen der Artillerie seien keine Waffen, betont Scheeder, sondern Böllergeräte. Und alles behördlich abgesegnet, mit sämtlichen Befähigungen und Pyroschein. Neben der Kanonenvorstellung veranstaltet der Artillerie-Verein noch ein militärisches Feuerwerk, mit Pechkränzen, Brandballen oder Feuerpfeilen.
Die Vorbereitungen seien nicht ohne für alle Mitwirkenden. "Ich sag immer: Es ist so schad', dass es Gott sei Dank vorbei ist", erzählt Dennis Scheeder. Eigentlich seien alle beteiligten Gruppen das ganze Jahr über mit ihren Präsentationen für das Fest beschäftigt. Ob es sich dabei um Tanzproben, Kostümvorbereitungen oder wie bei seinem Verein, um die Wartung der Artillerie drehe, ganz egal. "Es ist doch immer wieder ein immenser Aufwand."
Es ist so schad', dass es Gott sei Dank vorbei ist.
Für Mutige: Kanonen-Wett-Ziehen am Montag
Abgesehen von der großen Schlacht, Artillerie-Präsentationen und dem militärischen Feuerwerk können Besucherinnen und Besucher am Montag auch ganz nah an die Kanone herankommen. Beim "Balduff-Wettziehen" ziehen Zweierteams eine 1,5 Tonnen schwere Kanone, den sogenannten "Balduff", über eine Distanz von 15 Meter. Dann wird die Zeit gestoppt. Natürlich gibt es auch etwas zu gewinnen, allerdings nur einen - so beschreibt ihn Dennis Scheeder - unglaublich hässlichen Wanderpokal.
Das [Peter-und-Paul-Fest] ist wie ein Virus. Wenn du den hast, hast du ihn. Und du kannst dich auch nicht impfen.
Mit den Grambolern zieht die Pest über das Peter-und-Paul-Fest
War das Mittelalter dunkel oder doch bunt? Wahrscheinlich liegt die Antwort irgendwo in der Mitte: Denn besonders die Pest oder "der schwarze Tod" gilt sicher als eine dunkle Episode dieser Zeit. Die Gruppe "Gramboler" hat sich unter anderem die Darstellung dieser Schattenseiten des Mittelalters zur Aufgabe gemacht und zieht am späten Sonntagabend in schwarzen Gewändern mit spitzen Hüten und weißen Masken, begleitet von dumpfen Trommelschlägen und Gebeten durch die Stadt.
Aber auch für die Gramboler wird es beim Peter-und-Paul-Fest noch richtig bunt: Mit selbst geschriebenen kleinen Theaterstücken treten die Gramboler auf dem Marktplatz auf. Mal weltpolitisch, aber auch, wie in diesem Jahr - spaßig - im Brettener Dialekt.
"Gramboler" sei übrigens im Brettener Sprachgebrauch ein anderes Wort für freundliche Störenfriede, erzählt Sibille Elskamp, eine langjährige Grambolerin. Bereits mit zehn Jahren sei sie das erste Mal beim großen Festzug mitgelaufen, seitdem hat sie das Peter-und-Paul-Fieber nicht mehr losgelassen.
Die Landsknechte lassen die Geschichte um Bretten lebendig werden
Was wäre eine Schlacht um Bretten ohne die Landsknechtgruppe? Die damals zumeist Bauern, die für den Kampf als Söldner rekrutiert wurden, werden heute möglichst authentisch von den Brettener Landsknechten dargestellt. Mit rund 200 Mitgliedern sind die Landsknechte eine der größten und aktivsten historischen Gruppen auf dem Peter-und-Paul-Fest. In Rüstung mit bunter Gewandung, sogenannten Langspießen und Schwertern agieren die Landsknechte in der Schlacht um Bretten und nehmen am großen Festzug teil, aber stellen auch die Chronik der Belagerung der Stadt auf dem Kirchplatz dar. Geschichte soll so lebendig gemacht werden.
Die Stadt ist aufgeladen mit so viel positiver Energie.
Der Vorsitzende der Landsknechte, Benjamin Farr, ist sogar schon seit seiner Geburt mit dabei. Für den Brettener sind die Landsknechte und vor allem das Peter-und-Paul-Fest eine Leidenschaft fürs Leben. Hier hat er sogar seine Frau kennen und lieben gelernt - obwohl sie Mitglied einer anderen Gruppe ist. Auch der kleine Sohn der beiden ist beim Fest bereits mit von der Partie. Es sei nicht unüblich, dass viele Paare und Familien die Leidenschaft für das traditionelle Brettener Fest teilten, meint Farr. Immerhin gehe es nicht nur um die vier Tage. Die Vorbereitungen und Näharbeiten an den Kostümen laufen das ganze Jahr über.
Mit Musik, Trommeln, Flaggen und Reiselust: Der Brettener Fanfarenzug
Was man unter anderem mit Flaggen so alles anstellen kann, wird auf dem Peter-und-Paul-Fest deutlich. Neben der berühmten Gastgruppe "Contrada della Corte", Fahnenschwingern aus Italien, gehört auch der Brettener Fanfarenzug mit seinen Flaggenschwingern, Trommlern und Fanfarenbläsern fest zum Peter-und-Paul-Programm dazu. Mit den Brettener Stadtfarben Blau und Weiß gekleidet, möchte die Gruppe die Fanfaren-, Trommler- und Fahnenschwinger-Tradition am Leben erhalten. Eine authentische Darstellung sei auch dem Fanfarenzug wichtig: Gearbeitet wird nur mit authentischen Naturtonfanfaren. Diese hätten keine Ventile, und die Tonerzeugung funktioniere nur über die Lippen.
Wenn man Brettener ist und weiß, dass da einmal im Jahr 3.000 Gewandete rumrennen, dann kann man nicht anders, als sich damit zu identifizieren.
Damit unter anderem beim Festzug alles reibungslos funktioniert, treffen sich die Gruppenmitlgieder zwei mal wöchentlich zum Proben. Jedes Jahr werden neue Lieder erarbeitet und einstudiert. Als einer der ältesten Fanfarenzüge Deutschlands beschränkt sich der Brettener Fanfarenzug nicht auf das Peter-und-Paul-Fest. Für die Gruppe ging es bereits zur Eröffnung der "Salzburger Festspiele" - und als besonderes Highlight 2023 nach New York zur "Steubenparade".
Am liebsten zieht der Fanfarenzug aber durch Bretten: Jedes Jahr wieder, zum Peter-und-Paul-Fest. Denn, so beschreibt es der Vorstand des Fanfarenzugs, Gerhard Schwarz: Nach Peter und Paul ist vor Peter und Paul.