"Hat sei Ross im Stall vergesse!"

Pfingstträg: Eine Gestalt aus 35 Kilo Blättern und einer großen Schwäche für Erbsen

Erbsen brachten den armen Pfingstträg dazu, sein Pferd zu vergessen. In Kuppenheim-Oberndorf wird die Tradition auch nach über einem Jahrhundert noch gefeiert.

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Von Autor/in Susann Bühler, Mirka Tiede

In Kuppenheim-Oberndorf (Kreis Rastatt) trottet an Pfingstmontag eine grüne Gestalt durch die Straßen: der Pfingstträg. Er ist von Kopf bis Fuß mit Blättern und Farnen bedeckt und zieht einen langen Schweif mit sich, der von Kindern getragen wird.

Über seinem Kopf ragt palmenförmig ein weiteres Farnbündel hervor. Der Pfingstträg aus Oberndorf ist aber nicht allein. Er wird von einer Gruppe von Menschen begleitet. An der Spitze des Zugs läuft ein Kind mit einem langen Stab in der Hand. An dem sind Farne und eine Glocke befestigt.

Verkleidung von Pfingstträg wiegt 35 Kilo

Unter den vielen Blättern steckt ein Freiwilliger aus dem Dorf: Philipp Weber ist es dieses Jahr. Er kommt nur schleppend voran. Seine Verkleidung wiegt 35 Kilo. Das Material dafür hatte die Gruppe am Morgen zusammen im Wald gesammelt. Sobald genügend Farne und Blätter zusammengekommen waren, wurde der Pfingstträg auch schon direkt vor Ort in sein Blätterkleid gehüllt und auf einem Traktoranhänger zurück ins Dorf gebracht. Rund 40 Menschen helfen bei der Prozession mit.

Ziemlich warm kann es unter all den Blättern werden.

Es ist schon ein bisschen wie eine kleine Sauna. Und man wird dann schon ziemlich nass sein hinterher, wenn man da wieder rauskommt.

Trotzdem ist die Tradition für Philipp Weber sehr wichtig. "Das gibt's hier in der ganzen Region nirgends mehr. Das gehört irgendwie zu Oberndorf einfach dazu."

Ein Mann kniet vor einem Mädchen. Er hat ein Büschel Farne in der Hand.
Die Kinder helfen beim Sammeln der Farne und Blätter für das Kleid des Pfingstträgs fleißig mit. Bild in Detailansicht öffnen
"Pfingstträg" Philipp Weber wird vor Ort im Wald von allen zusammen eingekleidet. Ein Eisengestell soll sein Gesicht schützen.
"Pfingstträg" Philipp Weber wird vor Ort im Wald von allen zusammen eingekleidet. Ein Eisengestell soll sein Gesicht schützen. Bild in Detailansicht öffnen
Eine alte Fotografie vom Pfingstträg - eine Gestalt aus Farnen und Blättern - aus dem Archiv Oberndorf.
Das älteste aktuell bekannte Foto der Pfingstträg-Tradition ist von 1934. Die Tradition ist aber schon deutlich älter. Archiv Oberndorf Bild in Detailansicht öffnen

"Mittlerweile deutschlandweit einmalige Tradition" zu Pfingsten

Am Kopf des Pfingstträg verbirgt sich unter den Blättern ein Eisengestell, das das Gesicht schützen soll. Für die Augen gibt es aber nur winzige Löcher zum Durchschauen. Nicht viel Platz, um alles richtig sehen zu können. Damit es nicht zu einem Unfall kommt, führen zwei Personen den Pfingstträg sicher durch die Straße. Und die Gruppe singt ein Lied.

Pfingstträg, Pfingstträg, oha! Hat Erbse g'fresse, hat sei Ross im Stall vergesse!

Am Dorfbrunnen gibt es eine kleine Pause. Hier steht eine Metall-Statue des Pfingstträgs. Eine Informationstafel klärt über "die mittlerweile deutschlandweit einmalige Tradition" auf. Die Bedeutung des Pfingstträg liege im Dunkeln, heißt es hier. Vielerorts habe es aber Aufzüge des Pfingstkönigs und der Pfingstkönigin gegeben, die den einziehenden Frühling symbolisierten.

Der Pfingstträg scheine ein Begleiter gewesen zu sein. Bei einer Sache werde er wohl besonders schwach: Essen! Das gilt vor allem für seine Leibspeise Erbsen. "Natürlich kommt er dadurch zum Einzug zu spät und vergisst vor lauter Eile auch noch sein Ross", erklärt die Tafel das Pfingstträg-Lied der Gruppe.

Zug endet am Ortsrand von Kuppenheim-Oberndorf

Während des Zugs stecken immer wieder Zuschauerinnen und Zuschauer den sogenannten "Teilern" der Gruppe etwas Geld und Süßigkeiten zu. Meistens sind das ältere Kinder oder Jugendliche. Sie haben die Aufgabe, die gesammelte Beute am Ende gerecht unter allen Kindern aufzuteilen. Am Ortsrand endet auch der Zug. Stundenlang musste der Pfingstträg das schwere Kostüm tragen - jetzt wird er endlich von der Gruppe befreit.

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Autor/in
Susann Bühler
Ein Bild von Susann Bühler
Mirka Tiede
SWR-Reporterin steht in einem Großraumbüro

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