In Kuppenheim-Oberndorf (Kreis Rastatt) trottet an Pfingstmontag eine grüne Gestalt durch die Straßen: der Pfingstträg. Er ist von Kopf bis Fuß mit Blättern und Farnen bedeckt und zieht einen langen Schweif mit sich, der von Kindern getragen wird.
Über seinem Kopf ragt palmenförmig ein weiteres Farnbündel hervor. Der Pfingstträg aus Oberndorf ist aber nicht allein. Er wird von einer Gruppe von Menschen begleitet. An der Spitze des Zugs läuft ein Kind mit einem langen Stab in der Hand. An dem sind Farne und eine Glocke befestigt.
Verkleidung von Pfingstträg wiegt 35 Kilo
Unter den vielen Blättern steckt ein Freiwilliger aus dem Dorf: Philipp Weber ist es dieses Jahr. Er kommt nur schleppend voran. Seine Verkleidung wiegt 35 Kilo. Das Material dafür hatte die Gruppe am Morgen zusammen im Wald gesammelt. Sobald genügend Farne und Blätter zusammengekommen waren, wurde der Pfingstträg auch schon direkt vor Ort in sein Blätterkleid gehüllt und auf einem Traktoranhänger zurück ins Dorf gebracht. Rund 40 Menschen helfen bei der Prozession mit.
Ziemlich warm kann es unter all den Blättern werden.
Es ist schon ein bisschen wie eine kleine Sauna. Und man wird dann schon ziemlich nass sein hinterher, wenn man da wieder rauskommt.
Trotzdem ist die Tradition für Philipp Weber sehr wichtig. "Das gibt's hier in der ganzen Region nirgends mehr. Das gehört irgendwie zu Oberndorf einfach dazu."
"Mittlerweile deutschlandweit einmalige Tradition" zu Pfingsten
Am Kopf des Pfingstträg verbirgt sich unter den Blättern ein Eisengestell, das das Gesicht schützen soll. Für die Augen gibt es aber nur winzige Löcher zum Durchschauen. Nicht viel Platz, um alles richtig sehen zu können. Damit es nicht zu einem Unfall kommt, führen zwei Personen den Pfingstträg sicher durch die Straße. Und die Gruppe singt ein Lied.
Pfingstträg, Pfingstträg, oha! Hat Erbse g'fresse, hat sei Ross im Stall vergesse!
Am Dorfbrunnen gibt es eine kleine Pause. Hier steht eine Metall-Statue des Pfingstträgs. Eine Informationstafel klärt über "die mittlerweile deutschlandweit einmalige Tradition" auf. Die Bedeutung des Pfingstträg liege im Dunkeln, heißt es hier. Vielerorts habe es aber Aufzüge des Pfingstkönigs und der Pfingstkönigin gegeben, die den einziehenden Frühling symbolisierten.
Der Pfingstträg scheine ein Begleiter gewesen zu sein. Bei einer Sache werde er wohl besonders schwach: Essen! Das gilt vor allem für seine Leibspeise Erbsen. "Natürlich kommt er dadurch zum Einzug zu spät und vergisst vor lauter Eile auch noch sein Ross", erklärt die Tafel das Pfingstträg-Lied der Gruppe.
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Zug endet am Ortsrand von Kuppenheim-Oberndorf
Während des Zugs stecken immer wieder Zuschauerinnen und Zuschauer den sogenannten "Teilern" der Gruppe etwas Geld und Süßigkeiten zu. Meistens sind das ältere Kinder oder Jugendliche. Sie haben die Aufgabe, die gesammelte Beute am Ende gerecht unter allen Kindern aufzuteilen. Am Ortsrand endet auch der Zug. Stundenlang musste der Pfingstträg das schwere Kostüm tragen - jetzt wird er endlich von der Gruppe befreit.