An Sommertagen kann es in der Innenstadt drückend heiß werden. Die Stadt Pforzheim will das ändern und mit dem "Schwammstadt"-Konzept Hitze, Trockenheit und Starkregen gleichzeitig trotzen. Ein kühler Platz mit unterirdischem Wasserspeicher wurde bereits geschaffen.
Eine Stadt wie ein Schwamm?
"Schwammstadt" ist ein Konzept aus der Stadtplanung und wird schon in vielen anderen Städten angewandt. Die Stadt soll sich wie ein Schwamm verhalten: Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben.
Typische Maßnahmen sind zum Beispiel, mehr Grünflächen anzulegen, Bäume zu pflanzen oder Dächer und Wände zu begrünen. Mithilfe der Pflanzen kann ein Teil des Wassers verdunsten und so zur Kühlung der Stadt beitragen. Auch Flächen zu entsiegeln, um sie wasserdurchlässiger zu machen, oder Regenwasserspeicher und Versickerungsflächen anzulegen, sind Optionen. Das Konzept sei aber nicht nur eine gute Möglichkeit gegen Hitze, sondern auch, um Starkregenereignissen vorzubeugen, so Philipp Linde von der Stadt Pforzheim.
Pforzheim: Pfälzer Platz speichert Wasser
Der Pfälzer Platz in Pforzheim wurde nach dem Konzept der "Schwammstadt" umgestaltet. Unter anderem wurden Entwässerungsschienen in den Platz integriert, um Wasser in neu installierte unterirdische Zisternen aufzunehmen und zu speichern. 72.000 Liter Wasser können darin gespeichert und bei Bedarf wieder abgegeben werden.
Das Wasser wird durch die Entwässerungsschienen geleitet, gefiltert und dann in den Zisternen eingespeichert.
Neu ist auch das System, das den Wasserbedarf der einzelnen Bäume und neuen Beetpflanzen individuell bestimmen und steuern könne, so die Stadt. "Dazu gehören beispielsweise Daten von Sensorik im Boden, die die Feuchtigkeit misst, die aktuelle Wetterprognose sowie Daten über regionale Niederschlagsmengen." Der Wasserverbrauch könne so erheblich reduziert werden.
Bäume und viel Grün gegen Hitze
Nicht neu sind die neun alten Platanen auf dem Pfälzer Platz. Aber ohne den Umbau hätten die Bäume höchstwahrscheinlich nicht überlebt, erzählen Michelle Bender und Philipp Linde von der Stadt Pforzheim. Sie wären enormem Hitzestress ausgesetzt gewesen und hätten in den alten Beeten zu wenig Platz gehabt. Durch die neue Bewässerung und größer angelegten Beete konnten die Bäume erhalten werden. Sie sorgen nach wie vor für Schatten und das neue Bewässerungssystem zusätzlich für Kühle durch Verdunstung.
Unterschiedliche Meinungen bei Pforzheimer Bürgerinnen und Bürgern
Schatten, mehr Pflanzen als CO₂-Speicher, ein neuer Trinkwasserbrunnen und kühle Luft durch Verdunstung des Wassers aus der Zisterne. Darüber, ob der Umbau des Pfälzer Platzes wirklich schon spürbar ist, herrscht Uneinigkeit. "Man merkt das tatsächlich, es ist richtig angenehm im Vergleich zu anderen Orten", meint eine Passantin. Einige Pforzheimer freuen sich über den Schatten, während ein anderer bemerkt, dass die Bäume auch schon vorher dort gewesen seien.
"Es ist eigentlich echt schick geworden. Wir kommen gerne hierher.
Die wahrscheinlich effektivste Neuerung auf dem Platz ist allerdings auch nicht sichtbar: die unterirdische Zisterne und die größtenteils im Beet versteckte Bewässerungsanlage.
Schwammstadt gegen Hitze: Bald auch an anderen Orten in Pforzheim?
Seit dem 1. Mai sind die Bewässerung und die Zisterne in Betrieb. Verwendbare Vergleichsdaten mit den Temperaturen auf dem Pfälzer Platz vor dem Umbau gebe es noch nicht, so Philipp Linde. Aber auf dem Pfälzer Platz sei es nachweislich drei Grad kühler als auf den anderen umliegenden Plätzen in der Pforzheimer Innenstadt. Da der Pfälzer Platz der erste ist, bei dem ein Umbau nach dem Schwammstadt-Konzept erfolgte, würden die Mitarbeitenden der Stadt jetzt sehr genau messen, wie erfolgreich das ganze als Klimafolgeanpassungsmaßnahme wäre. Man sei auch bereits in der Analyse, um das Konzept dann perspektivisch auch auf andere Orte übertragen zu können.