Mehr Pflanzen, mehr Wasser, mehr Abkühlung

Ein Platz wie ein Schwamm: Pforzheim kämpft gegen Hitze

Viele Städte kämpfen mit Hitze und Trockenheit. Pforzheim hat einen Platz nach dem "Schwammstadt"-Prinzip umgebaut, um einen kühlen Ort zu schaffen.

Teilen

Stand

Von Autor/in Hannah Radgen, Annika Jost

An Sommertagen kann es in der Innenstadt drückend heiß werden. Die Stadt Pforzheim will das ändern und mit dem "Schwammstadt"-Konzept Hitze, Trockenheit und Starkregen gleichzeitig trotzen. Ein kühler Platz mit unterirdischem Wasserspeicher wurde bereits geschaffen.

Eine Stadt wie ein Schwamm?

"Schwammstadt" ist ein Konzept aus der Stadtplanung und wird schon in vielen anderen Städten angewandt. Die Stadt soll sich wie ein Schwamm verhalten: Wasser aufnehmen, speichern und wieder abgeben.

Typische Maßnahmen sind zum Beispiel, mehr Grünflächen anzulegen, Bäume zu pflanzen oder Dächer und Wände zu begrünen. Mithilfe der Pflanzen kann ein Teil des Wassers verdunsten und so zur Kühlung der Stadt beitragen. Auch Flächen zu entsiegeln, um sie wasserdurchlässiger zu machen, oder Regenwasserspeicher und Versickerungsflächen anzulegen, sind Optionen. Das Konzept sei aber nicht nur eine gute Möglichkeit gegen Hitze, sondern auch, um Starkregenereignissen vorzubeugen, so Philipp Linde von der Stadt Pforzheim.

Der Pfälzer Platz in Pforzheim wurde umgebaut und soll dadurch zu einem kühleren Ort in der Stadt werden.
Der neue Pfälzer Platz in Pforzheim: Neue Pflaster, Zisterne, Beete mit integrierten Bewässerungsanlagen.

Pforzheim: Pfälzer Platz speichert Wasser

Der Pfälzer Platz in Pforzheim wurde nach dem Konzept der "Schwammstadt" umgestaltet. Unter anderem wurden Entwässerungsschienen in den Platz integriert, um Wasser in neu installierte unterirdische Zisternen aufzunehmen und zu speichern. 72.000 Liter Wasser können darin gespeichert und bei Bedarf wieder abgegeben werden.

Das Wasser wird durch die Entwässerungsschienen geleitet, gefiltert und dann in den Zisternen eingespeichert.

Der Pfälzer Platz in Pforzheim wurde umgebaut und soll damit einen kühlen Ort in der Stadt schaffen.
Zwei große Zisternen wurden unter dem Pfälzer Platz installiert. © Stadt Pforzheim

Neu ist auch das System, das den Wasserbedarf der einzelnen Bäume und neuen Beetpflanzen individuell bestimmen und steuern könne, so die Stadt. "Dazu gehören beispielsweise Daten von Sensorik im Boden, die die Feuchtigkeit misst, die aktuelle Wetterprognose sowie Daten über regionale Niederschlagsmengen." Der Wasserverbrauch könne so erheblich reduziert werden.

Der Pfälzer Platz in Pforzheim wurde umgebaut und soll dadurch zu einem kühleren Ort in der Stadt werden.
Eine sogenannte Entwässerungsschiene auf dem neu gestalteten Pfälzer Platz in Pforzheim.

Bäume und viel Grün gegen Hitze

Nicht neu sind die neun alten Platanen auf dem Pfälzer Platz. Aber ohne den Umbau hätten die Bäume höchstwahrscheinlich nicht überlebt, erzählen Michelle Bender und Philipp Linde von der Stadt Pforzheim. Sie wären enormem Hitzestress ausgesetzt gewesen und hätten in den alten Beeten zu wenig Platz gehabt. Durch die neue Bewässerung und größer angelegten Beete konnten die Bäume erhalten werden. Sie sorgen nach wie vor für Schatten und das neue Bewässerungssystem zusätzlich für Kühle durch Verdunstung.

Unterschiedliche Meinungen bei Pforzheimer Bürgerinnen und Bürgern

Schatten, mehr Pflanzen als CO₂-Speicher, ein neuer Trinkwasserbrunnen und kühle Luft durch Verdunstung des Wassers aus der Zisterne. Darüber, ob der Umbau des Pfälzer Platzes wirklich schon spürbar ist, herrscht Uneinigkeit. "Man merkt das tatsächlich, es ist richtig angenehm im Vergleich zu anderen Orten", meint eine Passantin. Einige Pforzheimer freuen sich über den Schatten, während ein anderer bemerkt, dass die Bäume auch schon vorher dort gewesen seien.

"Es ist eigentlich echt schick geworden. Wir kommen gerne hierher.

Die wahrscheinlich effektivste Neuerung auf dem Platz ist allerdings auch nicht sichtbar: die unterirdische Zisterne und die größtenteils im Beet versteckte Bewässerungsanlage.

Der Pfälzer Platz in Pforzheim wurde umgebaut und soll dadurch zu einem kühleren Ort in der Stadt werden.
Michelle Bender und Philipp Linde von der Stadt Pforzheim.

Schwammstadt gegen Hitze: Bald auch an anderen Orten in Pforzheim?

Seit dem 1. Mai sind die Bewässerung und die Zisterne in Betrieb. Verwendbare Vergleichsdaten mit den Temperaturen auf dem Pfälzer Platz vor dem Umbau gebe es noch nicht, so Philipp Linde. Aber auf dem Pfälzer Platz sei es nachweislich drei Grad kühler als auf den anderen umliegenden Plätzen in der Pforzheimer Innenstadt. Da der Pfälzer Platz der erste ist, bei dem ein Umbau nach dem Schwammstadt-Konzept erfolgte, würden die Mitarbeitenden der Stadt jetzt sehr genau messen, wie erfolgreich das ganze als Klimafolgeanpassungsmaßnahme wäre. Man sei auch bereits in der Analyse, um das Konzept dann perspektivisch auch auf andere Orte übertragen zu können.

Ludwigsburg

Interview mit Ludwigsburger Baubürgermeisterin "Im Juni Temperaturen wie in Rom": Was kann eine Stadt überhaupt gegen Hitze tun?

Ein Klima wie in Rom? Das wird in Ludwigsburg kommen, ist Bürgermeisterin Schwarz überzeugt. Wie reagiert die Stadt? Welche Rolle spielen Klimaanlagen? Antworten im Interview.

Immer mehr Hitzetage im Land Hitze belastet Senioren und Städte zunehmend: Wie können sie sich wappnen?

Die Anzahl der Hitzetage in BW wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Welche Folgen hat das für Senioren und die Zukunft unsrer Städte?

ZUR SACHE Baden-Württemberg SWR BW

Heilbronn

Sperrungen und Tempolimits Wenn der Asphalt weich wird: Hitze sorgt für Probleme auf Straßen und Autobahnen

Die Hitzewelle hat auch auf den Straßen ihre Spuren hinterlassen: Vielerorts in Heilbronn-Franken haben die hohen Temperaturen Schäden verursacht - mit Folgen für die Autofahrer.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Hannah Radgen
Hannah Radgen
Annika Jost
SWR-Reporterin Annika Jost

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!