Die Färbung, der Duft, Lamellen, Knollen, Sporen, Standort: Wer sich auf die Suche nach Pilzen macht, muss einiges beachten. Denn um einen Speisepilz vom Giftpilz zu unterscheiden, braucht es Wissen und Erfahrung. Wer unsicher ist, findet ab sofort wieder Hilfe bei der Pilzberatung am Naturkundemuseum Karlsruhe.
Einsteiger sollten mit Röhrenpilzen beginnen: Es gibt keinen tödlich giftigen Röhrling.
Pilze sammeln und bestimmen hat in Karlsruhe Tradition
Pilze sind ihre Leidenschaft: Die Karlsruher Pilzgruppe, angeschlossen an den Naturwissenschaftlichen Verein des Naturkundemuseums Karlsruhe, kennt sich nicht nur gut mit Pilzen aus, sondern möchte ihr Wissen auch weitergeben. Seit 2003 gibt es deshalb die Pilzberatung. Am Montag fand sie zum ersten Mal in diesem Jahr statt. Bis November finden Interessierte am Naturkundemuseum jeden Montag von 17 bis 19 Uhr Hilfe bei allen Fragen rund um Pilze.
Dass man sich in Karlsruhe mit Pilzen beschäftigt, komme nicht von irgendwoher, erzählt Initiator Markus Scholler vom Naturkundemuseum. Karlsruhe habe eine Tradition bei der Pilzberatung. In der Zeit um die beiden Weltkriege und Hungersnöte habe es bereits Pilzberatungen gegeben, so der Mykologe. 2003 wurden die Beratungen wieder eingeführt. Das Interesse ist seither groß.
Die häufigsten Verwechslungen beim Pilze Sammeln im Überblick:
Pilzberater in Karlsruhe: Apps und Internetbestimmung reichen nicht aus
Online geht mittlerweile fast alles: Pilze bestimmen nicht. Dazu brauche man alle Sinne, erzählt Pilzberater Dieter Oberle. Sogar Hören sei wichtig, erzählt er. "Wenn ich bei einem Steinpilz auf den Hut klopfe und es klingt wie ein vollgepumpter Fußball, dann ist der Pilz meistens gesund."
Ein Beispiel dafür, dass einfach nur Hinsehen oft nicht reicht, um herauszufinden, ob sich ein Pilz zum Verzehr eignet. Gerade deshalb seien Bestimmungsapps oft hanebüchen, meint Oberle. Es gäbe zwar Datenbanken mit Millionen von Pilzbildern, aber die Trefferquote sei nie hundertprozentig. Wenn es darum gehe, ob ein Pilz tödlich giftig oder essbar wäre, sei dies riskant.
Solange eine App nicht riechen, fühlen und schmecken kann, ist sie zur Pilzbestimmung ungeeignet.
Vergiftungen auch durch essbare Pilze möglich
Margot Schmitt und Lilie Hemmerlein waren im Wald zum Pilzesammeln unterwegs. Besonders gern isst Margot Schmitt Steinpilze. Bevor die in die Pfanne wandern, zeigen die beiden ihre Ausbeute der Pilzberatung. Pilzberater Simon Schmidt weiß nach ein paar schnellen Blicken, Tasten und Riechen: Es sind Steinpilze. Essbar aber nicht unbedingt.
"90 Prozent der Vergiftungen sind sogenannte unechte Pilz-Vergiftungen", erklärt Schmidt. Es würden oft zu alte Pilze aus dem Wald mitgenommen. Das wäre dann so, als würde man schlechten Fisch essen. "Werden solche zu alten Pilze gegessen, bekommt man eine Eiweißvergiftung, auch wenn die Pilze an sich nicht giftig sind."
Parasol oder Gift-Schirmling?
Er ist sicher einer der beliebtesten Speisepilze: der Parasol. Aber ihn von seinen giftigen Doppelgängern zu unterscheiden, ist gar nicht so einfach. Woran man einen echten Parasol erkennt, weiß Pilzberater Georg Müller. Ein Blick unter den Hut des Pilzes lohnt sich: Die Lamellen sollten den Stil nicht erreichen. Außerdem habe der Parasol einen verschiebbaren Ring am Stil, der giftige Garten-Schirmling nicht. Charakteristisch sei auch das Zick-Zack-Muster am Stil und das schuppige Muster auf dem Hut des Pilzes.
Champignon oder Knollenblätterpilz?
Giftige Doppelgänger hat auch der Champignon. Der essbare Wiesen-Champignon gleicht dem giftigen Knollenblätterpilz oder dem Karbol-Champignon. Die Verwechslung von Champignon und Knollenblätterpilz sei eine der folgenträchtigsten, weiß Pilzberater Dieter Oberle. Champignons zu sammeln sei definitiv keine Aufgabe für Einsteiger.
Im Vergleich zum Champignon sind Knollenblätterpilze unter dem Hut ganz weiß und haben an der Stilbasis eine häutige Knolle, essbare Champignons, wenn sie jung sind leicht rosa und später schokoladenbraun bis schwarz. "Schneidet man einen Gift-Champignon in der Mitte durch, wird er gelb und riecht außerdem nach Tinte", erklärt Oberle. Aber auch der essbare Riesen-Champignon färbe sich gelb, wenn man ihn durchschneide. Ein Beispiel dafür, wie gefährlich es sein kann, wenn man sich nur auf ein Merkmal oder einen Sinn verlässt.
Pfifferling oder Ölbaumtrichterling?
Für viele ist der Pfifferling aus der Küche nicht wegzudenken. Beim Sammeln ist aber auch hier Vorsicht geboten. Pfifferlinge werden oft mit dem giftigen Ölbaumtrichterling oder dem Orangenfuchsigen Raukopf verwechselt. Während der Pfifferling, relativ klein mit trichterförmigem Hut, auf dem Erdboden wächst, findet man den Ölbaumtrichterling oft büschelig auf lebendem oder totem Holz. Der Orangenfuchsige Raukopf wächst wie der essbare Pfifferling auf dem Boden, allerdings ist sein Hut nicht trichterförmig.
Ich war das zweite Mal Pilze sammeln. Ohne die Pilzberatung würde ich erstmal nichts essen.
Perlpilz oder Pantherpilz?
Ohne Knolle geht hier nichts - zumindest, wenn es nach Pilzberater Dieter Oberle geht. Wer den essbaren Perlpilz vom giftigen Pantherpilz unterscheiden will, sollte einen Blick auf die Knolle werfen. Der Pantherpilz habe eine doppeltgerandete Knolle, wohingegen der Perlpilz eine komplett ungerandete Knolle habe, erklärt Oberle. Beim Pantherpilz sieht es ein bisschen so aus, als hätte er einen Socken an. Die Manschette am Stil der Perlpilzes sei außerdem fein gerippt - ohne Lupe aber gar nicht so leicht zu erkennen.
Generell, meint Oberle, sei es bei Knollenpilzen besonders wichtig, den Pilz mitsamt seiner Knolle für die Bestimmung zu entfernen, oder zur Pilzberatung zu bringen. In der Knolle konzentriere sich der Geruch und die Färbung. Schneidet man beim Perlpilz die Knolle ein, färbt sich das Fleisch übrigens rötlich, beim giftigen Pendant ist es weiß.
Ohne die Knolle würde ich ihn nicht bestimmen wollen.