In vielen Städten und Gemeinden in Baden-Württemberg bleiben Apotheken heute ganz oder zeitweise geschlossen. Grund ist ein deutschlandweiter Protest von Apothekerinnen und Apothekern. Sie fordern eine höhere Apothekenvergütung und mehr Anerkennung für ihren Beruf.
Großteil der Apotheken in Karlsruhe macht mit
In Karlsruhe etwa haben sich seit dem Morgen Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Apotheken vor dem Einkaufszentrum Scheck-in Center zu einer Kundgebung versammelt. Die Apotheker und ihre Belegschaft sprechen mit Passanten, werben für ihre Forderungen. Und sie bitten um Verständnis, dass Apotheken in Karlsruhe heute ganz oder zeitweise geschlossen haben.
Wie viele Apotheken auf welche Art bei den Protesten mitmachen, lässt sich nicht ermitteln. Doch Karlsruhe gilt in Baden-Württemberg als Sonderfall. Hier haben sich die meisten Apotheker in einem Verein vernetzt und tauschen sich intensiv aus. Lokale Apothekenvertreter verbreiteten vor den Protesten die Botschaft, in Karlsruhe werde die Protest-Teilnahme besonders hoch sein.
Stichprobenartige Anrufe und Besuche von SWR-Reportern bei Apotheken in Karlsruhe zeigen: Einige haben tatsächlich komplett geschlossen. Andere haben die Zahl ihrer geöffneten Schalter halbiert. Und wieder andere bedienen nur Notfälle durch ihre Notdienst-Klappe.
Gesundheitsministerium in BW verbietet Apothekenschließungen
Auch landesweit lässt sich nicht ermitteln, wie viele der gut 2.000 Apotheken genau an dem Protest heute teilnehmen. Das baden-württembergische Gesundheits- und Sozialministerium hat Schließungen offiziell verboten.
In einem Schreiben, das die Landesapothekerkammer dann an die Apotheken verschickt hat, heißt es, ein Protest stelle "keinen berechtigten Grund" dar, eine Apotheke nicht zu öffnen. Geschlossene Apotheken an zwei Tagen hintereinander (Sonntag und Montag) stellten eine "besondere Belastung" für die Bevölkerung dar.
Mehrere Apotheker aus Karlsruhe erklärten, sie gingen das Risiko ein und machten am Montag trotzdem komplett zu. Der Kampf um ihren Berufsstand und ihre Vergütung sei ihnen das wert.
Ausbleibende Erhöhung bringt Apotheken in Schwierigkeiten
Laut dem Landesapothekerverband Baden-Württemberg sind die Personal- und Sachkosten in der gleichen Zeit aber um 65 Prozent gestiegen. Die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken sei daher dramatisch. Rund 20 Prozent der Apotheken bundesweit hätten seit 2013 schließen müssen. Deshalb fordern sie eine Anhebung der Vergütung auf 9,50 Euro pro Packung.
Beschließen müsste eine Erhöhung das Bundesgesundheitsministerium, da die Apothekenvergütung gesetzlich geregelt ist. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) habe bereits angekündigt, die Honoraranpassung schnell auf den Weg bringen zu wollen, heißt es in einer Mitteilung des Landesapothekerverbands. Mit den Protesten soll der Forderung Nachdruck verliehen werden.
Gesetzliche Krankenkassen gegen Erhöhung
Gegenwind bekommen die Apotheker von den gesetzlichen Krankenkassen. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) unterstellt den Apotheken, ihren Protest für mehr Geld auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten auszutragen. Eine höhere Pauschale für die Apotheken müssten die Versicherten mit ihren Beiträgen finanzieren, so die GKV.
Außerdem erhalten die Apotheken zusätzlich zur Pauschale pro Packung von den Krankenkassen drei Prozent vom Apothekeneinkaufspreis. Werden Medikamente teurer, würde so auch die Vergütung für die Apotheken steigen, erklärt die GKV. Insgesamt habe sich die jährliche Vergütung für die Apotheken zwischen 2013 und 2024 dadurch um insgesamt 1,5 Milliarden Euro erhöht, so die GKV auf SWR-Anfrage.
Statt einer Erhöhung der Pauschale fordern die gesetzlichen Krankenkassen deshalb eine Stärkung der Apotheken durch eine Reform.