Onlineshopping ist ein wachsender Trend - auch bei Medikamenten. Insgesamt wurden 2023 gut 20 Prozent der rezeptfreien Arzneimittel in Deutschland über Versandapotheken im Internet verkauft. Das entsprach einem Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Euro.
Für günstige und bequeme Bestellungen werben immer mehr Onlineanbieter mit Hilfe ihrer Apps. Doch halten sich die Anbieter an dieses Versprechen?
Webseiten und Apps von Apotheken im Vergleich
Um herauszufinden, ob man mit Hilfe von Apotheken-Apps mehr sparen kann als bei der Bestellung im Internet, wurden folgende Webseiten und Apps von Onlineanbietern miteinander verglichen:
- Shop Apotheke
- DocMorris
- Medikamente-per-Klick
- medpex
- Aponeo
Dabei wurde nach den gleichen frei verkäuflichen Produkten gesucht. Es wurden die Website und die jeweilige App der Onlineanbieter im Vergleich miteinander getestet.
Preise: frei verkäufliche Medikamente im Check
- Magnesium Diasporal 400 extra direkt
Auf der Website von Doc Morris bekommt man das Magnesium für 29,65 Euro. In der App dagegen zahlt man 34,99 Euro. Das sind mehr als 5 Euro Unterschied.
- Priorin-Kapseln
Priorin-Kapseln sollen gegen Haarausfall helfen. 27 Kapseln kosten im Onlineshop der Shop Apotheke 70,43 Euro. Für dasselbe Produkt mit derselben Menge zahlt man in der App fast 15 Euro mehr. Dort werden 84,59 Euro verlangt.
- Vomex
Vomex ist ein Medikament, das gegen Übelkeit eingenommen wird. Der Preis für 20 Dragees liegt um die 5 Euro. Bei Aponeo und DocMorris gibt es bei den App- und Webshop-Angeboten einen Preisunterschied von 1 bis 2 Euro.
- 30 Trinkampullen und Tabletten Orthomol Immun
Orthomol Immun wird als Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung des Immunsystems eingenommen. Sowohl bei medpex, Aponeo als auch bei Shop Apotheke kosten die Präparate in der App deutlich mehr als auf der Webseite. Hier zahlen Verbraucher 15 Euro mehr.
Nur bei Medikamente-per-Klick finden wir bei den Medikamenten im Check keine Preisunterschiede zwischen der Website und der App.
Apps bringen Unternehmen mehr Profit
Apps werben mit günstiger und bequemer Bestellung – und dennoch zahlt man mehr? Was für Kunden erstaunlich wirkt, macht aus Unternehmersicht Sinn. Das sagt Professor Andreas Kaapke, Handelsexperte an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart. Er beschäftigte sich bereits in verschiedenen Studien und Publikationen mit Apotheken.
Eine App kann man wie einen zusätzlichen Vertriebskanal interpretieren. Ein Vertriebskanal ist frei in der Preissetzung. Und wenn sich das von anderen Vertriebskanälen unterscheidet, ist das eine Managemententscheidung - Angebot und Nachfrage.
Das Hauptmotiv sei erstmal, Kunden zu gewinnen und zu begeistern, sodass diese "ein bequemes und hinreichend preisgutes Angebot" für sich erzielen, erklärt Professor Kaapke. Hat der Kunde erst einmal eine Apotheken-App auf dem Smartphone, schaut er sich nicht mehr so intensiv nach Preisvergleichen um.
Bei schneller Bestellung schlägt Bequemlichkeit den Preis, weil das ist schnell und bequem. Drei Klicks und es ist gemacht. Dann ist der Preis plötzlich nicht mehr so wichtig.
Was sagen Anbieter zu unterschiedlichen Preisen?
Kein Wunder, dass die Online-Apotheken gerne Kunden für die App-Nutzung gewinnen wollen. Doch wie begründen die Versandapotheken die Preisunterschiede im Webshop und der App?
Shop Apotheke begründet das folgendermaßen:
Je nach Zugriffsweg – etwa über unsere App, unseren Webshop oder externe Portale – können sich Preise unterscheiden. Das hängt unter anderem mit verschiedenen Rahmenbedingungen und Analyse des (anonymisierten) Nutzerverhaltens in den jeweiligen Kanälen zusammen.
Aponeo schreibt, dass grundsätzlich im Webshop und in der App identische Preise gelten würden.
In Einzelfällen kann es jedoch durch laufende Preisänderungen und die damit verbundene Synchronisierung zu kurzfristigen Abweichungen kommen. Diese Unterschiede sind nicht beabsichtigt, sondern rein technischer Natur und gleichen sich in der Regel sehr schnell wieder an.
Die übrigen von uns angeschriebenen Versandapotheken haben bis zum Redaktionsschluss nicht geantwortet.
Vergleichsportale sind der Weg zum Schnapper
Bei der Recherche zeigt sich: Es gibt nicht nur unterschiedliche Preise in der App und auf Webseiten. Sucht man die Medikamente über spezielle Preisvergleichsseiten für Apothekenprodukte - wie etwa Medizinfuchs oder Medipreis - findet man sie teilweise noch günstiger. Und das beim selben Anbieter.
Beispielsweise gibt es die Priorin Kapseln über Medipreis für 66,94 Euro bei der Shop Apotheke. Somit spart man hier im Vergleich zur App 20 Euro.
Sucht man etwa bei Medizinfuchs Voltaren Schmerzgel, bekommt man das Produkt für knapp 7 Euro günstiger als in der App.
Die günstigeren Preise als bei der direkten Bestellung bei einer Versandapotheke über App oder Webshop kommen laut Medizinfuchs so zustande: "Viele Apotheken bieten ihre Produkte auf medizinfuchs.de zu Sonderpreisen an. Diese Sonderpreise sind nur gültig, wenn Sie über medizinfuchs.de in der bestimmten Apotheke online bestellen."
Gefährliche Attrappen Boom von Luxus-Fakes - Wenn Fälschungen zur Gesundheitsgefahr werden
Deutschland ist ein Hotspot für Fälschungen – von Luxusmode bis Fake-Medikamenten. Letztere sind besonders gefährlich und mittlerweile sogar lukrativer als Drogen.
Ist die Freigabe persönlicher Daten die Ersparnis wert?
Dennoch ist die Nutzung von solchen Online-Angeboten auch nicht ohne Gefahren. Denn bei Onlinebestellungen zahlt man als Kunde immer mit den eigenen Daten.
Kundendaten seien immer wertvoll, erklärt Professor Kaapke. In einer App habe man ein relativ sicheres Bestellverhalten, das auch gespeichert wird. Das ermögliche dem Anbieter auch, zu sehen, was, wann und in welcher Menge der Kunde etwas gekauft hat. Dem entsprechend könne die Werbung gezielt ausgespielt und die Bindungswahrscheinlichkeit erhöht werden, erläutert Professor Kaapke.
Gerade bei frei verkäuflichen Medikamenten lässt sich also mit Preisvergleichen kräftig sparen. Das kostet allerdings Zeit und ist nicht so bequem wie mit einer App.