Sie sind wichtig für unser gesamtes Ökosystem, doch sie verschwinden immer mehr: Die Rheinauen in der Region sind stark bedroht. Ein groß angelegtes Umweltschutzprojekt soll sie nun retten. Am Mittwochnachmittag sind in Rastatt dafür die Weichen gestellt worden.
Großes Umweltschutzprojekt zur Rettung der Rheinauen gestartet
Klimawandel gefährdet die Feuchtgebiete am Rhein
Konkret geht es darum, 812 Hektar Rheinauen zu erhalten. In den nächsten zehn Jahren sollen dafür rund 8,5 Millionen Euro ausgegeben werden. Für NABU-Präsident Jörg Andreas Krüger ein wichtiger Schritt. Renaturierte Gewässer würden angesichts der Klimakrise immer wichtiger.
Die Flussauen bieten Lebensräume für Arten wie Eisvogel, Steinbeißer und Grüner Flussjungfer. Diesen Schatz an Biodiversität gilt es zu erhalten.
Der Klimawandel und zunehmende Niedrigwasserphasen am Rhein gefährdeten das Ökosystem Rheinauen. Insbesondere die Altrheinarme, ihre Wälder und sämtliche Tiere und Pflanzen, die dort leben. Nun sollen alte Nebenrinnen des Rheins und Auengewässer reaktiviert werden.
"Ein starkes Signal für den Naturschutz: Heute wurde ein Kooperationsvertrag zwischen dem Bundesverkehrsministerium, dem Land Baden-Württemberg und dem NABU unterzeichnet. Das zeigt: Wiederherstellung der Natur und eine schifffahrtlich intensive Nutzung am Oberrhein sind vereinbar", so Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz zu dem Projekt.
Lebensräume für bedrohte Tiere und Pflanzen erhalten
Es geht darum, Lebensräume für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und die fortschreitende Verlandung der international bedeutsamen Feuchtgebiete zu stoppen. Auch Kiesbänke als Brutgebiete für Vögel und Fische sollen neu entstehen.
Was für viele Menschen nach ökologischer Idylle aussieht, unterliegt in Wahrheit einer schleichenden Verschlechterung.
"Durch den Gewässerausbau fehlt der Aue die für viele Arten lebensnotwendige Dynamik", so Daniel Raddatz, Referatsleiter für Naturschutz am Regierungspräsidium Karlsruhe. Die Maßnahmen sollen bis Ende 2034 umgesetzt sein.
Altrheinarme im Raum Rastatt sollen wieder mit dem Fluss verbunden werden
An zehn Abschnitten werden ehemalige Nebenarme des Flusses, sogenannte Schluten, wieder an den Rhein angebunden. Das geschieht zum Teil durch Ausbaggern, zum Teil sollen aber auch Durchlassbauwerke unter Dämmen und Straßen vergrößert werden. Damit können Altrheinarme bei Hochwasser vom Fluss besser versorgt werden. Sie trocknen nicht mehr so schnell aus und das kommt Flora und Fauna gleichermaßen zugute.
Der Rhein ist die bedeutendste Wasserstraße Europas. Unser Ziel ist es, die ökologische Qualität des Rheins nachhaltig zu verbessern.
An dem Projekt sind neben dem NABU auch das Land Baden-Württemberg, die Wasser- und Schiffahrtsverwaltung und mehrere Kommunen entlang des Rheins beteiligt. Drei große Auenlandschaften, die zum Teil heute schon als Schutzgebiete ausgewiesen sind, gehören zur Projektfläche: Der Plittersdorfer Altrhein bei Rastatt, der Bremengrund bei Au am Rhein (Kreis Rastatt) und die Dettenheimer Rheinaue sollen von den Maßnahmen profitieren.
Land Baden-Württemberg und Kommunen stellen Flächen zur Verfügung
Das Auenprojekt wird vom NABU-Institut für Fluss und Auenökologie betreut. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein plant darüber hinaus Maßnahmen zur naturnahen Ufergestaltung des Rheins. Das Land und mehrere Gemeinden unterstützen das große Renaturierungsprojekt, in dem sie Flächen zur Verfügung stellen.