Thomas Jung (parteilos) hat die Oberbürgermeisterwahl in Baden-Baden gewonnen. Der 64-Jährige setzte sich gegen seine aus Bremen stammende Mitbewerberin Lencke Wischhusen durch. Noch ist Thomas Jung allerdings nicht im Amt. Am Mittwoch tagt der Wahlausschuss der Stadt Baden-Baden. Dort wird dann auch der genaue Amtsbeginn festgelegt.
Die Vorbereitungen auf die großen Herausforderungen beginnen für Thomas Jung allerdings schon jetzt. Der neue OB in Baden-Baden spricht im Interview mit SWR-Reporter Patrick Neumann, wie es nach der Wahl weitergeht.
SWR Aktuell: Herr Jung, wie geht es Ihnen einen Tag nach der Wahl zum neuen OB?
Thomas Jung: Ich bin überglücklich und es ist so eine Mischung aus: Man kann es gar nicht so richtig fassen und gleichzeitig waren das unheimlich tolle Momente am gestrigen Abend. Und ich freue mich jetzt auf die Aufgabe. Und ich bin völlig begeistert, wie viele Menschen mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Vertrauen heißt aber auch: Jetzt gilt es zu liefern! Ich habe immer gesagt: Das ist kein Sprint, es ist ein Marathon. Wir haben große finanzielle Probleme in Baden-Baden. Es gibt auch noch ganz andere Probleme und ich freue mich wirklich drauf die gemeinsam mit dem Gemeinderat, gemeinsam mit der Stadtgesellschaft, mit den vielen, vielen Menschen, die jetzt einen Aufbruch wollen, einen Start in die Zukunft, anzupacken.
SWR Aktuell: Was steht denn jetzt bei Ihnen auf der politischen Agenda?
Thomas Jung: Ich bekam nach der Wahl sehr viel Zuspruch von den Experten, die seit Monaten von der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat beauftragt sind, sich die Stadtfinanzen intensiv anzugucken. Die möchten den weiteren Prozess auch begleiten, was ich sehr begrüße. Und klar, das Ganze beginnt jetzt mit einem Kassensturz, damit wir sehen, wo wir stehen. Ich werde mir die Verwaltung anschauen. Ich möchte die Menschen kennenlernen. Die Amtsleiter kennenlernen. Viele Gespräche führen.
SWR Aktuell: Sie haben gesagt, Sie wollen sich nach 100 Tagen im Amt messen lassen?
Thomas Jung: Ja, das ist eine von mir selbst auferlegte Messlatte. Das werde ich dann auch bei meiner Vereidigung kundtun. Und ja, das sind sehr viele Maßnahmen, die wir angehen werden. Ich möchte, dass die Menschen in der Stadt - die Bürgerinnen und Bürger - sehr schnell merken: Es gibt einen Aufbruch. Es gibt ein Gemeinsam nach vorne. Weg mit alten Zöpfen. Mein Ziel ist, intensiv mit allen Beteiligten Pläne zu erarbeiten. Sie gemeinsam an den Tisch zu holen. Ob das junge Menschen in der Stadt sind, für die es überhaupt nichts mehr gibt. Ob es um die Entwicklung der Innenstadt geht. Ob es um die Entwicklung des Tourismus geht, oder Mobilitätskonzepte. Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe: Weg mit der Baden-Badener Arroganz!
SWR Aktuell: Wie wird sich denn ein Medienmanager wie Sie in die Politik einarbeiten können?
Thomas Jung: Das Ganze ist natürlich ein großes Team-Play. Das ist ja völlig klar. Meine Kompetenz geht über Medien hinaus. Mein Ziel ist, die Fachleute einzubinden. Experten einzubinden. Man muss auch für Baden-Baden die Welt nicht immer neu erfinden. Es gibt sehr, sehr erfolgreiche Städte in Baden-Württemberg, die in Einzelbereichen sehr große Erfolge erzielt haben. Mit deren Oberbürgermeistern möchte ich mich treffen und zusammensetzen. Um zügig für Baden-Baden auch nach vorne zu kommen.
SWR Aktuell: Sie sind jetzt 64 Jahre alt, haben Familie, junge Kinder. Wie geht das mit den neuen Aufgaben zusammen?
Thomas Jung: Ich habe das im Vorfeld in mehreren Runden mit meiner Familie besprochen. Nicht nur mit meiner Frau, auch mit den Kindern bis hin zu den Schwiegereltern. Und hätte nur eine Person ein Veto eingelegt, hätte ich diesen Schritt nicht unternommen. In allen Runden wurde mir gesagt: Wenn du Spaß daran hast. Wenn du das als Erfüllung siehst, dann tue es. Baden-Baden hat mir fast 30 Jahre lang unheimlich viel gegeben. Und jetzt möchte ich dieser Stadt Lebenszeit zurückgeben. Um ihr aus Krisen herauszuhelfen und Baden-Baden eine tolle Zukunft zu geben.