Sie ist zwar selten, aber es gibt sie: tierische Liebe, die ein Leben lang hält. Im Tierreich steht in Partnerschaften bei vielen Arten nicht die Treue an erster Stelle, sondern die optimale Verbreitung ihrer Gene und der Arterhalt.
Tierpfleger David Schmitt erklärt, wer sich im Wildpark Pforzheim fürs Leben bindet und wer gleich mehrere Partnerinnen oder Partner hat.
Alpakas: flauschig, liebevoll und treu?
Kuschelig sehen die vier Alpakas im Wildpark Pforzheim auf jeden Fall aus; aber sind sich der Alpaka-Hengst und seine Dame auch treu? In Pforzheim sei das auf den ersten Blick der Fall, erzählt Pfleger David Schmitt. Aber nur, weil das Alpaka-Pärchen hier ganz allein mit seinen beiden Jungen lebt. "Die Mädels schwören ihre Treue immer dem aktuell Stärksten und Schönsten", weiß David Schmitt. Falls ein anderer kommen würde, könnte es durchaus passieren, dass auch der mal seine Chance hätte. Groß und stark sei der hellbraune Alpaka-Hengst zwar nicht, er besteche aber durch seine Niedlichkeit.
Wildpark Pforzheim: mehrere Partnerinnen und Partner im Trend
Alpakas, Ziegen, Waschbären oder Elche: wirklich treu oder romantisch ist keine dieser Tierarten. Bei den Alpakas und den Ziegen paaren sich die Weibchen nur mit dem schönsten und stärksten Männchen. Die Ziegen leben im Wildpark Pforzheim sogar ganz ohne Männchen – den Valentinstag verbringt die Damenrunde also auch unter sich.
"Die Waschbären sind komplett unromantisch", erzählt der Tierpfleger. "Sie sind Einzelgänger und treffen sich nur zur Paarungszeit." Für die Fortpflanzung reiche es dann, wenn man sich halbwegs riechen könne. Auch die Elche pflegten keine romantischen Partnerschaften. Elchbullen seien in der Natur meist allein unterwegs, weiß David Schmitt. Zur Paarungszeit hoffen sie dann darauf, dass Weibchen an ihnen vorbeiziehen. Wer sich am Ende aber fortpflanzen darf, entscheiden auch hier die Weibchen.
Im Wildpark leben derzeit jeweils zwei Elchweibchen und -männchen. Aktuell sei aber Paarungszeit, und da die beiden Männchen die Söhne einer der Elchdamen sind, seien die Elche getrennt voneinander untergebracht. Die Elchbullen würden sich sonst mit der eigenen Mutter paaren.
Chance auf Romantik bei den Ottern am Valentinstag?
Ihre Partnerschaft dauert schon länger an: Das Otter-Ehepaar Wladimir und Esta kam letztes Jahr aus Hankensbüttel in den Pforzheimer Wildpark. Sie hätten sich direkt wohlgefühlt und fortgepflanzt, erzählt David Schmitt. Aus der Beziehung der beiden ist eine gemeinsame Tochter hervorgegangen, einen Namen hat sie allerdings noch nicht bekommen.
Für den Fall, dass Otter Wladimir mehr Mädels zur Verfügung hätte, würde er sich wahrscheinlich auch mit beiden paaren, so ehrlich müssen wir leider sein.
Einseitige Treue bei den Hirschen im Wildpark Pforzheim
Richard, der Altai-Maral Hirsch, lebt schon einige Zeit in Pforzheim und in einer Art Familienverbund. Er führt eine Beziehung mit zwei Hirschdamen, mit denen er sich laut Pfleger Schmitt auch jedes Jahr fleißig fortpflanzen würde. Im Frühjahr 2025 seien erst zwei Jungtiere geboren.
In ihrem sonstigen Verhalten innerhalb der Partnerschaft ähnelt die Hirsch-Beziehung aber so mancher menschlichen. Während der Paarungszeit der Hirsche, der Brunft, sei Richard immer ein bisschen gemein zu seinen Frauen, erzählt Schmitt. Die beiden Damen bildeten dann eine Art Leidensgemeinschaft. "Wenn Richard dann nicht mehr in der Brunft ist und kein Geweih mehr auf dem Kopf hat, dann ist er sehr verletzlich und weinerlich. Dann lassen ihn die Frauen auch schon gemeinsam spüren, wie gemein er das letzte halbe Jahr war."
Ewige Liebe und Arbeitsteilung: Viele Vogelarten machen es vor
"Die Waldrappe folgen unserem Prinzip oder wir deren", weiß der Tierpfleger. Sie leben in einer großen Kommune, aber paarweise. Ihre Partnerin oder ihren Partner haben sie über mehrere Jahre und suchen sich nur dann eine neue Liebschaft, wenn einer der Vögel verstirbt. Wie die Störche sind beide Partner bis auf das Eierlegen gleichgestellt und arbeiten Hand in Hand: Nestbau, Brüten, Futtersuche und Nachwuchs-Großziehen.
Störche sind sogar nicht nur ihrer Partnerin oder ihrem Partner treu, sondern, wenn möglich auch ihrem Nest. Zum Nestbau treffen sie sich Jahr für Jahr an denselben Plätzen. Wenn ihr Nest vom vorherigen Jahr noch da ist, umso besser.