Kunden zahlen teure Investitionen

Verseuchung mit PFAS lässt Wasserpreis in Rastatt und Umgebung steigen

Die Belastung des Grundwassers mit PFAS verteuert den Wasserpreis in Rastatt und Umgebung. Die hohen Investitionen in Filteranlagen und neue Brunnen tragen bislang die Kunden der Wasserwerke.

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Von Autor/in Wolfgang Hörter

3,16 Euro kostet in Rastatt aktuell der Kubikmeter Trinkwasser. Allein im vergangenen Jahr ist der Preis um mehr als 13 Prozent gestiegen. Mit Abwassergebühren kommt ein Vier-Personen-Haushalt jährlich auf rund 770 Euro.

Der Grund: "Ein Drittel des Trinkwasserpreises macht die PFAS-Reinigung aus", sagt Olaf Kaspryk, Geschäftsführer der Stadtwerke Rastatt. Früher war Rastatt jahrelang preislich unter den Top 5 der privaten Wasserversorger in Baden-Württemberg. Doch dann kam das Problem mit PFAS (früher auch PFC genannt) - und damit auch zusätzliche Kosten. Jetzt gehören die Rastatter Stadtwerke zu den teuersten Wasserversorgern im Land. Sie stehen auf Platz 70 von 84. Auch wenn die Liste nur die privatwirtschaftlichen Wasserversorger enthält und die Abwassergebühren nicht berücksichtigt, zeigt die Tendenz die Preissteigerung deutlich.

Stadtwerke Rastatt und Kunden tragen Kosten für PFAS-Reinigung

Was Olaf Kaspryk und viele Verbraucher dabei ärgert: Sie müssen bislang alle Kosten für die PFAS-Reinigung tragen. Die Chemikalie PFAS ist vor Jahren über Ackerflächen in das Grundwasser gelangt. Die Stadtwerke Rastatt haben das Kompostunternehmen Vogel aus Baden-Baden auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Es soll mit PFAS-belastetem Kompost weit über 1.000 Hektar Ackerboden verunreinigt haben und damit auch an der Grundwasserverseuchung schuld sein. Doch Schadenersatz wurde bisher nicht gezahlt, das Gerichtsverfahren läuft seit März 2022.

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Millionen-Investitionen wegen PFAS-Verseuchung nötig

Dabei sind die Kosten enorm: Nachdem im Jahr 2012 im Trinkwasser PFAS entdeckt wurde, mussten die Stadtwerke Rastatt Brunnen stilllegen und in der Folge Millionen investieren. In den beiden Wasserwerken in den Stadtteilen Rauental und Ottersdorf wurden Aktivkohlefilter-Reinigungsanlagen eingebaut. In Ottersdorf wurden drei zusätzliche Tiefbrunnen gebohrt. Die PFAS-bedingten Kosten liegen bislang bei rund 21 Millionen Euro. Und auch die jährlichen Betriebskosten sind rund eine halbe Million Euro höher als früher. Denn die Filteranlagen benötigen Strom und Wartung. So muss beispielsweise regelmäßig die Aktivkohle getauscht werden.

Auch rund um den EuroAirport Basel-Mulhouse ist das Trinkwasser mit dem gesundheitsschädlichen PFAS belastet. Das SWR Studio Freiburg hat berichtet:

Auch in der Umgebung von Rastatt höhere Wasserpreise

Die Wasserkunden in den Nachbargemeinden Kuppenheim und Muggensturm (beide Kreis Rastatt) spüren das PFAS-Problem ebenfalls im Geldbeutel: Der Wasserpreis ist pro Kubikmeter von 1,72 Euro im Jahr 2019 auf heute 3,03 Euro gestiegen. Das ist ein Plus von 76 Prozent. Der dortige Wasserversorger eneRegio hat viel in neue Infrastruktur gesteckt - Dinge, die sowieso nötig wurden, aber eben auch wegen PFAS.

So wurde gemeinsam mit der Nachbargemeinde Ötigheim ein neues Wasserwerk gebaut, dazu eine Ersatzwasserleitung für den Notfall aus Karlsruhe. Und weil die Grundwasserbrunnen aus Kuppenheim zu stark mit PFAS belastet waren, wird das Trinkwasser für die dortigen Bewohner jetzt von den Stadtwerken Rastatt geliefert. Über den Bezugspreis trägt man hier eben auch die erhöhten Reinigungskosten von Rastatt mit.

Der größte Teil an Investitionen scheint gemacht. So hofft der Geschäftsführer der eneRegio, Jochen Mühl, mittelfristig auf stabile Preise. Und in Rastatt rechnet Geschäftsführer Kaspryk ab 2026 nur noch mit moderaten Preisanstiegen.

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Wolfgang Hörter