Im Gänsemarsch traben sie den Hang hinunter - die Ziegen von Hubert Decker aus Ottenhöfen im Ortenaukreis. Dann erblicken die größtenteils trächtigen Tiere ihr ungewöhnliches Futter, und das Fressen beginnt. Unverkaufte Weihnachtsbäume, meist Nordmann-Tannen, werden an die Tiere verfüttert. Und es schmeckt ihnen offensichtlich.
Ätherische Öle der Weihnachtsbäume gut für Gesundheit der Ziegen
"Ziegen lieben Nadeln, und davon haben Weihnachtsbäume sehr viele", erklärt Hubert Decker die Beliebtheit der Bäume bei seinen Ziegen. Darüber hinaus seien die ätherischen Öle der Nordmann-Tannen gut für die Gesundheit der Tiere.
Ziegen-Futter statt Verbrennungsanlage
Die besonders leckeren Nordmann-Tannen gibt es nur ein paar Wochen im Januar für die Ziegen, nach Weihnachten. "Ansonsten sind sie zu teuer, um sie immer wieder über das Jahr zu kaufen", erläutert Ziegenwirt Decker.
Nach Weihnachten sieht das anders aus. Da bekommt Hubert Decker die Bäume sogar umsonst. Die Ware holt er bei Manfred Lamm ab, Weihnachtsbaumverkäufer aus Kappelrodeck. Rund 180 Bäume hat er diesen Winter verkauft, zehn Bäume blieben übrig.
"Eigentlich müssten sie auf den Recyclinghof und von dort in die Verbrennungsanlage", so Lamm. Diese Entsorgung gefiel ihm allerdings nicht so gut. Deshalb hatte er vor einigen Jahren eine andere Idee. Er fragte Hubert Decker, ob dessen Ziegen auch Weihnachtsbäume fressen. So hat alles angefangen.
Nicht jeder Baum ist für Ziegen geeignet
Ein bisschen Bauchgrummeln hatte Hubert Decker zuerst schon, denn nicht jeder Baum könne verfüttert werden "Sie dürfen nicht gespritzt oder mit Herbiziden behandelt sein. Auch mit Kunstdünger gezogene Bäume sind nicht für die Tiere geeignet", betont er. Manfred Lamm konnte ihn beruhigen: All das benutze er nicht.
Genau deshalb sei besonders wichtig, dass nur bestimmte Bäume bei den Tieren landen.
Wenn da jeder herkommt und seinen Christbaum auf die Weide wirft, hast du nichts mehr unter Kontrolle.
Wer also die Weide von Landwirt Decker als eine Möglichkeit sieht, seine alten Bäume zu entsorgen, sollte das dringend unterlassen. Bei den Christbäumen von Manfred Lamm weiß der Ziegenwirt allerdings genau, dass alles in Ordnung ist.
Festmahl für die Ziegen - übrig bleibt nur der Stamm
Eine Win-Win-Situation für beide. Manfred Lamm wird seine unverkauften Bäume unkompliziert los, und Hubert Decker bekommt kostenloses Futter für seine Tiere. Manchmal sogar so viel, dass es die Tiere gar nicht alles auf einmal fressen können.
Übrig bleibt am Ende nur der Baumstamm, den nagen die Tieren ab. Ohne Rinde wirft der Ziegenwirt die Baumstämme dann sie in den Hackschnitzler. Das kleingehäckselte Holz nutzt er als eine Art Mulch für seine Heidelbeersträucher hinter dem Haus. "Aus der Natur für die Natur", sagt Decker.