Viel Bürokratie, zu wenig Wertschätzung

Selbstständige und Kleinstunternehmer fordern weniger Hürden

Im Land der Tüftler und Erfinder haben es Selbstständige und Kleinstunternehmer nicht leicht. Zwei Selbstständige berichten von zu wenig Wertschätzung und zu viel Bürokratie.

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Von Autor/in Annika Jahn

Sein eigener Herr sein, keinen Chef im Nacken haben und das machen, was einen wirklich erfüllt - das geht, wenn man selbstständig ist. Und das sind in Baden-Württemberg sehr viele Menschen. 2023 waren dem Statistischen Landesamt zufolge 403.720 Soloselbstständige oder sogenannte Kleinstunternehmen, also Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden, gemeldet. Sie machen rund 87 Prozent der Unternehmen im Land aus.

Und dann bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen.

Katja Mangold ist eine von ihnen. Die 28-Jährige hat sich vor einem halben Jahr als Fotografin selbstständig gemacht. Nach einigem Hadern hätten Freunde und Bekannte ihr den letzten Schubs gegeben: "Und dann bin ich einfach ins kalte Wasser gesprungen und habe gesagt, was soll mir schon passieren? Ich kann mich jederzeit wieder anstellen lassen. Ich versuche es jetzt einfach."

Bürokratie und Förder-Dschungel

Herausfordernd fand Mangold die Bürokratie: "Weil man oft auch gar nicht weiß, was gibt es denn, was muss ich beachten, mit was starte ich denn jetzt oder wie wird mir denn dieser Einstieg irgendwie erleichtert?" Sie und auch andere Selbstständige in ihrem Umfeld hätten damit zu kämpfen gehabt.

IHK will Austausch von Kleinstunternehmern fördern

Dass das keine Einzelfälle sind, bestätigen die Industrie und Handelskammern in Baden-Württemberg. Deshalb haben sie zu einem Kongress für Kleinstunternehmer eingeladen. In Workshops erhalten die Unternehmerinnen und Unternehmer neben Tipps zur besseren Selbstvermarktung, Kundengewinnung auch Tipps zur Stressbewältigung bei der Flut an Aufgaben, die für die meisten ganz alleine zu stemmen sind.

Auch BW-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) ist vor Ort und verspricht, Hürden abzubauen. "Wir müssen daran arbeiten, dass wir schneller werden in den Genehmigungsprozessen. Wir müssen daran arbeiten, dass wir überbordende Bürokratie zurückbauen und dadurch auch gerade unsere Kleinunternehmen, die eben keine Stäbe an Personal haben, um bestimmte Berichte zu schreiben, zu entlasten."

Umsatzanteil von Kleinstunternehmen bei 10 Prozent

Ein-Personen- und Kleinstunternehmen seien dem Ministerium zufolge wichtig für die Wirtschaft, weil sie in der Lage seien, agil und flexibel zu handeln und sich schnell an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen. Im Jahr 2023 erzielten Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten in Baden-Württemberg einen Umsatz von rund 162,9 Milliarden Euro. Das sind rund zehn Prozent des Umsatzes aller Unternehmen im Land. Als Dienstleister hielten Kleinstunternehmer oft auch die größeren Unternehmen am Laufen, so das Wirtschaftsministerium weiter.

Soloselbstständige vermissen oft Wertschätzung

Warum ist es für viele trotzdem so schwer, den Überblick über die richtigen Anlaufstellen zu bekommen und die für sie richtigen Fördermöglichkeiten ausfindig zu machen? Für Petra Schäffer, Soloselbstständige aus Stuttgart, hat das auch mit mangelnder Wertschätzung für Kleinstunternehmen zu tun. "Schon allein im Umgang mit all den Ämtern und mit all den Institutionen, die ich da brauchte, habe ich gemerkt, dass es einfach sehr schwer ist, dass die Hürden sehr hoch sind."

Vor einem halben Jahr hat Schäffer ihre gut bezahlte Anstellung an den Nagel gehängt und sich als Coach für Frauen in den Wechseljahren selbstständig gemacht. Ein mutiger Schritt, der von Bankangestellten und Arbeitsamt-Mitarbeitenden in der Vergangenheit allerdings durchweg belächelt worden sei. Das habe sie enttäuscht.

Auch die Gründung an sich habe sie sich leichter vorgestellt. "Ich würde mir wünschen, dass die Prozesse nicht so langwierig sind und dass man auch ein offenes Ohr hat für Gründer. Ich habe viele Informationen mir aus Büchern auch gezogen", so Schäffer weiter.

Bei Beratungsangeboten sei sie nicht fündig geworden. Und das, obwohl es laut Wirtschaftsministerium ein breites Angebot vom Ministerium, von den Industrie- und Handelskammern und weiteren vom Ministerium geförderten Kontaktstellen gibt.

Selbstständigkeit in der Schule thematisieren

Diese Anlaufstellen müssten aber auch gefunden werden können, findet Fotografin Katja Mangold. "Also ich glaube, generell würde viel helfen, wenn man einfach viel transparenter darüber spricht, schon in der Schule." Das Thema Selbstständigkeit komme nirgends vor. Oft werde der Weg in eine Ausbildung vermittelt, dann in eine Anstellung in einen Betrieb.

Allen Anstrengungen zum Trotz, geht für sie der Weg als selbstbestimmte Unternehmerin auf jeden Fall weiter. "Ein schöner Satz, den ich immer mitgenommen habe, in der ganzen Selbstständigkeit von meinem absoluten Lieblingsfotografen: den Mutigen gehört die Welt. Und es kann dir nichts passieren, du kannst jederzeit zurückgehen."

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