Selbstkritik aus der Wirtschaft

IHK-Cheflobbyistin kritisiert: Unternehmen rufen bei Krisen zu schnell nach Hilfe der Politik

Stürzt die Wirtschaft in die Krise, kommen schnell Hilferufe in Richtung Politik. Oft zu schnell, sagt die Frau an der Spitze der IHK Region Stuttgart bei "Zur Sache! intensiv".

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Von Autor/in Henning Otte

Wirtschaftsförderung im Chaos: „Niemand hat den Überblick“ | Zur Sache! Intensiv

Es ist eine Selbstkritik, die man selten hört. Die Wirtschaft rufe bei Krisen oft zu schnell nach Hilfe durch die Politik, sagt Susanne Herre, Hauptgeschäftsführerin bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart. "Unternehmer sind in allererste Linie aufgefordert, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen", erklärt sie im SWR-Videopodcast "Zur Sache! intensiv". "Ich nehme schon wahr - und das nehme nicht nur ich wahr, sondern das wird auch bei den Mitgliedern der IHK so wahrgenommen - dass vielfach auch aus der Wirtschaft viel zu schnell mittlerweile der Ruf kommt: Da muss die Politik her, da muss die Politik unterstützen."

IHK-Cheflobbyistin: Betriebe müssten von "Vollkasko-Mentalität" wieder wegkommen

Diese Haltung sei seit der Corona-Krise stark verbreitet, findet Herre. "In der Zeit, völlig zu Recht, haben wir mit Förderprogrammen die Wirtschaft gestützt in dieser Anfangsphase, wo keiner wusste, was jetzt eigentlich passiert." Doch danach sei es so weitergegangen, dass die Unternehmen nach Subventionen und Förderprogrammen gerufen hätten. "Da ist etwas passiert, was nicht unbedingt förderlich war." Auf die Frage, ob sie das als "Vollkasko-Mentalität" betrachte, meint die IHK-Frau: "Ein bisschen ja, und davon müssen wir wieder wegkommen."

Die Wirtschaft müsse ihre eigene Verantwortung wieder verstärkt wahrnehmen. "Sie muss auch nicht warten, bis dann irgendwie irgendwas vielleicht geregelt ist, sondern muss Unternehmertum auch tatsächlich selbst leben." Diese Erkenntnis nehme sie aber auch bei den Betrieben wahr. Die IHK Region Stuttgart hat nach eigenen Angaben 175.000 Mitglieds-Unternehmen.

Herre hält Wachstumsbooster für wichtige Hilfsmaßnahme  

Die IHK-Hauptgeschäftsführerin begrüßte es aber, dass die schwarz-rote Bundesregierung der schwächelnden Wirtschaft nun unter die Arme greift. Der sogenannte Wachstumsbooster reize zu Investitionen an, wenn die Unternehmen Neuanschaffungen besser abschreiben könnten. "Es ist auch gut mit Blick auf den internationalen Wettbewerb, in dem wir stehen, vor allem hier auch in der Region stehen, dass das Körperschaftsteuerniveau abgesenkt wird."

Dass die Regierung für das Paket etwa 50 Milliarden Euro in die Hand nimmt und dafür neue Schulden aufnimmt, müsse man in Kauf nehmen. "Wir müssen ja was machen. Wir müssen irgendwie unsere Wirtschaft wieder ankurbeln", so Herre. Wenn es mehr Wachstum gebe, sprudelten auch die Steuereinnahmen wieder stärker.

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Herre monierte aber, dass die von der Bundesregierung versprochene Senkung der Stromsteuer nur für zwei Branchen komme, das produzierende Gewerbe und die Landwirtschaft. Wer wie die Lebensmittelbranche oder die Gastronomie Kühlhäuser betreibe oder Geschäftshäuser heizen müsse, der habe enorme Steigerungen bei den Energiekosten hinnehmen müssen. "Also das wäre ein Punkt gewesen und der wird auch sehr, sehr kritisch gesehen bei unseren Mitgliedern."

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