In der ersten Runde des DFB-Pokals ist es während des Spiels zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern zu Ausschreitungen gekommen. Nach torlosen 90 Minuten eskalierte die Stimmung auf den Rängen, nachdem zunächst die Spieler auf dem Feld aneinandergeraten waren. Es gab Dutzende Verletzte, darunter 35 Polizistinnen und Polizisten.
Zeitweise stand ein Abbruch der Partie im Raum - letztlich konnte aber zu Ende gespielt werden. Kaiserslautern gewann in der Verlängerung mit 1:0.
Innenminister Hagel sieht Verantwortung auch bei den Vereinen
Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel (CDU) findet deutliche Worte für die Geschehnisse. "Das war in Mannheim kein normales Derby", sagte Hagel. "Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller." Diese "Typen" werde man entsprechend behandeln, um Recht und Ordnung in den Stadien durchzusetzen.
Der CDU-Politiker sagte dem SWR, die Polizei in Mannheim habe hochprofessionell gehandelt, das Sicherheitskonzept habe funktioniert. Aber man sei als Landespolizei nicht alleine im Boot, so Hagel. Die Vereine seien mitverantwortlich für die technische Sicherheitsausstattung, für die Zugangs- und Zulassungskontrollen und für das Sicherheitspersonal in den Stadien. Das sei die Verantwortung der Vereine und das müsse jetzt aufgearbeitet werden.
Wie konnte trotz Kontrollen Pyrotechnik ins Stadion gelangen?
Die Stadt Mannheim will genau analysieren, warum trotz intensiver Sicherheitskontrollen soviel Pyrotechnik ins Stadion gelangen konnte. Hier gelte es "Lücken im System" noch besser zu schließen, erklärte Dezernent Dirk Grunert gegenüber dem SWR.
Nach dem Abpfiff hat der Deutsche Fußball-Bund auf Instagram eine Analyse der Vorfälle angekündigt. Diese würden "umfassend aufgearbeitet", hieß es in einem unmittelbar nach dem Erstrundenspiel veröffentlichten Post. "Der Deutsche Fußball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten." Für sicherheitsgefährdendes Verhalten sei im Fußball kein Platz, hieß es abschließend.
SV Waldhof Mannheim: Das "darf nicht Teil unseres Fußballs sein"
Der SV Waldhof Mannheim äußerte sich am Samstag in einer Mitteilung zu den Vorkommnissen: "Der SV Waldhof verurteilt die Geschehnisse rund um das DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern aufs Schärfste. Was im Carl-Benz-Stadion passiert ist, darf nicht Teil unseres Fußballs sein. Pyrotechnik, die gezielt in Richtung anderer Menschen eingesetzt wird, das Überwinden von Absperrungen und das Betreten des Innenraums sind durch nichts zu rechtfertigen."
Weiter heißt es, der Dank gelte allen Einsatz- und Ordnungskräften, die für die Sicherheit im Stadion und rund um das Spiel im Einsatz waren. Allen Verletzten wünsche man eine schnelle Genesung. Dem Schiedsrichterteam dankte der Verein für den Umgang mit der "herausfordernden Situation".
Der SV Waldhof werde die Ereignisse gemeinsam mit den zuständigen Stellen umfassend aufarbeiten. Man wisse um die besondere Emotionalität und Rivalität dieses Derbys. "Leidenschaft und Emotion gehören zum Fußball - die Gefährdung von Menschen jedoch nicht", schreibt der Pressesprecher des SV Waldhof Mannheim.
Auch der 1. FCK kritisiert Ausschreitungen
Auch Kaiserslauterns Geschäftsführer Thomas Hengen verurteilt die Vorfälle. "Das ist ein Derby, da sind die Emotionen groß, so etwas darf aber nicht ausarten. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball", sagte der Ex-Profi beim TV-Sender "Sky".
Auf dem Platz sei es eines Derbys "sehr, sehr würdig" gewesen, fand Lautern-Trainer Torsten Lieberknecht. "Das, was drumherum war, das wollen wir alle nicht sehen. Das ist auch nicht nachvollziehbar. Rivalität ja. Dass es aber so endet, ist schade für den Fußball."
SWR-Sportreporter Daniel Günther war beim Spiel im Stadion dabei und zeigte sich fassungslos:
Ausschreitung beim Spiel Waldhof gegen Kaiserslautern: Das ist passiert
Mannheimer Fans sollen Gegenstände in Richtung der FCK-Bank geworfen haben, so ein Polizeisprecher im Gespräch mit dem SWR. Die FCK-Fans hätten deshalb Pyrotechnik in Richtung Haupttribüne geschossen, worauf einige Waldhof-Anhänger den Platz stürmten.
Die Polizei griff ein, auf dem Platz waren auch berittene Einsatzkräfte. Wegen Pyrotechnik-Beschusses seien 35 Polizisten und Polizistinnen leicht verletzt worden. Laut Polizei mussten zudem 85 weitere Personen medizinisch versorgt werden - sie seien durch Rauchgase und den Einsatz von Pfefferspray verletzt worden. Zudem seien mehrere Fußballfans festgenommen worden.
Mittlerweile wurden laut Polizei Ermittlungen unter anderem wegen Beleidigungen, Körperverletzungsdelikten und Sachbeschädigungen eingeleitet. Kurz nach Spielende sei im Bereich des Gästefanblocks die Choreografie angezündet worden - der Brand wurde von der Feuerwehr gelöscht.
Schiedsrichter Robert Schröder erklärte in einem Interview, er habe in seiner Karriere schon Vieles erlebt. Aber das sei schon eine "besondere Kategorie und extrem gewesen".
Polizei: Nach Abpfiff blieb es ruhig
Die Polizei setzte sowohl vor als auch nach dem Spiel auf eine strikte Trennung der Fans. "Die Fanlager sind in keinem Fall aufeinandergetroffen", sagte ein Polizeisprecher dem SWR. Bis auf die unschönen Szenen während der Partie sei das Sicherheitskonzept voll aufgegangen. Insgesamt waren 1.400 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz.