Nach dem eskalierten DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern lädt der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel (CDU) Fußballvereine zu einem Gespräch nach Stuttgart ein. Es gehe darum, klare Vereinbarungen zu treffen und die Stadionallianzen weiterzuentwickeln, heißt es in der Einladung, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Das Treffen ist demnach für den 3. September geplant.
"Unser aller Ziel ist klar: Gewalt hat in unseren Stadien keinen Platz. Dies muss auch für emotional aufgeladene Spielbegegnungen gelten", zitiert die dpa aus der Einladung. Eingeladen sind einer Sprecherin zufolge sieben Vereine, vor allem aus der ersten bis dritten Liga.
Polizeigewerkschaft fordert Beteiligung der Vereine Konsequenzen nach Pokal-Krawallen in Mannheim: Tragen Fußballclubs bald die Polizeikosten?
Nach den Ausschreitungen in Mannheim fordert die GdP eine Beteiligung der Proficlubs an zusätzlichen Polizeikosten. Das Innenministerium lehnt das bisher ab.
Eskalation im Stadion: 35 Polizeikräfte und 85 Zuschauer verletzt
Das Erstrundenspiel am vergangenen Freitag im Mannheimer Carl-Benz-Stadion hatte kurz vor dem Abbruch gestanden. Der 1:0-Sieg der Kaiserslauterner nach Verlängerung war von Krawallen, Pyrotechnik und einem Platzsturm begleitet worden. Rund 1.400 Polizeibeamten waren im Einsatz, 35 davon wurden verletzt. Zudem mussten laut Polizei 85 Zuschauer medizinisch betreut werden. Acht von ihnen seien zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gekommen.
Die Vorkommnisse hätten ihn und weite Teile der Bevölkerung tief betroffen gemacht, schreibt Minister Hagel in der Einladung. "Die massive Gewalt gegen Einsatzkräfte und andere Fans ist nicht hinnehmbar; an keinem Spielort in Baden-Württemberg." Die Angriffe etwa mit Pyrotechnik hätten Zuschauer allen Alters, Spieler und Personal in größte Gefahr gebracht. "Sie zeigen, dass bei Hochrisikospielen Handlungsbedarf besteht", betont der Innenminister in dem Anschreiben. "Gemeinsam sind wir uns einig, dass wir uns auf gar keinen Fall an solche Bilder gewöhnen dürfen."
Hagel zweifelt an, ob bestehende Verfahren ausreichen
Die Stadionallianzen in Baden-Württemberg stünden seit Jahren für eine vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit von Fans, Vereinen, Polizei und Kommunen, schreibt Hagel. "An diesem Weg möchte ich festhalten." Infrage stehe jedoch, ob die bestehenden Verfahren den heutigen und künftigen Herausforderungen ausreichend gerecht werden. Was genau er an Vereinbarungen im Sinn hat, geht aus dem Anschreiben nicht hervor.
Seit den Ausschreitungen bei dem DFB-Spiel wird über Konsequenzen diskutiert, etwa darüber, ob die an Hochrisikospielen beteiligten Vereine sich verstärkt an den Sicherheitskosten beteiligen müssten. Das hat etwa die Gewerkschaft der Polizei (GdP) gefordert, aber auch der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Sascha Binder.