Die Sperrung einer zentralen Verkehrsachse im Kraichgau sorgt für Frust bei Pendlern und Unternehmen, Anwohner entlang der Umleitungsstrecke sind genervt. Es geht um ein kleines Teilstück der B45 zwischen Zuzenhausen und Hoffenheim. An einem normalen Tag ohne Baustelle fahren in dem Bereich der B45, die den Raum Neckargemünd und die Region um Sinsheim verbindet, knapp 10.000 Fahrzeuge, darunter rund 450 Lkw oder Busse.
Die ausgeschilderte Umleitung führt weiträumig über Meckesheim, Waibstadt und Sinsheim. Statt rund drei Kilometer sind nun etwa 22 Kilometer zu fahren. Entsprechend dichter ist der Verkehr in den Orten entlang der Strecke.
Unternehmen spüren die Sperrung deutlich
Direkt neben dem gesperrten Abschnitt liegt die Dachsenfranz Biermanufaktur in Zuzenhausen. Für den Betrieb bedeutet die Sperrung vor allem in der beginnenden Festsaison einen erheblichen Mehraufwand.
"Unsere Kunden liegen unter anderem im Raum Sinsheim. Normalerweise brauchen wir etwa zehn Minuten, jetzt müssen wir 20 bis 25 Minuten einplanen", sagt Tilman Werner, geschäftsführender Gesellschafter der Brauerei. "Das bedeutet längere Fahrzeiten, höhere Kosten und oft auch spätere Arbeitszeiten." Hinzu kommt Frust durch wendende Fahrzeuge direkt vor der Brauerei.
Da ist keine halbseitige Sperrung. Viele fahren geradeaus weiter und müssen dann drehen oder rückwärtsfahren – das ist vor allem für LKW und Sattelschlepper schwierig.
Mehr Verkehr abseits der offiziellen Umleitung
Auch Orte, die nicht an der ausgeschilderten Umleitungsstrecke liegen, bekommen die Folgen zu spüren. In Daisbach, einem Ortsteil von Waibstadt, nutzen viele Autofahrer eine vermeintliche Abkürzung – oft empfohlen von Navigationssystemen.
"Es ist eine Katastrophe für die Anwohner. Vor allem der LKW-Verkehr macht uns viel zu schaffen", sagt Daniel Grasmick, Ortsvorsteher von Daisbach. Komme es zu Begegnungen großer Fahrzeuge, gehe zeitweise nichts mehr. Als Anwohner direkt an der Hauptstraße spürt er die Auswirkung am eigenen Leib:
Ich habe schon vier bis fünf Minuten gebraucht, um überhaupt aus der Garage rauszukommen.
Grasmick wünscht sich zumindest temporäre Lösungen, um den Schwerlastverkehr konsequenter auf die offizielle Umleitung zu lenken.
Sanierungsarbeiten liegen im Zeitplan
Nach Angaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe wird auf dem gesperrten Abschnitt der B45 der Belag der Fahrbahndecke erneuert. Die obersten Asphaltschichten werden ausgetauscht, um Schäden, Unebenheiten und nachlassende Griffigkeit zu beheben. Die Arbeiten sollen voraussichtlich bis 8. Juni dauern und liegen nach SWR-Informationen bisher im Zeitplan. Die Kosten belaufen sich auf etwa 800.000 Euro, finanziert vom Bund.
Stadt Sinsheim: Sperrung "vertretbar"
Sinsheims Baubürgermeister, Bernd Kippenhan, hält die temporäre Belastung für zumutbar: "Straßen müssen saniert und repariert werden, damit sie in einem guten Zustand bleiben."
Wenn man eine Straße baut, dann ist sie halt gesperrt. Das geht insgesamt sieben bis acht Wochen. Ich denke, das ist vertretbar und muss sein.
Weitere Baustellen im Stadtgebiet geplant
In und um Sinsheim stehen weitere Bauarbeiten an. Unter anderem werden in der Hauptstraße und in Rohrbach Wasserleitungen erneuert. Für das kommende Jahr sind zudem Arbeiten zum Hochwasserschutz in Zuzenhausen und Hoffenheim geplant. Dann rollen zusätzliche Laster über den neuen Belag der B45. Das werde der Straße aber nicht schaden, so Kippenhan.
Die Betroffenen der B45-Umleitung versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Brauereichef Werner in Zuzenhausen organisiert kurz vor Ende der Sperrung ein kleines Straßenfest. Am Abend vor Fronleichnam sollen auf der ansonsten stark befahrenen B45 dann Bier- und Grillwagen stehen.