Landesregierung will Konflikte ausräumen

Biberlandschaft Ladenburg-Dossenheim: Naturschützer jubeln, Bauern murren

Was Biber mit einer Landschaft machen können, ist zwischen Dossenheim und Ladenburg gut zu sehen. Dort ist ein See entstanden. Zur Freude der Naturschützer, nicht der Bauern.

Teilen

Stand

Von Autor/in Christian Scharff

Zwischen Dossenheim und Ladenburg (beide Rhein-Neckar-Kreis) liegt das neue Gewässer, das Lagune genannt wird. Es ist kein Teich, sondern ein See von rund 100 Metern Länge und 30 Metern Breite. Das lässt das Herz eines jeden Vogelschützers und Naturliebhabers höher schlagen, die Bauern der Umgebung allerdings murren, denn gutes Ackerland ging dadurch verloren.

Der Biber ist eine Schalterart, das betont Staatssekretär Andre Baumann (Grüne). Der Biber legt einen Schalter um und verändert die Landschaft, baut Biotope, die normalerweise viel Geld an Planungs- und Durchführungskosten verschlingen würden - ganz natürlich und selbstverständlich.

Biber
Ortsbegehung an der Lagune: Die Konflikte schwelen weiter

Die betroffenen Bauern sind gar nicht zufrieden. Die Ausgleichszahlungen für verlorenes Ackerland seien zu gering, sagt Karl-Ludwig Fischer:

Das ist noch nicht mal ein Taschengeld

Er habe fünf Hektar Land durch den Biber verloren und für weitere zwölf Hektar verlorenes Land Ausgleichsflächen erhalten. Auch Landwirt Steffen Linnenbach berichtet Ähnliches. Seit sechs Jahren, seit der Ankunft der Biber, hat er mit überfluteten Flächen zu kämpfen. Er wünscht sich einen Ausgleich, wie ihn ein Fünf-Jahres-Vertrag nach der Landschaftspflegerichtlinie LPR bringt, den Landwirte für den Hamsterschutz bekommen.

Wo Biber leben, ist der Boden gut durchfeuchtet.
Biber bauen die Landschaft um

Auch wenn Staatsekretär Andre Baumann stets betont, dass die Kommunikation gut sei: Die Reibungen zwischen Landwirten und Naturschutz sind nicht ausgeräumt. Zwischen 11.000 und 13.000 Biber leben wieder im Land Baden-Württemberg und nicht selten greifen Betroffene zur Selbstjustiz, wie jüngst in Schefflenz im Neckar-Odenwald-Kreis, wo Unbekannte einen Biberdamm eingerissen haben - ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.

Biber
Die Lagune zwischen Dossenheim und Ladenburg hat sich dauerhaft etabliert

Aber es gibt mittlerweile auch andere Instrumente, mit dem Biber umzugehen. Die neue Biber-Verordnung des Landes, die noch nicht veröffentlicht ist, würde es ermöglichen, einzelne Biber zu töten, wenn sie nicht mehr ins Gefüge passen. Oder es werden auch mal Biberdämme mit einem Bypass entschärft.

Fachleute rechnen aber ohnehin damit, dass sich die Zahl der Biber bald einpendeln wird, eine Überpopulation sei nicht zu befürchten.

Was bleibt ist die Freude über den neuen Artenreichtum in der früheren Ackerlandschaft. Die Lagune in Ladenburg jedenfalls dient zum Beispiel folgenden Vogelarten als Rastplatz, Brutplatz oder Tränke: Bruchwasserläufer Waldwasserläufer, Grünschenkel, Zwergtaucher Flußregenpfeifer, Purpureiher, Weißstorch, Waldtauben oder Schwalben.

Wildtiere Der Biber ist zurück – Wenn Naturschutz zum Dilemma wird

Der Biber steht unter Naturschutz, bedroht bei seiner Ausbreitung aber andere Arten auf der roten Liste. Landwirte und Umweltverbände fragen: Welche Natur soll geschützt werden – und welche nicht?

Das Wissen SWR Kultur

Mengen

Dämme und Bauten zerstört Wer hat in Ennetach den Biber gestört?

Bei Ennetach im Kreis Sigmaringen haben Unbekannte ihre Zerstörungswut an Biberbauten ausgelassen. Doch die Tiere stehen unter Artenschutz und brauchen die Bauten für den Nachwuchs.

SWR Aktuell Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Christian Scharff
Christian Scharff

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!