Zwischen Dossenheim und Ladenburg (beide Rhein-Neckar-Kreis) liegt das neue Gewässer, das Lagune genannt wird. Es ist kein Teich, sondern ein See von rund 100 Metern Länge und 30 Metern Breite. Das lässt das Herz eines jeden Vogelschützers und Naturliebhabers höher schlagen, die Bauern der Umgebung allerdings murren, denn gutes Ackerland ging dadurch verloren.
Der Biber ist eine Schalterart, das betont Staatssekretär Andre Baumann (Grüne). Der Biber legt einen Schalter um und verändert die Landschaft, baut Biotope, die normalerweise viel Geld an Planungs- und Durchführungskosten verschlingen würden - ganz natürlich und selbstverständlich.
Die betroffenen Bauern sind gar nicht zufrieden. Die Ausgleichszahlungen für verlorenes Ackerland seien zu gering, sagt Karl-Ludwig Fischer:
Das ist noch nicht mal ein Taschengeld
Er habe fünf Hektar Land durch den Biber verloren und für weitere zwölf Hektar verlorenes Land Ausgleichsflächen erhalten. Auch Landwirt Steffen Linnenbach berichtet Ähnliches. Seit sechs Jahren, seit der Ankunft der Biber, hat er mit überfluteten Flächen zu kämpfen. Er wünscht sich einen Ausgleich, wie ihn ein Fünf-Jahres-Vertrag nach der Landschaftspflegerichtlinie LPR bringt, den Landwirte für den Hamsterschutz bekommen.
Auch wenn Staatsekretär Andre Baumann stets betont, dass die Kommunikation gut sei: Die Reibungen zwischen Landwirten und Naturschutz sind nicht ausgeräumt. Zwischen 11.000 und 13.000 Biber leben wieder im Land Baden-Württemberg und nicht selten greifen Betroffene zur Selbstjustiz, wie jüngst in Schefflenz im Neckar-Odenwald-Kreis, wo Unbekannte einen Biberdamm eingerissen haben - ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz.
Aber es gibt mittlerweile auch andere Instrumente, mit dem Biber umzugehen. Die neue Biber-Verordnung des Landes, die noch nicht veröffentlicht ist, würde es ermöglichen, einzelne Biber zu töten, wenn sie nicht mehr ins Gefüge passen. Oder es werden auch mal Biberdämme mit einem Bypass entschärft.
Fachleute rechnen aber ohnehin damit, dass sich die Zahl der Biber bald einpendeln wird, eine Überpopulation sei nicht zu befürchten.
Was bleibt ist die Freude über den neuen Artenreichtum in der früheren Ackerlandschaft. Die Lagune in Ladenburg jedenfalls dient zum Beispiel folgenden Vogelarten als Rastplatz, Brutplatz oder Tränke: Bruchwasserläufer Waldwasserläufer, Grünschenkel, Zwergtaucher Flußregenpfeifer, Purpureiher, Weißstorch, Waldtauben oder Schwalben.