Viele Menschen in Deutschland machen irgendwann in ihrem Leben einen Erste-Hilfe-Kurs. Dabei lernen sie zum Beispiel, wie eine Reanimation funktioniert, woran man einen Schlaganfall erkennt oder wie man eine Blutung stoppt. Aber wie reagiert man bei einem Menschen richtig, der in einer psychischen Krise steckt?
Das lernen derzeit Medizinstudentinnen und -studenten der Uni Heidelberg am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim. In einem viertägigen Seminar werden sie zu Ersthelfern für mentale Gesundheit ausgebildet. Im Kurs erfahren die Teilnehmenden zum Beispiel mehr über verschiedene psychische Probleme und Krisen - wie etwa Burnout oder Depressionen. Auch geht es darum, erste Anzeichen rechtzeitig zu erkennen und um den richtigen Umgang mit den Betroffenen.
Umfrage unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern: Was nehmt ihr nach dem ersten Tag mit?
Erste-Hilfe-Kurs für psychische Gesundheit klärt über Vorurteile auf
Wie geht man mit einer Person um, die jede Hilfe verweigert? Eine Frage, die am ersten Kurstag diskutiert wurde. Gerade bei älteren Menschen sei Psychotherapie manchmal mit Vorurteilen verbunden, erklärt Lotte Riehl der Gruppe. Sie hat den Kurs selbst vor drei Jahren besucht. Gemeinsam mit ihrem Studienkollegen Márk Möller und dem Leitenden Oberarzt am ZI, Michael Deuschle, leiten sie den Kurs.
"Die Medizinstudenten bekommen einen tollen Unterricht in Psychiatrie und Psychotherapie, aber sie lernen eigentlich nicht, wie sie Menschen in Not ansprechen", so Deuschle. Das Programm ergänze diese fehlende Anwendung im Alltag sehr gut.
Kurse für psychische Gesundheit gibt es in ganz Deutschland
Das Programm nennt sich "MHFA - Mental Health First Aid" und kommt aus Australien. In Deutschland werden seit fünf Jahren MHFA-Ersthelfer ausgebildet. Im Juli feierte das Programm seinen 50.000. Ersthelfer. Projekt-Träger in Deutschland ist das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.
Die Kurse werden bundesweit regelmäßig angeboten, teilnehmen kann jeder. Der Ablauf ist vergleichbar mit einem typischen Erste-Hilfe-Kurs - es gibt einen Theorieteil sowie praktische Übungen. Zum Schluss bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Handbuch mit psychologischen Grundlagen. Der Kurs kostet laut ZI etwa 200 Euro. Die Studierenden absolvieren den Kurs als Wahlpflichtfach, die Kosten übernimmt die Universität.