Kooperation mit Start-Up-Firma aus Estland

Fahren bald ferngesteuerte Autos durch Heidelberg?

In Heidelberg ist am Montag ein ferngesteuertes Auto vorgestellt worden, entwickelt von einer Firma in Estland. Wie funktioniert dieses Auto und wo könnte es zum Einsatz kommen?

Teilen

Stand

Von Autor/in Wolfgang Kessel

In Heidelberg könnten nach den Worten von Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) bald ferngesteuerte Autos im Einsatz sein - zum Beispiel beim Carsharing. Denkbar sei auch eine entsprechende Aufrüstung der städtischen Dienstwagenflotte. "Wir wollen das auch in Heidelberg", sagte Würzner am Montag am Rande einer Testfahrt mit einem ferngesteuerten Auto, dessen Technik von der Start-Up-Firma "Elmo Teledriving" aus Estland entwickelt wurde. Mit dieser Firma hat unter anderem die Stadt Heidelberg eine "Innovationspartnerschaft" abgeschlossen.

Auto wird aus Büro ferngesteuert

Erste Station: Ein Büroraum im "Heidelberg Innovation Park" im Stadtteil Kirchheim. Würzner setzt sich dort unter Anleitung der estnischen Entwickler vor ein Lenkrad samt Armaturenbrett und mehreren Bildschirmen, die ihm einen 180-Grad-Rundblick ermöglichen. Das Bild zeigt ihm über eine Internetverbindung den Ausblick durch die Front- und Seitenscheiben des Testautos, das nur wenige hundert Meter entfernt auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz steht. Erst fährt Würzner den Wagen per Fernsteuerung ein bisschen zu schnell, dann aber bekommt er Lenkung und Tempo in den Griff und grinst zufrieden.

Fernsteuerung eines Autos aus einem Büro in Heidelberg
Heidelbergs Oberbürgermeister lenkt aus einem Büro heraus ein Spezial-Auto auf dem nahegelegenen ADAC-Verkehrsübungsplatz - per Fernsteuerung.

Testfahrt in Heidelberg: Platz hinter Lenkrad ist leer

Zweite Station: Der Verkehrsübungsplatz des ADAC. Würzner und ein paar Freiwillige nehmen auf Beifahrersitz und Rückbank des Testwagens Platz, der Sitz hinter dem Steuer bleibt leer. Gefahren wird der Wagen nun von einem Experten der Start-Up-Firma aus dem Büroraum. Das E-Auto gleitet fast geräuschlos über den Übungsplatz, Würzner und die weiteren Insassen wirken entspannt. Auf dem Dach des Autos: mehrere schwarze Antennen. Die sorgen für eine stabile Internetverbindung, ohne die die Fernsteuerung nicht funktionieren würde. Fällt zum Beispiel die Telekom-Netz-Verbindung aus, springt als Ersatz sofort eine Vodafone-Verbindung ein. Und wenn das nicht hilft, wird ein Starlink-Satellit "angefunkt". Im allergrößten Notfall bremst das Auto laut den Entwicklern automatisch ab und schaltet die Warnblinkanlage an.

Ferngesteuertes Auto auf dem Verkehrsübungsplatz in Heidelberg-Kirchheim.
Demonstration eines ferngesteuerten Autos auf dem Verkehrsübungsplatz in Heidelberg-Kirchheim.

Ferngesteuerte Autos: Beim Carsharing oder zur Baustellensicherung sinnvoll

Paul Muck von der Heidelberger Firma "Muck Automotive GmbH" kooperiert mit der estnischen Firma. Er sagt, solche ferngesteuerten Autos seien zum Beispiel beim Thema Carsharing gut nutzbar: "Sie buchen ein Stadtmobil-Auto - und dieses Fahrzeug kommt ferngesteuert zu Ihnen, vor Ihre Tür". Sinnvoll sind Muck zufolge ferngesteuerte Fahrzeuge auch bei der Sicherung von Baustellen oder nach Unfällen auf Autobahnen. Das Personal von Autobahnmeistereien "müsste dann nicht mehr selbst mit einem Fahrzeug dahin fahren und sich Gefahren aussetzen. Sondern: Ein Mensch fährt dieses Fahrzeug einfach per Fernsteuerung an die Unfallstelle."

Einsatz ferngesteuerter Fahrzeuge beim Militär

Eine weitere Einsatzmöglichkeit für ferngesteuerte Fahrzeuge, so die estnischen Entwickler, sei das Militär. Die ukrainische Armee benutzt tatsächlich bereits jetzt im Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren ferngesteuerte Bodenfahrzeuge und Bodenroboter, unter anderem um die eigene Infanterie zu schützen.

"Fernlenk-Verordnung" regelt Umgang mit ferngesteuerten Autos

Geeignet für eine Umrüstung auf Fernsteuerung seien vorwiegend Automatik-Fahrzeuge, so Paul Muck. Das koste dann etwa "einen mittleren vierstelligen Euro-Betrag". Und die rechtliche Seite? Seit Anfang Dezember 2025 gilt in Deutschland die sogenannte "Fernlenk-Verordnung". Sie erlaubt - unter Auflagen - das Fahren von Autos per Fernbedienung von einem Leitstand aus.

Wann ferngesteuerte Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein werden? Das, so Muck, dauere wohl noch ein bisschen. Für die endgültige Genehmigung sei man im Austausch mit dem Kraftfahrtbundesamt und den Regierungspräsidien.

Baden-Württemberg

Vor allem in großen Städten beliebt E-Carsharing: Eine Alternative zum eigenen Auto?

Die Umstellung auf E-Autos in Baden-Württemberg läuft schleppend. Viele Landkreise bieten als Alternative zum eigenen Auto E-Carsharing an. Kann das bei der Mobilitätswende helfen?

Karlsruhe

Karlsruhe stellt die meisten Fahrzeuge Baden-Württemberg beim Carsharing besonders gut versorgt

In einem bundesweiten Branchenranking zum Carsharing schneidet Baden-Württemberg überdurchschnittlich gut ab. Neben Karlsruhe und Stuttgart liegen drei weitere Städte in den Top 10.

Singen

Leihwagen statt Zweitwagen E-Autos zum Ausleihen jetzt auch in Singen

Die Stadt Singen startet am Freitag mit einem Angebot für E-Auto-Sharing. An sechs Standorten sollen die umweltfreundlichen Fahrzeuge künftig zum Ausleihen bereitstehen.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Wolfgang Kessel
Wolfgang Kessel, Redakteur beim SWR in Mannheim

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!