In Heidelberg könnten nach den Worten von Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) bald ferngesteuerte Autos im Einsatz sein - zum Beispiel beim Carsharing. Denkbar sei auch eine entsprechende Aufrüstung der städtischen Dienstwagenflotte. "Wir wollen das auch in Heidelberg", sagte Würzner am Montag am Rande einer Testfahrt mit einem ferngesteuerten Auto, dessen Technik von der Start-Up-Firma "Elmo Teledriving" aus Estland entwickelt wurde. Mit dieser Firma hat unter anderem die Stadt Heidelberg eine "Innovationspartnerschaft" abgeschlossen.
Auto wird aus Büro ferngesteuert
Erste Station: Ein Büroraum im "Heidelberg Innovation Park" im Stadtteil Kirchheim. Würzner setzt sich dort unter Anleitung der estnischen Entwickler vor ein Lenkrad samt Armaturenbrett und mehreren Bildschirmen, die ihm einen 180-Grad-Rundblick ermöglichen. Das Bild zeigt ihm über eine Internetverbindung den Ausblick durch die Front- und Seitenscheiben des Testautos, das nur wenige hundert Meter entfernt auf dem ADAC-Verkehrsübungsplatz steht. Erst fährt Würzner den Wagen per Fernsteuerung ein bisschen zu schnell, dann aber bekommt er Lenkung und Tempo in den Griff und grinst zufrieden.
Testfahrt in Heidelberg: Platz hinter Lenkrad ist leer
Zweite Station: Der Verkehrsübungsplatz des ADAC. Würzner und ein paar Freiwillige nehmen auf Beifahrersitz und Rückbank des Testwagens Platz, der Sitz hinter dem Steuer bleibt leer. Gefahren wird der Wagen nun von einem Experten der Start-Up-Firma aus dem Büroraum. Das E-Auto gleitet fast geräuschlos über den Übungsplatz, Würzner und die weiteren Insassen wirken entspannt. Auf dem Dach des Autos: mehrere schwarze Antennen. Die sorgen für eine stabile Internetverbindung, ohne die die Fernsteuerung nicht funktionieren würde. Fällt zum Beispiel die Telekom-Netz-Verbindung aus, springt als Ersatz sofort eine Vodafone-Verbindung ein. Und wenn das nicht hilft, wird ein Starlink-Satellit "angefunkt". Im allergrößten Notfall bremst das Auto laut den Entwicklern automatisch ab und schaltet die Warnblinkanlage an.
Ferngesteuerte Autos: Beim Carsharing oder zur Baustellensicherung sinnvoll
Paul Muck von der Heidelberger Firma "Muck Automotive GmbH" kooperiert mit der estnischen Firma. Er sagt, solche ferngesteuerten Autos seien zum Beispiel beim Thema Carsharing gut nutzbar: "Sie buchen ein Stadtmobil-Auto - und dieses Fahrzeug kommt ferngesteuert zu Ihnen, vor Ihre Tür". Sinnvoll sind Muck zufolge ferngesteuerte Fahrzeuge auch bei der Sicherung von Baustellen oder nach Unfällen auf Autobahnen. Das Personal von Autobahnmeistereien "müsste dann nicht mehr selbst mit einem Fahrzeug dahin fahren und sich Gefahren aussetzen. Sondern: Ein Mensch fährt dieses Fahrzeug einfach per Fernsteuerung an die Unfallstelle."
Einsatz ferngesteuerter Fahrzeuge beim Militär
Eine weitere Einsatzmöglichkeit für ferngesteuerte Fahrzeuge, so die estnischen Entwickler, sei das Militär. Die ukrainische Armee benutzt tatsächlich bereits jetzt im Abwehrkampf gegen die russischen Invasoren ferngesteuerte Bodenfahrzeuge und Bodenroboter, unter anderem um die eigene Infanterie zu schützen.
"Fernlenk-Verordnung" regelt Umgang mit ferngesteuerten Autos
Geeignet für eine Umrüstung auf Fernsteuerung seien vorwiegend Automatik-Fahrzeuge, so Paul Muck. Das koste dann etwa "einen mittleren vierstelligen Euro-Betrag". Und die rechtliche Seite? Seit Anfang Dezember 2025 gilt in Deutschland die sogenannte "Fernlenk-Verordnung". Sie erlaubt - unter Auflagen - das Fahren von Autos per Fernbedienung von einem Leitstand aus.
Wann ferngesteuerte Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein werden? Das, so Muck, dauere wohl noch ein bisschen. Für die endgültige Genehmigung sei man im Austausch mit dem Kraftfahrtbundesamt und den Regierungspräsidien.