Die Stadt Heidelberg ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sie die Zusammenarbeit mit der von US-Investor Henry Jarecki gegründeten Max-Jarecki-Stiftung fortsetzen wird. Das teilte die Verwaltung am Freitag in einer Mitteilung mit. Nachdem es in den Epstein-Akten Hinweise auf eine mögliche Verbindung zwischen dem Heidelberger Bahnstadt-Investor Henry Jarecki und dem verurteilten amerikanischen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gegeben hat, habe die Stadt Heidelberg die Zusammenarbeit mit der Max-Jarecki-Stiftung auf den Prüfstand gestellt, heißt es weiter. Die Stiftung ist nach dem Vater von Henry Jarecki benannt.
Stadt Heidelberg zeigt sich irritiert über Verbindung
In der Mitteilung von Freitag heißt es, dass die Stadt Heidelberg irritiert sei über die "offensichtlich zeitweise engen Verbindungen zwischen Dr. Henry Jarecki und Jeffrey Epstein." Aus den bisher bekannten Akten sei ersichtlich, dass Henry Jarecki einen "vertrauten Umgang mit Epstein pflegte". Und das auch noch, nachdem bekannt geworden sei, dass Epstein wegen einer Sexualstraftat verurteilt und wieder aus der Haft entlassen worden war.
Die Stadt Heidelberg kann dieses Verhalten nicht nachvollziehen.
Es seien der Stadt Heidelberg aber keine laufende Ermittlungen gegen Henry Jarecki bekannt, heißt es weiter.
Austausch mit Sohn Andrew und Vertretern der Stiftung
Laufende Projekte mit der Max-Jarecki-Stiftung seien Mitte Februar dieses Jahres sofort ausgesetzt worden, nachdem die Akteneinträge in den Epstein-Akten bekannt geworden waren. Auch politische Beratungen im Heidelberger Gemeinderat seien in diesem Zusammenhang sofort gestoppt worden. Die Stadtverwaltung habe den Kontakt zu Vertretern und Anwälten der Stiftung aufgenommen. Der Ältestenrat des Gemeinderates habe sich außerdem am Mittwoch mit Henry Jareckis Sohn Andrew und einem Anwalt der Stiftung ausgetauscht.
Andrew Jarecki habe sich "unmissverständlich von den Verbrechen im Epstein-Kosmos distanziert", teilte der Heidelberger Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) weiter mit. Dies sei für die Stadt Heidelberg die "einzig richtige Reaktion".
Die Stadt Heidelberg setzt sich seit langem für Gleichberechtigung und Chancengleichheit ein. Frauen und Mädchen vor Gewalt, Unterdrückung und sexueller Ausbeutung zu schützen ist dabei ein fundamentaler Grundsatz.
Keine Geschäftsbeziehungen zu Henry Jarecki als Person
Die Stadt Heidelberg wies in der Mitteilung erneut darauf hin, dass sie Geschäftsbeziehungen mit der Max-Jarecki-Stiftung habe und nicht mit Henry Jarecki persönlich. Vertreter der Stiftung hätten zudem in den vergangenen Wochen betont, dass Henry Jarecki mittlerweile an Demenz leide und sich nicht mehr selbst äußern könne.
Die Anwälte der Stiftung haben der Stadt Heidelberg der Mitteilung zufolge bestätigt, dass Henry Jarecki im Tagesgeschäft und in den Entscheidungsprozessen der Stiftung schon seit Jahren keine Rolle mehr spiele. Außerdem würden weder er noch seine Familie von den Geschäften der Stiftung finanziell profitieren können.
Max-Jarecki-Stiftung hat Bahnstadt-Campus mit errichtet
Die Max-Jarecki-Stiftung hat nach eigenen Angaben bislang rund 250 Millionen Euro in den neuen Stadtteil Heidelbergs Bahnstadt investiert. Zwischen der Stadt Heidelberg und der Max-Jarecki-Stiftung bestehen seit 2009 Verträge zur Entwicklung eines Campus auf dem Bahnstadt-Gelände.