Sie ist ein Symbol für ein lebendiges Miteinander der Religionen in Mannheim: die Meile der Religionen. Am kommenden Dienstag wird sie zum sechsten Mal stattfinden, auch wenn die Jüdische Gemeinde ihre Teilnahme am Dienstag aus Sicherheitsgründen abgesagt hat. Die 1. Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim sagte, dass der Hintergrund für die Nicht-Teilnahme die Situation im Nahen und Mittleren Osten und der Konflikt zwischen Israel und dem Iran sei. Dieser hat die Sicherheitslage für Juden und jüdische Einrichtungen auch in Deutschland verschärft.
Absage "schweren Herzens", aber Sorge um Sicherheit
Die Absage tue weh, heißt es von der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Deborah Kämper, es gehe aber um die Sicherheit aller Teilnehmenden. An der Meile der Religionen öffne die Jüdische Gemeinde ihr Haus und lade Menschen ein, sich vor die Synagoge in Mannheim zu setzen und gemeinsam zu essen. Die Gemeinde habe Sorge, dass etwas passiert.
Die Vorstellung, dass da was passiert, war mir so unerträglich und die Verantwortung ist einfach zu groß gewesen, dass wir gesagt haben, dann sagen wir schweren Herzens unsere Teilnahme ab.
Bei der Eröffnung der Meile der Religionen würden aber bei der Begrüßung nochmal die Beweggründe für die Nicht-Teilnahme der Jüdischen Gemeinde erläutert. Sie seien quasi "im Geiste dabei", sagte Deborah Kämper. Die Meile der Religionen sei der Jüdischen Gemeinde sehr wichtig.
Mitglieder des Forums der Religionen äußern Bedauern
Ausrichter der Meile der Religionen ist das Forum der Religionen. Die Sprecher haben ihr Bedauern darüber geäußert, dass die Jüdische Gemeinde nicht dabei sein wird. Sie hätten aber "Verständnis und Respekt für die Entscheidung".
In den Herzen und im Geist wird die Jüdische Gemeinde auch ohne physische Präsenz eingebunden sein.
Lange Tafel in den Mannheimer Quadraten
Bei der Meile der Religionen essen in der Mannheimer Innenstadt unter freiem Himmel Gläubige verschiedener Religionen gemeinsam und tauschen sich aus. Der lange Tisch zieht sich quer durch die Quadrate. Die mehr als 60 Tische werden von den Mitgliedern der teilnehmenden Religionsgemeinschaften, Schulen, Initiativen und Freundeskreisen gedeckt. Laut dem Forum der Religionen sind in diesem Jahr beispielsweise katholische, evangelische, muslimische, alevitische und griechisch-orthodoxe Gemeinden mit dabei. Außerdem sind die Gotteshäuser der verschiedenen Religionen bis zum späten Abend geöffnet.
Die Idee zur Meile der Religionen als Fest der Gemeinschaft und des Friedens war im Jahr 2007 während des 400. Stadtjubiläums in Mannheim entstanden. In diesem Jahr wird sie zum sechsten Mal und zum ersten Mal nach der Corona-Pandemie stattfinden, und zwar am 24. Juni. Beginn ist um 18 Uhr vor der Marktplatzkirche St. Sebastian. Die Meile der Religionen endet dann ebenfalls dort um 20 Uhr mit einem interreligiösen Gebet. Bei der letzten Meile der Religion im Jahr 2019 nahmen laut Forum der Religionen etwa 2.500 Menschen teil.
DITIB-Gemeinde hatte schon abgesagt
Die islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) der Fatih-Moschee und die türkisch-islamische DITIB-Gemeinde der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee in Mannheim hatten die Teilnahme an der diesjährigen Meile der Religionen bereits zuvor abgesagt. Hintergrund hier ist unter anderem, dass die Mitgliedschaft der Mannheimer DITIB-Gemeinde im Forum der Religionen bereits seit dem Frühjahr ruht. Das liegt laut einem Gemeinde-Sprecher jedoch vor allem an internen strukturellen Problemen. So bemängelt die DITIB-Gemeinde die aus ihrer Sicht stellenweise späte und intransparente interne Kommunikation und sieht es als problematisch an, dass die vielen unterschiedlichen islamischen Gruppen von nur einem Sprecher im Forum der Religionen vertreten werden. Sicherheitsbedenken hätten keine Rolle für die Nicht-Teilnahme an der Meile der Religionen gespielt.