Es ist Samstagmittag bei Galeria in der Mannheimer Innenstadt. Das Kaufhaus ist gut besucht: Shoppingfreudige Familien schieben sich an Regalen voller Spielsachen, Kosmetik und Klamotten vorbei. Ein Mann mittleren Alters, Hawaiihemd, zurückgegelte Haare, begutachtet einen Wollpullover in der Herrenabteilung. Er wirkt wie ein normaler Kunde, schaut sich immer wieder unauffällig um. Für die Umstehenden wirkt es so, als würde er telefonieren: Er spricht mit irgendjemandem über ein kabelloses Headset im Ohr. "Siehst du die Dame in der blauen Jacke? Die bei Kamera 11? Die hat zwei schöne Taschen. Aber die wird runterfahren, denk ich", sagt er.
Als Kunde getarnt unterwegs
Der Mann heißt Markus und ist Ladendetektiv. Seinen Nachnamen möchte er in der Öffentlichkeit nicht nennen - aus Sicherheitsgründen. Als Kunde getarnt läuft er jeden Tag durch Geschäfte und beobachtet verdächtige Kunden. Sein Anfangsverdacht bei der Frau in der blauen Jacke hat sich in diesem Fall nicht bestätigt, aber das gehört dazu. "Im Schnitt schnappen wir vielleicht 30 Diebe im Monat", sagt Markus, also etwas mehr als einen pro Tag, wenn man die Sonntage abzieht.
Schaden im Handel durch Diebstähle auf Rekordniveau
Während das Berufsbild Ladendetektiv auf viele Menschen etwas veraltet wirken mag, ist das Thema Diebstähle im Einzelhandel so groß wie noch nie. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts EHI lag der Schaden durch Ladendiebstähle in Deutschland 2024 bei fast drei Milliarden Euro. Dem Baden-Württembergischen Handelsverband zufolge waren es landesweit 580 Millionen Euro, die dem Einzelhandel im vergangenen Jahr fehlten. Das Profil der Täter habe sich in den vergangenen Jahren geändert, sagt Frank Horst, Autor der EHI-Studie, dem SWR.
Wir sehen, dass zunehmend Familien und Senioren klauen.
Allerdings, so Horst, nehme auch die Berufskriminalität in dem Bereich zu: Für ein Drittel aller Ladendiebstähle seien professionelle Tätergruppen oder gewerbsmäßige Einzeltäter verantwortlich. Auch Detektiv Markus hat solche professionellen Diebstähle schon erlebt. "Da kommen manchmal Leute rein mit präparierten Taschen, Störsendern und allem drum und dran", sagt er.
Hilfe durch Kollegen und Überwachungskameras
Im Mannheimer Kaufhaus bleibt es an diesem Samstagmittag allerdings eher ruhig. Immer wieder nickt Markus unauffällig Mitarbeitern zu, man kennt ihn hier schon lange. Er läuft von Stockwerk zu Stockwerk, guckt sich Blusen oder Boxershorts an, nimmt sie in die Hand. Am meisten Zeit verbringt er in den Klamottenabteilungen für Damen und Herren, "da passiert am meisten." Das Kaufhaus ist nicht das leichteste Terrain für einen Ladendetektiv: Die Kunden können Waren über verschiedene Stockwerke hinweg mitnehmen - zahlen können sie überall. Erst, wenn sie die Waren an der Kasse vorbei und durch die Lichtschranke vor dem Ausgang mitnehmen, zählt es als Diebstahl. Dort schlägt Markus dann zu und spricht die Kunden an.
Detektive beobachten Kunden in ihrer "Schaltzentrale"
Hilfe bekommt er dabei von seinen Kollegen im sogenannten Kamera-Raum. Er ist Schaltzentrale der Detektive: eine kleine Kammer hinter einer unscheinbaren Tür. Der Zugang ist beschränkt, jede Person, die den Raum betritt oder verlässt, wird schriftlich erfasst. Zwei Bildschirme zeigen hier die Kamera-Perspektiven aus dem ganzen Kaufhaus. Wie viele das sind, wollen und dürfen die Detektive nicht sagen. Mit einem kleinen Trackpad steuern sie die Kameras und können an einzelne Kunden heranzoomen - die Qualität ist erstaunlich gut. "Wenn man erfahren ist, kann man mehrere Personen gleichzeitig beobachten", sagt Markus. Fällt den Mitarbeitern etwas auf, können sie sofort Kontakt zum Detektiv auf der Ladenfläche aufnehmen. Umgekehrt läuft es genauso. "Das ist immer Teamarbeit", sagt Markus, er sei mit seinen Kollegen durchgehend mit seinem Headset verbunden.
Leere Rucksäcke sind ein Alarmsignal
In mehr als 20 Jahren Berufserfahrung hat Markus sein Auge für das Verhalten verdächtiger Kunden geschult. Man erkenne potenzielle Diebe an ihrem Einkaufsverhalten. Oft wirke es so, als liefen sie planlos durch den Laden. "Dazu achte ich auf Mimik und Gestik", erklärt der Ladendetektiv, "und auf leere Rucksäcke". Davon gibt es heute wieder einige, auch wenn sich kein Verdacht erhärtet. Die Sommerzeit sei auch eher ruhig, stellt Markus fest. Doch bald ist es Herbst, die Läden werden voller – und spätestens während des Weihnachtsgeschäfts werden Markus und sein Team wieder alle Hände voll zu tun haben.