Um die 1.000 angestellte Lehrerinnen und Lehrer und andere Beschäftigte im Bildungswesen haben am Donnerstag nach Angaben der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg ihre Arbeit niedergelegt. Die Aktion war Teil eines bundesweiten Streiktags im Bildungsbereich. Insgesamt sind laut GEW 2.000 Teilnehmende bei einer Kundgebung in Mannheim dabei gewesen - auch aus anderen Bundesländern. Die Polizei spricht von 600 Teilnehmenden.
Anlass ist die laufende Tarifrunde um den öffentlichen Dienst der Länder. Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern warf der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in Berlin eine Blockadehaltung vor. Die Gewerkschaften fordern 7 Prozent, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr Gehalt. An Streiks und Aktionen beteiligten sich Lehrerinnen und Lehrer an Schulen, Sozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie Erzieherinnen und Erzieher, Lehrkräfte an Hochschulen und studentische Beschäftigte.
GEW: Tausende Unterrichtsstunden wegen Streik ausgefallen
Die GEW schätzt, dass durch den Streik alleine in Baden-Württemberg mehrere tausend Unterrichtsstunden ausgefallen sind. In den acht Heimsonderschulen hätten die meisten Internate schließen müssen, so die GEW. Auch kirchliche Privatschulen wurden bestreikt.
Das Kultusministerium hatte zunächst keine landesweiten Zahlen zu den Folgen des Warnstreiks vorliegen. Bereits im Vorfeld hatte ein Sprecher aber betont, dass man mit keinen größeren Ausfällen rechne. Es seien lediglich rund zehn Prozent der rund 120.000 Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg angestellt. Der Rest ist verbeamtet und hat kein Streikrecht.
GEW-Landesvorsitzende: Gute Bildung nur mit guter Bezahlung und Arbeitsbedingungen möglich
Monika Stein, Landesvorsitzende der GEW in Baden-Württemberg sagte in Mannheim, dass gute Bildung nur mit attraktiver Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen möglich sei.
Auch der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Sebastian Kölsch, war bei der Kundgebung in Mannheim anwesend. Er unterstütze die Forderungen der Gewerkschaften nach einer besseren Bezahlung. Das sei auch wichtig, damit es genügend Bewerber gebe und Lehrkräftestellen besetzt werden können. "Für Elternarbeit brauchen die Schulen mehr Zeit, die angesichts des Lehrkräftemangels oft Mangelware ist", so Kölsch.
Möglicherweise weitere Warnstreiks bis zur nächsten Verhandlungsrunde
Bis zur dritten Verhandlungsrunde vom 11. bis 13. Februar ist mit weiteren Warnstreiks im öffentlichen Dienst der Länder zu rechnen. Laut GEW verhandeln die Gewerkschaften für rund 2,6 Millionen Länder-Beschäftigte, von denen etwa die Hälfte im Bildungsbereich an Schulen, Hochschulen und Landes-Kitas arbeiten. Darunter seien 245.000 angestellte und 684.000 verbeamtete Lehrkräfte.
An den öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg seien mit 12.000 Personen rund zehn Prozent der gut 120.000 Lehrkräfte Angestellte. Weitere 20.000 Lehrerinnen und Lehrer unterrichteten an privaten Schulen in freier oder kirchlicher Trägerschaft. Außerdem sind beispielsweise pädagogische Assistenten, Erzieher an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und Tarifbeschäftigte an Hochschulen betroffen.
Das Tarifergebnis soll später auf die Landes-Beamtinnen und -Beamten und Versorgungsempfänger übertragen werden, so dass auch diese rund 1,3 Millionen Personen betroffen sind.