"Keine Ausstellung wie jede andere"

Gerettete Meisterwerke aus Odessa im Kurpfälzischen Museum in Heidelberg

In Heidelberg sind ab Sonntag hochkarätige Gemälde aus der ukrainischen Partnerstadt Odessa zu sehen. Dahinter steckt eine bemerkenswerte Rettungsaktion.

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Von Autor/in Martina Senghas

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine trifft neben (unter anderem) ziviler Infrastruktur und Industrieanlagen auch die Kultureinrichtungen des Landes. Weil der Direktor des "Museums für Westliche und Östliche Kunst" in Odessa (in der ukrainischen Original-Schreibweise "Odesa") Kriegsschäden am Museum befürchtete, ließ er rund 80 kostbare Gemälde frühzeitig aus den Rahmen schneiden und aus seinem Haus in Sicherheit bringen.

Über Umwege landeten sie in Berlin, wo es eine erste Ausstellung mit den Bildern gab. Ein Teil davon ist nun weiter gewandert nach Heidelberg, ins Kurpfälzische Museum, wo ab Sonntag (19. Oktober) eine etwas anders konzipierte Ausstellung zu sehen ist. Heidelberg ist seit Mai die Partnerstadt von Odessa.

Museum in Heidelberg: "Keine Ausstellung wie jede andere"

Es sind Werke aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die in Heidelberg zu sehen sind, Ausschnitte aus einer sehr vielfältigen und qualitativ hochwertigen Sammlung, die im Westen bisher kaum bekannt ist. Darunter zwei Evangelisten-Darstellungen des Barockmalers Frans Hals, dem sogenannten "Meister des Augenblicks". Man sei den Kunstwerken "mit großem Staunen und tiefem Bewegtsein" begegnet, so Kuratorin Julia Carrasco. Die besonderen Umstände, durch die die Bilder nach Heidelberg gelangten, führe dazu, dass "das keine Ausstellung wie jede andere ist". Man habe eine besondere Verantwortung.

Odessa Kunst
Zwei Evanglisten-Darstellungen des berühmten Barockmalers Frans Hals aus der Sammlung in Odessa

Kunstwerke, die Identifikation mit Europa zeigen

Bei den Bildern aus Odessa handelt es sich um eine durch und durch europäische Sammlung: Madonnenbilder aus der italienischen Renaissance und Stillleben aus dem niederländischen Barock, Porträts von Adligen und Bürgern im romantisch-realistischen Stil und beinah impressionistische Szenerien aus dem Mittelmeerraum. Worum es bei der Präsentation dieser Bilder ganz wesentlich geht, ist, zu zeigen, dass Odessa und Heidelberg - die Ukraine und Deutschland - durch eine gemeinsame kulturelle Basis verbunden sind.

Solidarität unter Museen, um gemeinsam durch Notlagen zu gehen

Für den langjährigen Leiter des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg, Frieder Hepp, ist die Ausstellung eine ganz besondere. Für ihn hat sie nicht nur einen großen kunsthistorischen Wert, sondern auch eine politische Bedeutung. Für die Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine sei das gerade eine schwierige Situation. Hepp sagte, er hoffe, dass durch die Zusammenarbeit der Museen Trennungen überwunden werden können.

Damit wir gemeinsam die Herausforderungen und Notlagen mit Optimismus überstehen können und nicht daran verzweifeln.

Odessa Kunst
Stilleben aus dem "Odesa Museum für Westliche und Östliche Kunst"

Beeindruckende Kunst und dabei stets spürbar: Die Lage in Odessa

Neben den 40 Meisterwerken aus der Ukraine sind auch 14 Gemälde aus der Sammlung des Kurpfälzischen Museums zu sehen. So sollen die Kunstwerke in einen Dialog kommen und gezeigt werden, wie unterschiedlich sich Künstler einem ähnlichen Thema nähern.

Der Grund, warum die Bilder aus der Ukraine aber überhaupt in Heidelberg gelandet sind, bleibt stets präsent: Durch Fotografien von und einen kurzen Film über das Museum und die Situation in Odessa. Und über den Abtransport der Meisterwerke aus der Stadt am Schwarzen Meer. Eine Stadt, die seit mehr als drei Jahren regelmäßig Ziel russischer Raketen und Drohnen ist.

Odessa Kunst
Die zerstörte Verklärungskathedrale in Odessa Kurpfälzisches Museum/SWR

"Es ist wichtig, dass die Menschen etwas über uns erfahren"

Ihor Poronik, der Direktor des "Odesa Museums für Westliche und Östliche Kunst", der die Rettung der Meisterwerke veranlasst hat, arbeitet weiter daran, die ihm anvertraute Kunst vor Schaden zu bewahren. Zur Eröffnung der Ausstellung ist er nach Heidelberg gekommen. Von ihm stammt auch der drei-minütige Film über sein Museum, das in einem prächtigen Palais aus dem 19. Jahrhundert untergebracht ist. Am Anfang sind es Bilder aus einer friedlichen Zeit. Doch dann hört man den Sirenen-Alarm über Odessa und sieht die Folgen des Krieges. Der Museumsdirektor ist sichtlich bewegt und betont:

Für uns ist es sehr wichtig, dass wir unsere Ausstellung auch hier zeigen, damit es möglichst viele Menschen sehen und sie etwas über uns und Odessa erfahren.

Odessa Kunst
Ihor Poronik (Direktor des "Odesa Museums für Westliche und Östliche Kunst"), Julia Carrasco (Kuratorin am Kurpfälzischen Museums in Heidelberg) und Frieder Hepp (Direktor des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg) vor Europadarstellungen

Ausstellung ist bis März zu sehen

Die Ausstellung "Meisterwerke aus Odessa" ist in Heidelberg bis 22. März 2026 zu sehen. Es gibt ein Begleitprogramm und unter anderem Führungen in ukrainischer Sprache. Ermöglicht werden konnte das Projekt nur durch die großzügige Unterstützung von Stiftungen. Nicht zuletzt, um die wertvollen Kunstwerke zu versichern.

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Martina Senghas
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