Heidelberger Astronominnen und Astronomen am Max Planck Institut beschäftigen sich vor allem mit Exoplaneten. Und potentiellem Leben in weit entfernten Welten. Doch auch der Mond fasziniert die Forschenden. Der Astronom Klaus Jäger forscht am Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg. Das US Weltraum-Programm "Artemis" begeistert ihn. Und auch auch die damit verbundene Möglichkeit für deutsche Astronauten, zum Mond zu kommen. Die Missionen, sagt er im Interview mit SWR Aktuell, haben aber auch einen echten wissenschaftlichen Nutzen. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht.
SWR Aktuell: Mit Alexander Gerst und Matthias Maurer sind beispielsweise zwei deutsche Astronauten genannt worden, die im Gespräch für kommende Mondmissionen sind. Haben Sie einen Favoriten?
Jäger: Ich habe da keinen Favoriten. Beide und auch die Astronautinnen und Astronauten, die noch ausgebildet werden und vielleicht in Zukunft ins All fliegen, sind natürlich entsprechend ausgebildet und deswegen natürlich wunderbar geeignet. Alexander Gerst und Matthias Maurer haben aber große Erfahrung, waren schon im All und das ist sicherlich für so eine herausfordernde Mission wie einen Flug zum Mond oder gar dort zu landen natürlich nicht schlecht. Es ist auf jeden Fall toll, dass ein Deutscher oder eine Deutsche in naher Zukunft tatsächlich so ein Abenteuer mitmachen können.
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Smartphones sind das Ergebnis von Grundlagenforschung im All
SWR Aktuell: Jetzt könnte man ja sagen, wir können den Mond beobachten. Wir haben Teleskope, wir waren 1969 auch auf dem Mond, es gab Folgemissionen. Warum muss es denn wieder der Mond sein? Warum nicht direkt gleich der Mars?
Jäger: Der Mond ist natürlich erstmal ein ganz wichtiges Sprungbrett, um Technologien auszuprobieren. Um dann vom Mond, der ja auch eine geringere Schwerkraft hat, vielleicht Richtung Mars zu starten. All diese Dinge sind da in den letzten Jahren oder Jahrzehnten durchgespielt worden. Der Mond ist aber auch grundsätzlich wissenschaftlich interessant.
Grundlagenforschung, so wie wir sie ja hier auch am Institut in Heidelberg betreiben, ob mit Teleskopen, mit unbemannten oder bemannten Raumfahrtmissionen, war über die letzten Jahrhunderte immer der Treiber für neue Innovationen. Und viel Technik, die wir heute im Alltag benutzen, ist das Ergebnis von solcher Grundlagenforschung. Es ist doch klar, dass so eine Mondmission - vielleicht sogar der Bau einer Raumstation, die permanent um den Mond kreist, oder einer Basisstation auf dem Mond - all das würde noch mehr viel Innovation auch in technologischer Hinsicht bringen.
Davon profitieren wir über die Jahrzehnte oder Jahrhunderte letztlich alle: Smartphones, Tablets und vieles andere, was wir im Alltag benutzen, hätten wir ohne solche herausfordernden und teilweise auch abenteuerähnliche Grundlagenforschungsmissionen nicht.
Mondmissionen zeigen auch Entwicklungen auf der Erde
SWR Aktuell: Denken wir uns in das Jahr 2028. Ist es denn vorstellbar, dass auch Sie sich in Heidelberg mit Ergebnissen dieser Mission auseinandersetzen?
Jäger: Ein kleiner Teilaspekt unter vielen, da könnte ich jetzt noch eine ganze Menge erzählen, ist sicherlich grundsätzlich den Mond auch zu benutzen, um Planetenforschung zu betreiben. Wir wollen ja auch mehr erfahren über die Planeten im Sonnensystem. Und da wir uns hier am Institut in Heidelberg zwar nicht mehr mit solchen Planetenmissionen in unserem Sonnensystem befassen, aber zum Beispiel mit Exoplaneten, die vielleicht auch Leben haben könnten, sind natürlich Ergebnisse aus solchen Aktionen für uns durchaus interessant.
Ein wichtiger Aspekt ist aber auch der Blick zurück vom Mond auf die Erde: Mit all diesen Themen wie Klimawandel und so weiter. Wir wüssten ohne die Raumfahrt gar nicht so genau, was auf unserem Planeten selbst passiert. Und das ist ein wichtiger Aspekt, also nicht nur der Blick nach oben, raus ins All, sondern auch der Blick zurück auf die Erde.