Die Stadt Mannheim reagiert auf die Vorkommnisse am Freitagabend beim DFB-Pokalspiel zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern. Nach der 90. Minute kam es zu einem Großeinsatz der Polizei. Fans setzten Pyrotechnik ein und stürmten auf das Spielfeld. Dabei wurden laut Polizeisprecher 35 Einsatzkräfte der Polizei leicht verletzt, weitere 85 Personen mussten medizinisch versorgt werden. Am Sonntagmorgen äußerte sich Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) zu den Ausschreitungen beim Pokalspiel.
SV Waldhof Mannheim - 1. FC Kaiserslautern Nach Ausschreitungen in Mannheim: Pyrotechnik und Gewalt im Stadion - wie lässt sich das vermeiden?
Nach dem DFB-Pokalspiel in Mannheim laufen Ermittlungen. Baden-Württembergs Innenminister lobt das Vorgehen der Polizei, die Fans üben Kritik.
Mannheims Oberbürgermeister verurteilt die Geschehnisse
"Da sind eindeutig Grenzen überschritten worden", macht Specht deutlich. Für ihn gehe das Verhalten der Fans über ein Mitfiebern mit der Mannschaft hinaus:
Das hat nichts mehr mit dem Anfeuern der eigenen Mannschaft in einem sportlichen Wettkampf zu tun.
Specht betont, es habe ein "umfassendes Sicherheitskonzept" von Polizei, Stadt und Rettungskräften gegeben, das sich als wirkungsvoll und anpassungsfähig erwiesen habe. Er wünscht den Verletzten eine gute Genesung.
Mannheimer Sicherheitsdezernent Volker Proffen lobt die Einsatzkräfte
Auch Volker Proffen (CDU), Mannheimer Bürgermeister für Sicherheit und Ordnung, hat die Ausschreitungen im Interview mit dem SWR verurteilt. Er bedankt sich bei den Einsatzkräften und lobte deren Arbeit am Freitagabend:
Ich bin total dankbar, dass die Polizei mit starken Kräften vor Ort war. Sie haben mit Feuerwehr und Rettungskräfte hochprofessionell gearbeitet.
Für ihn ist klar: In den kommenden Wochen müsse das Spiel aufgearbeitet werden. Es soll Nachbesprechungen geben, wie man die Situation beim nächsten Mal noch besser in den Griff bekommen könne. Außerdem will er den Dialog mit der organisierten Fanszene noch mehr intensivieren.
Ähnliches macht auch Mannheims Bürgermeister Dirk Grunert (Grüne) deutlich. Man müsse auch weiterhin für solche Situationen entsprechende Strategien entwickeln, erklärte er gegenüber dem SWR am Samstagmorgen.
Entsetzen bei den Mannheimer Bürgerinnen und Bürgern
Hans-Peter Walther war als Fußballfan am Freitagabend selbst vor Ort. Mit seiner Partnerin saß er auf der Haupttribüne, die mit Raketen beschossen wurde: "So eine volle Haupttribüne und da kommen Raketen rein. Das ist Glück, dass da keiner getroffen wurde", betont der Waldhof-Fan. Für ihn war die Situation chaotisch und katastrophal. Auch der Mannheimer Waldhof-Fan Jannick war am Freitagabend im Carl-Benz-Stadion. Für ihn gibt es in Zukunft nur eine Lösung für Hochrisikospiele wie dieses: gar keine Zuschauer.
Dann machts halt ohne Zuschauer. Wenn's nicht anders geht, dann muss es wohl so sein.
Pyrotechnik, Platzsturm und Verletzte: Das ist passiert
Nach der 90. Minute stand es 0:0. Spieler gerieten auf dem Platz aneinander, kurz darauf warfen Fans beider Lager Böller auf den Platz. Nachdem die Gästebank unter anderem mit Bechern beworfen worden war, schossen die FCK-Fans vereinzelt Raketen auf die Haupttribüne. Daraufhin stürmten einige Waldhof-Fans auf das Spielfeld. Die Polizei stellte sich ihnen, teilweise beritten, teilweise mit Hunden, entgegen.
Nach einer guten halben Stunde konnte das Spiel doch noch fortgesetzt werden, kurzzeitig drohte ein Abbruch. Kaiserslautern gewann dann 1:0 gegen den SV Waldhof. Mittlerweile wurden laut Polizei Ermittlungen wegen Beleidigungen, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen eingeleitet.