Zur 19. Ausgabe des "Nachtwandels" im Mannheimer Stadtteil Jungbusch kamen am Freitag und Samstag etwa 25.000 Besucherinnen und Besucher. Das teilte der Veranstalter des Festivals, die "Veranstaltungen-Tourismus-Marketing: Mannheim erleben GmbH" (VTM), am Sonntag mit. Ingesamt ziehe man trotz des Regens eine positive Bilanz. "Harmonisch und fröhlich und nur ein bisschen nass: Besser hätte der Nachtwandel nicht laufen können", so der Geschäftsführer der VTM, Oliver Althausen. An beiden Tagen gab es nach Angaben der Veranstalter rund 100 Aktionen an mehr als 70 Standorten.
SWR Reporterin Laura Uzupyte berichtete am Samstagabend live von vor Ort:
Der "Nachtwandel" gilt seit Jahren als sehr beliebt: Im vergangenen Jahr kamen an beiden Festivaltagen laut Stadtmarketing mehr als 25.000 Besucherinnen und Besucher. Doch der "Nachtwandel" ist kein Selbstläufer: Seit Jahren gibt es Probleme mit der Finanzierung - dieses Jahr noch mehr aufgrund der schwierigen Haushaltslage der Stadt.
19. "Nachtwandel" in Mannheim: Ausgelassene Stimmung am ersten Abend
Offiziell eröffnet wurde der "Nachtwandel" am Freitagabend auf dem Quartiersplatz an der Hafenstraße von Mannheims Oberbürgermeister Christian Specht (CDU). Ab 19 Uhr gab es verteilt durch das gesamte Viertel Live-Musik, Ausstellungen, Lesungen und Lichtinstallationen. Durch die Straßen zog sich ein Meer aus Menschen. Hinterhöfe, Kneipen, Lager oder Ateliers hatten ihre Tore geöffnet, so dass man den Stadtteil auch aus einer anderen Perspektive erleben konnte. Von überall erklang Musik. Die meisten Besucherinnen und Besucher waren nicht zum allerersten Mal da. Der "Nachtwandel" habe sich zu einem Pflichttermin entwickelt, sagten viele.
Buntes Programm ohne Eintritt
Auch am Samstag hat es ab 19 Uhr ein buntes Programm gegeben. Wie in den Vorjahren war der Eintritt kostenlos. Besucherinnen und Besucher konnten den "Nachtwandel" mit einem Solidaritätsbeitrag von fünf Euro oder mehr unterstützen. Dafür bekamen sie einen "Nachtwandel"-Becher, mit dem man sich das Pfand überall sparen konnte.
Gestiegene Kosten und schwierige Haushaltslage in Mannheim
Bereits seit 2003 findet der "Nachtwandel" im Jungbusch statt. Aufgrund der Corona-Pandemie war er in den Jahren 2020 und 2021 ausgefallen. Auch finanziell ist das Fest schon einmal dem Rotstift zum Opfer gefallen: 2016 wurde die beliebte Veranstaltung abgesagt, nachdem man es im Jahr zuvor schon nur mit viel Engagement geschafft hatte.
Die Haushaltslage in Mannheim ist laut Stadt in diesem Jahr so angespannt wie noch nie. Wie viele andere Städte und Gemeinden in Deutschland, muss daher auch in Mannheim der Gürtel enger geschnallt werden. Für den "Nachtwandel" 2023 und 2024 hatte der Gemeinderat einen Zuschuss von jeweils 50.000 Euro für die gestiegenen Kosten für Logistik und Sicherheitsmaßnahmen bewilligt. Aufgrund der für den städtischen Haushalt ab 2025 und in den folgenden drei Jahren geltenden Einsparvorgaben des Regierungspräsidiums Karlsruhe, gibt es diesen Zuschuss in diesem Jahr nicht.
Die Sicherheitsmaßnahmen sind enorm angestiegen. Das auch finanziell zu stemmen war eine Herausforderung.
Seit 2024 ist die städtische Veranstaltungsgesellschaft "Veranstaltungen-Tourismus-Marketing: Mannheim erleben GmbH" (VTM) Veranstalter. Laut VTM belaufen sich die Kosten für Sicherheit, Organisation und Infrastruktur auf etwa 130.000 Euro. Die Finanzierung sei zahlreichen Sponsoren zu verdanken, sagt Mannheims Wirtschafts- und Kulturbürgermeister Thorsten Riehle (SPD). "Das ist gelungen, weil ganz viele Unternehmen gesagt haben, der Nachtwandel darf an der Stelle nicht sterben, weil er ungemein wichtig für Mannheim ist", so Riehle.
Gemeinschaftszentrum ist für das Kulturprogramm zuständig
Für das Kulturprogramm ist das Gemeinschaftszentrum Jungbusch verantwortlich. Das Kulturamt der Stadt Mannheim fördert das Gemeinschaftszentrum mit 16.000 Euro. Für die restliche Finanzierung des Kulturprogramms habe man eine Crowdfunding-Aktion gestartet.
Besonders die Vielfalt des "Nachtwandels" schätzt der Quartiersmanager Johannes Kieffer vom Gemeinschaftszentrum Jungbusch. Das Festival dürfe weder zu einer Partymeile noch zu einem touristischen Event werden, so Kieffer. Ziel sei es, den "Nachtwandel" zukunftsorientiert zu machen. "Ich sehe das Potential im 'Nachtwandel' in der Aktivierung und Identifizierung der Bewohner mit ihrem Stadtteil. Da ist sehr viel Kraft drin. Deshalb muss es ein Fest für die Bewohner und von den Bewohnern werden", so Kieffer.
Busumleitungen und Straßensperrungen beim Mannheimer "Nachtwandel"
Während des "Nachtwandels" gab es nach Angaben der Stadt im und und um den Jungbusch mehrere Straßensperrungen. Unter anderem wurde der Luisenring in Fahrtrichtung Ludwigshafen ab der Seilerstraße/Dalbergstraße voll gesperrt. Auch Busse wurden umgeleitet.