E-Scooter beschlagnahmt, der 70 km/h fahren kann

Polizei zieht fast täglich getunte E-Bikes und E-Scooter im Rhein-Neckar-Raum aus dem Verkehr

Die Zahl der E-Scooter und E-Bikes steigt auch im Rhein-Neckar-Raum. Ein großes Problem ist mittlerweile, dass immer mehr von ihnen frisiert sind, sagen Polizei und Staatsanwaltschaft.

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Von Autor/in Danilo Quarta

Im Rhein-Neckar-Kreis ist die Zahl der Unfälle mit E-Bikes im Jahr 2025 um knapp 36 Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahr. In Heidelberg sind es sogar 66 Prozent mehr Unfälle gewesen. Das liegt zum einen daran, dass immer mehr Menschen E-Bikes oder auch E-Scooter kaufen. Aber zum anderen auch daran, dass Verkehrsregeln missachtet werden oder E-Roller und Elektrofahrräder illegal getunt werden, sodass sie schneller fahren, teilten das Polizeipräsidium Mannheim und die Staatsanwaltschaft Heidelberg am Donnerstag mit.

Polizei zieht täglich illegale E-Scooter aus dem Verkehr

Laut Frank Hartmannsgruber, dem Leiter der Verkehrsinspektion Mannheim, beschäftigen sich die Behörden immer mehr mit dem Thema. Eigentlich gelten strenge Zulassungskriterien für E-Scooter in Deutschland. Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein, das Gerät darf nicht schneller als 20 Kilometer pro Stunde fahren und die maximal zulässige Leistung beträgt 500 Watt. Laut Polizei werden im Internet E-Scooter verkauft, die schneller fahren können.

Fast täglich begegnen uns bei Kontrollen nicht zulässige E-Scooter und E-Bikes.

So entdeckte die Mannheimer Polizei zum Beispiel einen Jugendlichen mit einem E-Scooter, der bis zu 70 km/h fahren konnte. Erfahrene Bastler tunen die Scooter mittlerweile auch selbst, so die Polizei. Wer aber an seinem E-Scooter oder E-Bike herumbastelt, verliert den Versicherungsschutz. Darauf weisen Polizei und Staatsanwaltschaft nochmal hin. Auch seien die Bremsen der Fahrzeuge gar nicht darauf ausgelegt, höhere Geschwindigkeiten auszuhalten.

Ein getunter E-Scooter: Auf dem Tacho werden 70 kmh angezeigt.
Statt den erlaubten 20 km/h kann dieser beschlagnahmte E-Scooter bis zu 70 km/h fahren. Die "Speed"-Funktion ist erst nach einem versteckten Knopfdruck freigeschalten. Der Roller wurde im Internet gekauft - legal ist das trotzdem nicht.

Staatsanwaltschaft Heidelberg: Konsequenzen oft unterschätzt

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg sagt, den Menschen, die sich mit E-Scootern und E-Bikes nicht an die Verkehrsregeln halten, seien die Konsequenzen oft nicht klar. Jonathan Waldschmidt ist Erster Staatsanwalt in Heidelberg. Dem SWR sagte er: "Das sind alles keine Kavalliersdelikte - man ist schnell und leicht im Bereich strafbarer Handlungen mit entsprechend harten Sanktionen." Das könne dann Geldbußen sowie mehrjährige Fahrverbote nach sich ziehen.

Besonders aufpassen müssten alle, die abends mal ein Bier trinken und dann statt ins Auto auf den E-Scooter steigen, so der Staatsanwalt. Auf dem E-Scooter gelten dieselben Promillewerte wie am Steuer eines Autos, sagt er. Wer betrunken E-Scooter fährt, verliert ebenfalls den Führerschein.

Polizei Mannheim rät dringend zu Helm

Auch wenn es in Deutschland keine Helmpflicht für E-Scooter oder E-Bikes gibt: Die Polizei Mannheim rät dringend dazu, einen zu tragen. Und sie weist darauf hin, dass man ausschließlich alleine fahren darf. Auch wenn das Trittbrett breit genug für zwei Personen ist, verstößt das gegen die Straßenverkehrsordnung, so die Polizei.

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Danilo Quarta
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