Mit einer Menschenkette gegen einen Kita-Standort protestieren: Das plant eine Bürgerinitiative am Samstag in Friesenheim. Denn am Alwin-Mittasch-Park könnte die Stadt eine neue Kita bauen. Die Stadt sei zu versiegelt und durch den Bau könnten 100 Jahre alte Bäume gefällt werden – so die Gegner.
Kita könnte an den Alwin-Mittasch-Park kommen
Wir brauchen in Friesenheim dringend eine neue Kita
Im Gespräch für die Kita ist der Parkplatz vor dem Park oder andere Areale im Park. Derzeit prüft die Stadtverwaltung den Standort, das Ergebnis stehe im Sommer fest, teilte ein Sprecher der Stadt dem SWR mit. Weitere Informationen dazu und welche Standorte die Stadt noch prüft, will sie nicht geben.
Ortsvorsteher Friesenheim: Kita-Plätze werden gebraucht
"Wir brauchen in Friesenheim dringend eine neue Kita", sagt Thorsten Ralle, der Ortstvorsteher von Friesenheim. Er bestätigt, dass der Stadtrat auch alternative Standorte in Friesenheim prüft. Und er betont: "In der ganzen Stadt fehlen derzeit 1.200 Plätze in Kindertagesstätten", wie der SWR Anfang Februar berichtete.
Der Alwin-Mittasch-Park grenzt an einer Seite an die Leuschnerstraße. In der Straße gibt es ein Gymnasium, eine Realschule plus, eine Grundschule – und bereits eine weitere Kita: Der St. Josef Kindergarten. Marlen Walter ist dort Erzieherin. Sie sagt: "Wir haben jedes Jahr wesentlich mehr Anmeldungen als Plätze". In manchen Jahren stünden 80 bis 90 Kinder auf der Warteliste. Deswegen würde die Erzieherin eine neue Kita in der Leuschnerstraße begrüßen.
Standort-Gegner, nicht Kita-Gegner
Doch es formiert sich Widerstand in Friesenheim: Eine Bürgerinitiative hat vor ein paar Tagen eine Online-Petition gestartet - "Rettet den Alwin-Mittasch-Park 2026!". Die haben bislang mehr als 1.000 Menschen online unterschrieben. Anwohnerin Annika Wind hat die Petition mitorganisiert. "Wir sind auf keinen Fall gegen die Kita. Nur gegen diesen Standort", sagt sie. Wind erklärt, dass es auch andere Standorte in Friesenheim gebe, die für eine Kita in Betracht kommen würden.
Wird Stadt wegen Kita weiter versiegelt?
Sie kritisiert, dass durch den Bau einer Kita die Stadt Ludwigshafen weiter versiegelt werde. Selbst der Parkplatz vor dem Park sei kein geeigneter Standort: "Der Parkplatz ist nicht versiegelt, sondern nur verschottert", sagt sie. "Und der Parkplatz wird auch dringend benötigt." Denn in der Nähe des Parkplatzes ist das städtische Klinikum, das BASF-Feierabendhaus sowie ein Gymnasium. Und auch die zukünftige Kita würde weitere Parkplätze benötigen, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto hinfahren, sagt Wind.
100-jährige Bäume durch Kita-Bau in Gefahr?
"Uns ist es wichtig, dass der Park in Gänze erhalten bleibt", erklärt Annika Wind das Ziel der Bürgerinitiative. Denn egal wohin die Kita an den Park kommt, wahrscheinlich müssten Bäume gefällt werden, sagt sie.
Der Alwin-Mittasch-Park ist, zusammen mit dem Parkplatz, rund 4,5 Hektar groß. Das entspricht fast sieben Fußballfeldern. Der Park wurde in den 1930er Jahren als Fläche für Kleingärten von BASF-Mitarbeitern angelegt, später wurde er zum Park.
NABU: Junge Bäume leisten nicht dasselbe wie alte
Je mehr alte Bäume fehlen, desto heißer wird es in der Stadt
Die Bäume, die nun auf dem Parkplatz stehen, sind 100 Jahre alt und seien für das Klima die besonders wichtig, sagt Michael Edinger. Er ist Vorstand beim Naturschutzbund (NABU) Ludwigshafen. Auch er spricht sich gegen den Bau der Kita an diesem Standort aus. Selbst wenn die Stadt neue Bäume pflanze, müssten die erst 50 bis 100 Jahre wachsen, um die gleiche abkühlende Wirkung auf das Klima zu haben, wie ein heute 100 Jahre alter Baum, sagt Edinger.
Am stärksten versiegelte Stadt Betonwüste Ludwigshafen: Stadt will öffentliche Plätze entsiegeln
Ludwigshafen ist laut der Deutschen Umwelthilfe die am stärksten versiegelte Stadt in Deutschland. Doch wegen der Industrieanlagen ist es nicht einfach, Flächen zu entsiegeln.
Ludwigshafen gilt als eine der bundesweit am meisten versiegelten Städte. Deshalb wird es im Sommer ziemlich heiß. "Je mehr alte Bäume fehlen, desto heißer wird es in der Stadt", sagt Erdinger. Zudem seien die Bäume wichtig für die sogenannte Kaltluftschneise an dieser Stelle. Kaltluftschneisen sind zum Beispiel Grünflächen, durch die kühle Luft von außen in aufgewärmte Städte fließen kann.
Edinger meint auch, dass der Parkplatz als Standort für die Kita nicht in Frage komme, weil eine Fernwärmeleitung darunter verläuft. Als alternativen Standort für die Kita schlägt er den Ludwigshafener Hauptbahnhof vor. Der sei zumindest schon versiegelt.
Eltern in Ludwigshafen seit Jahren verzweifelt wegen Kita-Mangel
Sebastian Storck hat viel mit verzweifelten Eltern zu tun, denn er ist seit sechs Jahren Vorsitzender des Stadtelternausschusses in Ludwigshafen. Die Argumente der Umweltschützer könne er zwar verstehen, sagt er im Gespräch mit dem SWR. Aber: "Die jetzige Nutzung ist ein Parkplatz! Ist das wirklich besser als eine Kita?", fragt Storck, der die Sorgen der Eltern kennt. Er fordert, dass die Stadt den Kita-Bau priorisiert.
Die Zweifel am Standort des Alwin-Mittasch-Parks kann Storck verstehen. Doch die Stadt tue sich – nach allem was er gehört habe – schwer, alternative Standorte für die Kita zu finden, sagt er.
Was denken die Friesenheimer über die Kita am Alwin-Mittasch-Park?
Die Situation in Friesenheim scheint verzwickt, das Thema emotional aufgeladen. Bei einem Besuch dort sitzt eine Frau im Alwin-Mittasch-Park. Dass ein paar Bäume wichtiger als eine Kita sein sollen, kann sie nicht verstehen: "Als Mutter finde ich es schlimmer, wenn meinem Kind die sozialen Kontakte fehlen." Auch ihr Sohn habe – schon vor acht Jahren – ein Jahr auf einen Kita-Platz in Ludwigshafen warten müssen.
Ein anderer Friesenheimer ist auf der Seite der Bürgerinitaitive: "Die Parks in Ludwigshafen sollten frei bleiben. Ich habe nichts gegen eine Kita, aber nicht am Park." Deswegen habe er die Petition längst unterschrieben. Und hofft, dass sich viele Friesenheimer der Menschenkette am Samstag anschließen.