Prozessauftakt in Heidelberg

Tödliche Messerstiche am Bahnhof Wiesloch: 27-Jähriger streitet vor Gericht Tötungsabsicht ab

Ein Mann muss sich vor Gericht verantworten, weil er seinen Mitbewohner nach einem Streit erstochen haben soll. Zu Beginn der Verhandlung räumt er einen Teil der Vorwürfe ein.

Teilen

Stand

Am Dienstag hat am Landgericht Heidelberg der Prozess gegen einen ukrainischen Mann begonnen, der im November 2025 einem Mitbewohner und Landsmann nach einem Streit mit einem Küchenmesser in die Herzgegend gestochen und ihn so getötet haben soll. Die Männer haben beide in einer Unterkunft für Geflüchtete in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) gelebt. Die Staatsanwaltschaft spricht in ihrer Anklage von "niedrigen Beweggründen". Der Angeklagte hat die Tat zu Beginn der Verhandlung eingeräumt - eine Tötungsabsicht streitet er allerdings ab.

Prozesssaal im Landgericht Heidelberg
Der Angeklagte (links) beim Prozessauftakt am Dienstag.

Streit auf Geburtstagsfeier eskalierte

Der 27-jährige Angeklagte und sein mutmaßliches Opfer wohnten in unterschiedlichen Gebäuden innerhalb derselben Sammelunterkunft. Wegen eines Geburtstags im November innerhalb des Komplexes feierten sie mit anderen Bewohnern zusammen - hier soll ein Streit zwischen den beiden Männern entbrannt sein. Der später verstorbene Mann soll den Angeklagten dabei laut Anklage am Auge verletzt haben, daraufhin habe der Angeklagte seinen Kontrahenten mit dem Tod bedroht. Nahe eines Parkhauses am Bahnhof Wiesloch/Walldorf soll er ihn dann mit einem Stich in die Herzgegend so schwer verletzt haben, dass dieser noch am selben Ort verstorben ist.

Angeklagter: "Hatte Angst"

In einer Erklärung, die der Mann direkt zu Beginn des Prozesses durch seine Verteidigerin verlesen ließ, streitet er eine Tötungsabsicht ab. Er gibt zu, dass er das Opfer mit einem Messer tödlich verletzt habe - begründet das aber damit, dass er sich nach dem Streit bedrängt gefühlt habe und festgehalten worden sei.

Außerdem hat sich der Ukrainer bei den Angehörigen des Opfers entschuldigt. Der Angeklagte und sein mutmaßliches Opfer standen wohl in einem freundschaftlichem Verhältnis.

Geh- und Radweg am Wieslocher Bahnhof
An dieser Stelle wurde der Mann im November 2025 gefunden.

Staatsanwaltschaft: Motiv "männlicher Stolz"

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrer Anklage "männlichen Stolz" und "verletzte Eitelkeit" als mögliche Motive des 27-jährigen genannt. Es handele sich dabei um "niedrige Beweggründe". Im Gegensatz zu der Erklärung des Mannes wird in der Anklageschrift davon ausgegangen, dass die Tötung bewusst vollzogen worden sei.

Für die Verhandlung wurden insgesamt 32 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Der Prozess ist zunächst bis Ende Juli angesetzt.

Wiesloch

26-jähriger Verdächtiger in Haft Toter Mann in Wiesloch: Offenbar Opfer eines Messerangriffs

Am Mittwoch ist ein Mann am Wieslocher Bahnhof gestorben. Die Polizei geht davon aus, dass er durch eine Stichverletzung ums Leben kam. Tatverdächtig ist ein 26-Jähriger.

Wiesloch

Obduktion am Donnerstag Mann stirbt an Bahnhof Wiesloch/Walldorf: War es ein Verbrechen?

In der Nähe des Bahnhofs Wiesloch/Walldorf ist am Mittwochmorgen ein Mann an seinen schweren Verletzungen gestorben. Die Polizei schließt ein Verbrechen nicht aus.

SWR4 BW am Morgen SWR4 Baden-Württemberg

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
SWR

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!