Das Museum Sammlung Prinzhorn in Heidelberg wird nicht geschlossen. Das geht aus einer Mitteilung des Heidelberger Uniklinikums hervor. Das Klinikum als Träger der Kunstsammlung von Menschen mit Psychiatrie-Erfahrungen reagiert damit auf einen offenen Brief des Freundeskreises der Sammlung, der dringend eine zukunftsfähige Lösung für das Museum gefordert hatte. Der Freundeskreis der Sammlung Prinzhorn teilte mit, er begrüße den Entschluss des Uniklinikums, den Ausstellungsbetrieb aufrechtzuerhalten und "die notwendigen Teilzeitstellen weiter zu finanzieren".
Uniklinikum: Prinzhorn-Sammlung " bedeutender Teil der Geschichte"
Die Sammlung Prinzhorn sei mit ihren Werken, den Forschungsprojekten und dem Museumsbetrieb "ein bedeutender Teil der Geschichte und Kultur des Zentrums für Psychosoziale Medizin am Universitätsklinikum Heidelberg", schrieb das Klinikum am Mittwoch in einer Mitteilung. Die Sammlung sei nicht von Schließung bedroht. Man habe "Konzepte für zusätzliche Einnahmequellen" erarbeitet und mögliche Kostensenkungen geprüft. Details dazu nannte das Klinikum nicht. Zwei Teilzeitkräfte seien aus der Sammlung Prinzhorn in andere Bereiche versetzt worden. Weitere Veränderungen seien derzeit nicht geplant.
Die rund 40.000 Bilder, Skulpturen und Texte von Psychiatrie-Patienten der Heidelberger Sammlung Prinzhorn werden derzeit in Räumen unter der alten Frauenklinik aufbewahrt. Dort herrschen aber keine optimalen klimatischen Bedingungen. Außerdem hört man Klagen über Platzmangel. Ein kleiner Teil der Sammlung ist in einer Dauerausstellung in einem Museum auf dem Uniklinikums-Gelände im Heidelberger Stadtteil Bergheim zu sehen.
Neues Depot wohl auf ehemaligem Strahlenbunker
Das Uniklinikum als Besitzer der Sammlung Prinzhorn hatte dem SWR zuvor mitgeteilt, es gebe einen Plan für die "Errichtung eines Depots" für die Werke auf dem Klinikum-Gelände in der Voßstraße im Stadtteil Bergheim. Dieser Erweiterungsbau soll auf dem alten Strahlenbunker gebaut werden. Dort wurden früher unter anderem Krebs-Patientinnen und -Patienten behandelt. Eine Strahlenbelastung besteht dort laut Uniklinikum nicht.
Freiwerdende Räume für Museum der Sammlung Prinzhorn
Dort sollen demnach die Bedingungen für die Lagerung der "fragilen Werke" dann so sein, dass sie langfristig erhalten werden könnten. Weiter schrieb das Uniklinikum auf SWR-Anfrage: "Darüber hinaus können (dort) Räume für Werkstätten, das Grafische Kabinett (bisher im Museum), Büros und Veranstaltungen untergebracht werden." Die Folge davon wären wiederum freiwerdende Räumlichkeiten im bestehenden Museum. Diese könnten "für die Erweiterung der Ausstellungsfläche genutzt werden."
Eine Situation also, von der alle profitieren könnten: Das Museum bekäme mehr Platz und die Bilder, Skulpturen und Texte der Psychiatriepatienten aus den vergangenen 200 Jahren würden fachgerechter aufbewahrt als bisher. Die Kunstwerke wurden früher unter anderem als "Anstaltskunst" bezeichnet. Mittlerweile hat sich dafür der Begriff "Outsider Art" (Außenseiterkunst) etabliert. Die Sammlung Prinzhorn hat seit vielen Jahren einen weltweit exzellenten Ruf in dieser Sparte.
Offener Brief des Fördervereins Prinzhorn an Uniklinikum
In einem offenen Brief forderte der Förderverein der Sammlung das Heidelberger Uniklinikum auf, die weitere Finanzierung sicherzustellen. Aktuell könne das Museum nur durch eine großzügige private Spende weiterbetrieben werden - und auch das nur noch für wenige Monate. Dann drohe die Schließung, schrieb der Förderverein in seinem offenen Brief.
Zuschuss-Zusage des Bundes an Bedingung geknüpft
Die räumliche Erweiterung der Sammlung Prinzhorn durch ein neues Depot könnte mit finanzieller Hilfe des Bundes umgesetzt werden, hatte das Universitätsklinikum mitgeteilt. Zur exakten Kostenhöhe für diese Erweiterung hatte sich das Uniklinikum nicht äußern wollen. Die Bundesförderzusage, hieß es weiter, sei zudem an eine Bedingung geknüpft: Es müsse sich ein Bauherr finden lassen, und der Betrieb des Museums müsste für die nächsten 25 Jahre gesichert sein.
Laut dem Freundeskreis der Sammlung Prinzhorn hätte die Hector-Stiftung für die Erweiterung rund 2,5 Millionen Euro locker gemacht. Sie hat aber mittlerweile Abstand von dem Projekt genommen, erklärte Maike Rotzoll, Leiterin des Freundeskreises der Sammlung Prinzhorn dem SWR. Rotzoll sagte weiter, ursprünglich hätten auch Stadt und Land eine Förderung von insgesamt 2,5 Millionen Euro zugesagt. Und nun? - Gibt es zumindest die Zusicherung des Uniklinikums, dass die Sammlung Prinzhorn nicht vor dem Ende steht.
Uniklinikum: "Geld muss Patientinnen und Patienten zugutekommen"
Das Uniklinikum hatte bereits vor einigen Wochen klargestellt, es scheide für die Finanzierung eines dauerhaften Museumsbetriebs aus, denn "die knappen Ressourcen in der Krankenversorgung müssen den Patientinnen und Patienten zugutekommen" - und nicht dem Betrieb eines Museums. Man gehe aber davon aus, dass der Museumsbetrieb weiterhin bestehen bleibe. Es gehe nun darum, "auch vor dem Hintergrund der Einzigartigkeit und der herausragenden internationalen Bedeutung der Sammlung Prinzhorn", die Sammlung mit Museumsbetrieb "gemeinsam mit weiteren Partnern in eine finanziell tragfähige Zukunft zu überführen". Das scheint jetzt geklappt zu haben.
Was hat das Uniklinikum Heidelberg bisher für die Sammlung Prinzhorn gezahlt?
Seit Bestehen des Museums Sammlung Prinzhorn im Jahr 2001 hat das Universitätsklinikum Heidelberg eigenen Angaben zufolge jährlich etwa 500.000 Euro, beziehungsweise insgesamt rund 13 Millionen Euro für die Sammlung und das Museum ausgegeben. "Wesentliche Beiträge zur Finanzierung des Betriebs leistete und leistet zudem die Medizinische Fakultät Heidelberg der Universität."