Die TSG Hoffenheim kämpft als aktueller Tabellen-15. um den Verbleib in der Fußball-Bundesliga. Immerhin gelang den Kraichgauern am Sonntag (16. Februar) ein wichtiger 3:1-Sieg in der Fremde, beim SV Werder Bremen. Und in der heimischen Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis)? Da herrschte zuletzt Tristesse pur: Fünf mal in Folge gelang der TSG daheim kein Sieg. Im vergangenen Heimspiel (am 8. Februar) gegen Union Berlin setzte es eine deutliche 0:4-Niederlage.
Bemerkenswert: im Spiel gegen Berlin blieben im Sinsheimer Stadion auffällig viele Plätze leer. Kein Einzelfall. Während für die Konkurrenz im Tabellenkeller das eigene Stadion mit zahlreichen Fans oft ein Trumpf ist, ist das Stadion in Sinsheim nur selten ausverkauft. Gegen Union Berlin war das Stadion nur mit 20.000 Fans gefüllt, etwa 2.000 davon kamen aus Berlin. Über 10.000 Plätze blieben frei. Und das bei einem Duell, in dem es für die Hoffenheimer um sehr viel ging. Wie kann das sein?
Interview mit langjährigem TSG-Hoffenheim-Fan
Einer, der es wissen muss, ist Thomas Schmitz. Seit fast zwei Jahrzehnten ist er in der Hoffenheimer Fanszene aktiv, aktuell auch als Mitglied des Hoffenheimer Fanbeirats. Schmitz beobachtet die Entwicklungen im Verein genau und erkennt vor allem strukturelle Probleme als Ursache für die wachsende Entfremdung zwischen Klub und Anhängern. Im Interview spricht er über die Fehler, die die Vereinsführung aus seiner Sicht gemacht hat. Und darüber, was sich ändern muss, damit die Ränge wieder voller werden. Randnotiz: Am kommenden Sonntag, den 23. Februar, ist der VfB Stuttgart zu Gast in der Rhein-Neckar-Arena.
Anmerkung: Das Interview mit Thomas Schmitz führte der SWR einige Tage nach dem Heimspiel gegen Union Berlin.
SWR Aktuell: Herr Schmitz, sportlich läuft es bei der TSG Hoffenheim derzeit nicht rund. Wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung?
Thomas Schmitz: Die Mannschaft ist total verunsichert, was aber auch kein Wunder ist bei dem Durcheinander, das im Verein herrscht. Der Umbruch vor der Saison war aus der Sicht vieler Fans völlig überflüssig. Strukturen, die gut funktionierten, wurden mutwillig zerschlagen. Und den Rausschmiss von Geschäftsführer Alexander Rosen hat man zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt vorgenommen. Ich sehe in dieser Aktion unmittelbar vor Saisonbeginn eigentlich die Ursache allen Übels. Und: Ein Team, das auf dem Rasen steht, muss auch eine Mannschaft sein. Das muss eine Gruppe von Leuten sein, die wirklich füreinander eintreten. Daran fehlt es gerade.
Stimmung bei vielen Hoffenheim-Fans ist schlecht
SWR Aktuell: Wie nehmen Sie aktuell die Stimmung unter den Fans im Stadion wahr? Spielt die TSG das Stadion leer?
Thomas Schmitz: Ein volles Stadion ist meines Erachtens nicht allein ein Hinweis darauf, wie erfolgreich die Mannschaft ist, sondern, wie die Leute sich mit der TSG identifizieren. Aber ja, die Stimmung ist schlecht, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich habe gerade in letzter Zeit mit verschiedenen jüngeren Leuten gesprochen, die nicht mehr ins Stadion kommen und die gesagt haben: "Tut mir leid. Also das, was die TSG da macht, damit kann ich mich nicht identifizieren."
Auf der anderen Seite mag auch ein eher lustloses Auftreten der Mannschaft zu enttäuschten Fans führen. Das hängt natürlich alles miteinander zusammen. Aber die Verbindung zwischen Verein und Fans hat sich mit dem Umbruch im vergangenen Jahr wirklich verschlechtert.
SWR Aktuell: Gab oder gibt es denn aus Ihrer Sicht geeignete Ideen, die Fan-Bindung zu verbessern?
Thomas Schmitz: Es gibt schon eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen, die mit TSG-Klamotten in die Schule gehen. Also es ist nicht so, dass es überhaupt keinen Nachwuchs oder keine Basis gibt. Aber wir haben schon gemerkt, dass weniger Dauerkarten verkauft werden. Deshalb haben wir im Hoffenheimer Fan-Beirat eigentlich lange Zeit daran gearbeitet und Konzepte entwickelt, wie man die Identifikation mit der TSG in der Rhein-Neckar-Region verbessern kann und wie man mehr Leute ins Stadion holt. Zum Beispiel mit einer ganzen Reihe an Aktivitäten, mit denen die TSG Hoffenheim sichtbarer in der Region wird. Es geht natürlich auch darum, dass TSG-Spieler öffentlich präsenter bei den Fans sind, das war früher noch anders. Diese Konzepte wurden sehr vertrauensvoll mit der ehemaligen Geschäftsführung entwickelt, aber die wurden dann durch den großen Personalwechsel (unter anderem die Entlassung von Manager Rosen - Anmerkung der Redaktion) dann komplett konterkariert.
Zudem versäumt man es gerade, die TSG wirklich in die Region zu tragen. Früher hatte man zum Beispiel die Fahnen der Städte aus der Region im Stadion aufgehängt, um zu zeigen: Wir sind ein Verein für die ganze Rhein-Neckar-Region. All das ist jetzt verschwunden und einer "Geschäftspolitik" gewichen.
Krise bei der TSG Hoffenheim: "Müssen zusammenrücken"
SWR Aktuell: Was muss aus Ihrer Sicht passieren, damit das Stadion wieder voller wird?
Thomas Schmitz: Wir müssen es wieder schaffen, die TSG zu einer Einheit zu machen. Und das bedeutet, dass alle aufeinander zugehen müssen und die Mannschaft muss natürlich auch ihren Beitrag leisten. Aber dazu muss sie in der Lage sein, sich als Mannschaft auch tatsächlich zu fühlen. Und insofern, was muss passieren, damit das Stadion wieder voll wird? Ich denke das ist ein Mix aus einem menschlicheren und weniger erfolgs- und geld-bezogenen Umgang von allen miteinander. Wir müssen alle zusammenrücken und als Team, als Gemeinschaft auftreten. Dann wird das Stadion auch wieder voll.