Besuch in der Waldparkschule Heidelberg

Wählen ab 16: Worauf es Jugendlichen bei der Landtagswahl ankommt

180.000 Minderjährige dürfen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ihr Kreuz setzen. 16- und 17-Jährige sind erstmals wahlberechtigt. Wie beeinflussen sie das Ergebnis?

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Von Autor/in Vuk Dajović

Bei der baden-württembergischen Landtagswahl am 8. März gibt es eine Premiere: Zum ersten Mal dürfen auch 16- und 17-Jährige an die Wahlurne. In der Waldparkschule - einer Gemeinschaftsschule im Heidelberger Stadtteil Boxberg - ist diese Neuerung auch Thema im Unterricht von Gemeinschaftskundelehrerin Eva Feibel. Dort nehmen sich die Schülerinnen und Schüler die Instagram-Profile der Heidelberger Kandidierenden bei der Landtagswahl vor. In der Klasse sind fast alle 16 Jahre alt und damit wahlberechtigt. Dass das so ist, wird hier positiv aufgenommen: "Man sollte nicht nur darauf vertrauen, dass die ältere Generation eine Meinung hat, sondern auch die junge", sagt Abira Mahmood, die auch wählen gehen möchte.

Breite politische Mehrheit für die Reform, Skepsis in der Bevölkerung

Dass die Jungen jetzt schon früher mitentscheiden dürfen, hat der Landtag 2022 bei der großen Wahlreform entschieden - über die Regierungsmehrheit hinaus mit den Stimmen von Grünen, CDU und SPD. Zuletzt haben bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitus YouGov 52 Prozent aller Befragten angegeben, dass sie gegen die Herabsetzung des Wahlalters sind. Das liegt aber vor allem an den älteren Befragten. Die Gruppe der 16- bis 29-Jährigen begrüßt die Reform mehrheitlich. Politikwissenschaftler Michael Wehner erklärt, warum die Parteien sich trotzdem für die Veränderung entschieden haben könnten: "Das liegt wahrscheinlich daran, dass politische Parteien [...] den Wunsch haben, junge Menschen früh an die Demokratie zu binden - mit realen Mitwirkungs- und Teilhabemöglichkeiten".

Lehren aus der Europawahl

Bei der Europawahl im Jahr 2024 waren die 16- und 17-Jährigen bereits wahlberechtigt. Auffällig: Laut Angaben des statistischen Landesamts entfielen fast 27 Prozent der Stimmen auf die sonstigen Klein- und Kleinstparteien - eine genaue Aufschlüsselung sei aber nicht möglich. Wahlsieger wurde wie bei der Gesamtbevölkerung die CDU, jedoch mit deutlich geringerem Abstand zu den übrigen Parteien. Insgesamt machen die Minderjährigen bei der Landtagswahl unter drei Prozent aller Wahlberechtigten aus - die Erstwähler machen als Gruppe allerdings über acht Prozent aus.

Wenn ich älter bin, will ich nicht, dass es an Geld mangelt.

Zukunftsthemen entscheidend

Die Heidelberger Schülerinnen und Schüler notieren sich in der Unterrichtsstunde die laut Social Media wichtigsten Themen der Wahlkreiskandidaten. Ihnen selbst geht es vor allem um Zukunftsthemen: "Rentenvorsorge. Weil ich nicht will, wenn ich älter bin, dass es dann an Geld mangelt", sagt Lias Hess. "Die zukünftige Bildung, was viel mit KI zu tun hat", ergänzt Abira Mahmood. Ihrer Mitschülerin Laura Kulik sind Themen wie Migration oder der Mindestlohn wichtig - bundespolitische Themen sind genauso präsent wie klassische Landesthemen. Welche Partei sie am Ende wählen, wissen hier noch nicht alle. Darüber dass sie überhaupt wählen gehen wollen, sind sich aber alle einig.

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