Ist Wasserstoff die Energiequelle der Zukunft? Der Regionalverband Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) setzt vermehrt auf den Ausbau, zum Beispiel in Form von Wasserstoff-Tankstellen. Wiebke Krull, bei der MRN für das Thema zuständig, ist davon überzeugt, dass Wasserstoff in Zukunft immer wichtiger wird.
Wasserstoff in der Industrie - als Speichermedium und als Kraftstoff
Prinzipiell setzt die MRN beim Thema erneuerbare Energien auf einen Mix. Solarenergie, Windenergie - alles wichtig, sagt Krull im Interview mit SWR Aktuell. "Aber grüner Strom wird nicht in allen Bereichen zum Einsatz kommen können", so Krull. Das hänge unter anderem mit den Netzausbau zusammen oder damit, dass sich manche Prozesse in der Industrie nicht elektrifizieren lassen. Wasserstoff könnte hier Lücken schließen.
Wasserstoff könne außerdem als Speichermedium genutzt werden. Überschüssiger Strom, der beispielsweise aus Solarenergie gewonnen wurde, kann in Wasserstoff umgewandelt werden. Komprimiert lässt er sich speichern und nach Bedarf wieder zurück in Strom verwandeln. Wasserstoffspeicher gibt es vor allem in der Großindustrie. Es gibt allerdings auch erste Versuche, diese Technologie für Hausbesitzer mit Solaranlage nutzbar zu machen.
Wasserstoff kann Synergien über Branchengrenzen hinweg schaffen.
Bereits heute gibt es Flugzeuge, U-Boote, Züge und Lkw, die teilweise oder komplett durch Wasserstoff elektrisch angetrieben werden. So auch die Busse der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (rnv).
Mannheim, Heidelberg: ÖPNV setzt seit 2022 auf Wasserstoff
In der Rhein-Neckar-Region sind aktuell 48 Wasserstoffbusse für die rnv im Einsatz. Das ÖPNV-Unternehmen hat die Gelenkbusse 2022 bestellt, um ältere Fahrzeuge zu ersetzen. Sie fahren mit Hilfe eines sogenannten "Brennstoffzellen-Range-Extenders". Das heißt: Die Hauptenergiequelle ist eine Batterie, die genau wie bei einem herkömmlichen E-Auto geladen werden muss. Sie wird allerdings zusätzlich von einer Brennstoffzelle unterstützt. Dadurch verlängert sich die Reichweite.
Das Beispiel der rnv zeigt: Wasserstoff im Straßenverkehr kann funktionieren. Trotzdem hat die Technologie ihre Schwierigkeiten: So sind einige Busse bei der rnv in diesem Winter liegengeblieben. "Die verbauten Kompressoren konnten dem ersten Frost nicht standhalten", teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Das Problem habe man aber zwischenzeitlich beseitigt. "Kinderkrankheiten" könnte man sagen.
Häufiger Kritikpunkt ist außerdem der Preis. Wasserstoff ist teuer und auch in der Anschaffung kostet ein Bus etwa doppelt so viel wie ein Dieselfahrzeug, erklärt die rnv. Das Unternehmen ist trotzdem der Meinung: Es ist ein guter Kompromiss.
Wasserstoffausbau in der Rhein-Neckar-Region
Großen Firmen mit viel Fahrzeugen habe man es auch zu verdanken, dass es mittlerweile vier Wasserstoff-Tankstellen in der Rhein-Neckar-Region gibt, erklärt Krull. In Baden-Württemberg sind sie in Mannheim und Heidelberg, außerdem in Frankenthal und Ludwigshafen - beides Rheinland-Pfalz. Tanken kann dort jeder. Der Wasserstoff kommt größtenteils vom Chemiekonzern BASF und darf sich "grün zertifiziert" nennen, so Krull.
Neben dem Regionalverband sieht auch die Bundesregierung Potenzial in Wasserstoff. So sind in den letzten Jahren bereits 20 Millionen Euro Fördermittel vom Bund in die Region geflossen, erklärt Krull. Grundsätzlich könne aber niemand ganz genau sagen, welche Energietechnologie sich am Ende durchsetzen wird.