Hilfe für kranke und verletzte Wildtiere

In Höpfingen erholen sich Marder, Mäuse und Milane

Jacky Schieser aus Höpfingen kümmert sich um verletzte Wildtiere - vom Mäusebaby bis zum Mäusebussard. Mit ihrem Wildtierkompass will sie Finder und Wildtierstationen unterstützen.

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Von Autor/in Friederike Kroitzsch

In der Hochsaison wird das Ehrenamt zum 24-Stunden-Job: Wenn Jacky Schieser aus Höpfingen (Neckar-Odenwald-Kreis) Vogelkinder aufgenommen hat, wollen die tagsüber alle 15 Minuten gefüttert werden. Kleine Marder, Siebenschläfer oder Feldhasen haben alle 60 Minuten Hunger, und das rund um die Uhr. "Da kommt man dann kaum noch hinterher", sagt Schieser. "Nach ein paar Wochen ohne durchgehenden Schlaf ist man fix und fertig!"

Wir brauchen ein Netzwerk, das die Ehrenamtlichen entlastet.

In ganz Deutschland gibt es Auffangstationen für kranke oder verletzte Wildtiere. Die meisten davon werden ehrenamtlich betrieben, und nicht selten kommen Helferinnen und Helfer an ihre Grenzen, erzählt Jacky Schieser. Die vielen Einzelkämpfer in Sachen Wildtierschutz will sie unterstützen, mit einem Netzwerk, das alle entlasten soll.

Deswegen hat sie im Internet einen sogenannten Wildtierkompass entwickelt: Wer ein verletztes oder krankes Wildtier findet, bekommt über die Website nicht nur Informationen und konkrete Hinweise für die Erste Hilfe, sondern auch Telefonnummern und Mail-Adressen von passenden Ansprechpartnern in ganz Deutschland.

Konkrete Wildtier-Tipps für effiziente Hilfe

So können Finder gleich von Anfang an richtig handeln, ohne aus Unwissenheit weiteren Schaden anzurichten, und dann auch gezielt die entsprechende Auffang- oder Pflegestelle kontaktieren, so Schieser. Auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer würde das deutlich entlasten.

Jacky Schieser nimmt schon seit Jahren kranke und verletzte Wildtiere auf. Aus dem Nest gefallene Vögelchen, unterernährte Igel, verletzte Feldhasen, Marder oder Greifvögel. Im ehemaligen Spielzimmer ihrer Töchter ist in diesen Tagen ein junger Siebenschläfer untergebracht, dazu zwei Igel und zwei verletzte Singvögel. In einer Kiste mit Wärmepads hängt kopfüber eine klitzekleine Zwergfledermaus. "Die ist wohl ein Opfer der Silvesternacht", vermutet Schieser, jedenfalls saß das Tier am 1. Januar auf der Fensterbank eines Wohnhauses in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis). Und soll sich jetzt in Höpfingen erholen.

Wildtier-Hilfe
Ein Opfer der Silvesternacht? Eine Zwergfledermaus.

Wildtierhilfe in Höpfigen: Rund 500 Tiere in einem Jahr aufgenommen

Erholen kann sich auch Jacky Schieser, denn im Moment ist es "ganz ruhig", sagt sie. Die wirkliche Saison gehe erst im Frühjahr wieder los, besonders mit Blick auf verwaiste oder verletzte Tier-Kinder. Für die Kleinsten gibt es in Schiesers Küche ("auf der Intensivstation") drei Inkubatoren. In Regalen überall im Haus warten Pipetten, Pinzetten, Kanülen, Futterbehälter und Medikamente auf ihren Einsatz. In der Hochsaison klingelt Schiesers Handy bis zu 50 Mal am Tag. Rund 500 Tiere habe sie alleine im Jahr 2024 aufgenommen, da waren Nilgans-Küken und sogar ein Rehkitz dabei.

Wenn Menschen verletzte oder verlassene Wildtiere zu ihr bringen möchten, macht Jacky Schieser keinen Unterschied. Egal, ob Mäuse oder Ratten, Spatzen oder Sperber, "das sind alles Lebewesen, denen geholfen werden muss", sagt die 43-Jährige. "Einer muss doch die Verantwortung übernehmen, die Fürsorge, die Liebe", sagt sie. "Deswegen mache ich das."

Wildtier-Hilfe
Jacky Schieser hat den Wildtierkompass entworfen.

Nominierung für den Wildtierkompass

Der Wildtierkompass im Internet wird schon gut angenommen, obwohl er erst seit November online ist. Was Jacky Schieser besonders freut: Ganz aktuell ist sie für dieses digitale Unterstützungs- und Netzwerk-Projekt für den Ehrenpreis des Bundesverbandes der Wildtierhilfen nominiert worden, als "Aussergwöhnliches Wildtierprojekt". Die Preisverleihung ist am 31. Januar in Frankfurt. "Zum Glück kein so weiter Weg", sagt Jacky Schieser lachend, "ich kann doch meine Schützlinge nicht so lange alleine lassen!"

Friedrichshafen

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Friederike Kroitzsch
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