Auf dem City Airport Mannheim-Neuostheim ist es laut. Immer wieder heben kleine Propeller-Flugzeuge ab - mit viel Lärm für die Anwohner. Doch es könnte auch anders gehen: Dirk Eggert, Geschäftsführer der Rhein-Neckar Flugplatz GmbH, schiebt das Tor des großen Hangars neben dem Rollfeld auf. Dahinter steht ein Flugzeug, auf das er besonders stolz ist: die Pipistrel Velis Electro. Die Maschine hat zwei Sitze, sieht futuristisch aus - und wird elektrisch betrieben. Laut Hersteller kann das Flugzeug etwa 50 Minuten in der Luft bleiben. Im Moment noch dauert das Laden genauso lange, wie das Flugzeug fliegen kann.
Das elektrische Flugzeug in Mannheim ist eins von nur einer Handvoll in ganz Deutschland. Es hat sogar eine Typ-Zertifizierung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Hauptsächlich Auszubildende und Hobby-Piloten fliegen mit ihr. Doch wenn es nach Dirk Eggert geht, könnte das elektrische Fliegen in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle spielen, vor allem dank neuer Elektro-Ladesäulen.
Neues Potenzial für E-Flugzeuge durch Ladestationen
Auch auf dem Rollfeld in Mannheim steht jetzt eine E-Ladesäule. "Die können wir auch für unsere Autos nutzen", sagt Eggert. Das Problem: Aktuell muss der Mannheimer E-Flieger immer wieder zum hauseigenen Flugplatz zurückkehren, weil auf anderen Flugplätzen noch Lademöglichkeiten fehlen. Das schränke den Betrieb natürlich stark ein, räumt Eggert ein. Normale E-Auto-Ladestationen seien für E-Flugzeuge ja nicht erreichbar.
Für den Ausbau der Lade-Infrastruktur macht sich auch der "Green Aviation Hub" stark. Eine Gruppe von Mannheimer Piloten, die den Elektro-Flieger auch vertreiben. Das Problem sei das Henne-Ei-Prinzip, sagt Marcus Weber: "Die einen sagen, ich kaufe kein Flugzeug, wenn ich nirgends hinfliegen kann zum Laden. Die anderen sagen, ich baue jetzt keine Ladeinfrastruktur, wenn kein Flugzeug kommt."
Baden-Württemberg fördert elektrisches Fliegen
Der Ausbau von Ladesäulen an Flugplätzen ist für die beiden Männer deshalb der Schlüssel zum Ausbau der E-Mobilität für Flugzeuge. Das Land Baden-Württemberg hat im Juli ein neues Förderprogramm aufgesetzt, das bis zu 50 Prozent der Kosten für neue E-Ladesäulen an Regionalflugplätzen übernimmt. Insgesamt liegt die Fördersumme bei 225.000 Euro.
Dirk Eggert freut sich darüber, "gerade, weil sich das Land bei der Förderung von Infrastruktur für Luftverkehr eher zurückgehalten hat". In jedem Fall sei aber noch ein weiter Weg zu gehen, das Fliegen rein mit Elektrizität stehe noch ganz am Anfang.
E-Fliegen: Spielerei oder schon Zukunftsmusik?
Johannes Schneider vom Institut für Flugzeugbau an der Universität Stuttgart hält das elektrische Fliegen längst für keine Nische mehr: "Es gibt wirklich eine große Bandbreite an Projekten, sowohl in der Forschung als auch in der Industrie - in den unterschiedlichsten Größen." Laut Schneider sei es ein großer Schritt, dass die Pipistrel Velis Electro von der EASA typzertifiziert ist. Ihre 50 Minuten Flugdauer sei damit ideal für die Ausbildung von Piloten.
In der Forschung sehe es laut Schneider schon etwas anders aus. Mit dem an der Universität Stuttgart entwickelten "e-Genius", einem zweisitzigen, experimentellen Forschungsflugzeug, sei man 2011 bereits eine Strecke von 400 Kilometern non stop geflogen. Mit der aktuellsten Batterie-Technik könnte das sogar um bis zu 40 Prozent erhöht werden.
Zahl der Passagiere in E-Flugzeugen bisher noch gering
Am Mannheim Flughafen bereitet man sich jetzt schon darauf vor, in wenigen Jahren auch größere Maschinen mit Strom versorgen zu können. "Wenn dann die nächste Generation größerer Flugzeuge kommt, die dann bis zu zehn Passagiere über mehrere 100 Kilometer transportieren können, dann müssen wir bereit sein und das ist in drei, vier Jahren der Fall", sagt Eggert.