Energieversorger will bis 2030 klimapositiv werden

Zwei riesige Wärmepumpen für die Fernwärme bei der MVV in Mannheim in Arbeit

Die MVV Energie AG plant zwei riesige Flusswärmepumpen auf dem Betriebsgelände des Großkraftwerks in Mannheim. Sie sollen Fernwärme erzeugen, aber viele Kunden zögern noch.

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Von Autor/in Christian Scharff

Die MVV Energie AG hat vor knapp zwei Jahren bereits eine große Flusswärmepumpe in Mannheim auf dem Gelände des Großkraftwerks gebaut. Die Wärmepumpe zieht 20 Megawatt Wärme aus dem Rhein. Demnächst sollen zwei weitere Flusswärmepumpen hinzukommen - allerdings ganz andere Kaliber: Geplant sind eine Flusswärmepumpe mit 150 Megawatt Wärmeleistung und nochmal eine mit 100 Megawatt.

Die im Prinzip bekannte Technik für die Flusswärmepumpen ist in Deutschland von Wissenschaftlern am Karlsruher KIT und von der Firma Siemens alltagstauglich und im großen Maßstab effizient gemacht worden. Jetzt geht es in die Skalierung, das heißt, die Anlagen werden größer. Ab 2028 soll die zweite Flusswärmepumpe 150 Megawatt Wärme aus dem Rhein ziehen und maximal drei Grad kälteres Wasser wieder zurückgeben. Baubeginn für die Flußwärmepumpe 2 soll schon im Sommer 2026 sein.

Erste Mannheimer Flusswärmepumpe von MVV
Die bestehende Flußwärmepumpe war zur Einweihung 2023 eine der größten in Europa. 2028 soll sie durch eine mehr als sieben Mal so leistungsfähige Flußwärmepumpe ergänzt werden.

Hinzu kommt ein Fernwärmenachheizer, ebenfalls auf dem GKM-Gelände. Er bringt in der Heizperiode das Fernwärmewasser auf die dann benötigten hohen Temperaturen im Fernwärmenetz. Voraussichtliche Inbetriebnahme ist Ende 2028, so die MVV.

MVV versorgt Mannheim, Heidelberg, Schwetzingen und Speyer

Die MVV versorgt rund zwei Drittel aller Mannheimer Haushalte sowie Haushalte in Heidelberg, Schwetzingen und Speyer mit Fernwärme. Die Fernwärmeleitung von Mannheim nach Speyer wurde 2010 in Betrieb genommen. Über diese Leitung werden bis zu 8.000 Haushalte versorgt.

Im Ergebnis soll die Wärme aus dem Rhein im Jahr 2030 insgesamt fast 30 Prozent der Gesamtwärme für die Fernwärmeversorgung der Region bereitstellen. 43 Prozent würden aus Abwärme sowie aus dem Verbrennen von Müll erzeugt und weitere 20 Prozent aus der Geothermie, so plant die MVV. Der Energieversorger will damit bis 2030 klimapositiv werden - also unter dem Strich der Atmosphäre mehr CO2 entziehen als abgeben.

Das MVV-Gebäude in Mannheim
Das MVV-Gebäude in Mannheim

Die Versorgung der Bevölkerung mit Fernwärme ist klimafreundlich, wenn die Wärme aus regenerativen Prozessen stammt. Allerdings gibt es zurzeit noch ein Problem für die MVV Energie: Die Kunden zögern mit dem Umstieg, sagte MVV-Vorstandschef Gabriël Clemens dem SWR beim Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Viele Kunden entscheiden sich noch nicht zwischen Gas, Fernwärme oder Wärmepumpen.

Wir sehen eine Zurückhaltung der Kunden, weil sie einen klaren Blick haben wollen, welche Lösung die günstigste ist.

"EU-Gasrichtlinie umsetzen"

MVV-Vorstand Clemens forderte die Politik deshalb auf, die EU-Gasrichtlinie zügig in nationales Recht umzusetzen, um für die Kunden Klarheit zu schaffen. Das muss in Deutschland spätestens bis zum 5. August 2026 geschehen. Die neue EU-Gas-Richtlinie legt die Spielregeln für den Binnenmarkt von Erdgas, erneuerbaren Gasen und Wasserstoff fest.

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