Schlechte Wirtschaftslage als Hauptgrund

Studie: Schwarzarbeit in Deutschland nimmt deutlich zu

Die deutsche Wirtschaft wird immer schwächer. Das wirkt sich auch auf die Zahlen der Schwarzarbeit aus. Wie Forscher aus Linz und Tübingen das laufende Jahr einschätzen.

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Schwächere Kaufkraft ist nur eine Auswirkung der aktuell schwachen Wirtschaft in Deutschland. Eine weitere ist der Anstieg von Schwarzarbeit. Das ist das Ergebnis einer Studie von Bernhard Boockmann vom Institut für Angewandte Wirtschaftsförderung (IAW) Tübingen und Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz, die dem SWR vorliegt.

Schattenwirtschaft wächst auf über 500 Milliarden Euro

Die beiden Forscher prognostizieren, dass die durch Schwarzarbeit erbrachten Leistungen im laufenden Jahr um gut 6 Prozent steigen werden - und dann insgesamt 511 Milliarden Euro ausmachen. Preisbereinigt (also bei Berücksichtigung der Preisentwicklung) sei das ein Zuwachs um 3,8 Prozent.

Niedrige Löhne und hohe Sozialversicherungsbeiträge

Als Hauptgrund für den Trend zur Schwarzarbeit nennen die beiden Professoren die schlechte Wirtschaftslage in Deutschland. Das "verringert die Erträge gemeldeter Arbeitsverhältnisse und erzeugt einen Anreiz zu nicht gemeldeten oder illegalen Tätigkeiten", heißt es in der Studie. Allein das sorge für einen milliardenhohen Zuwachs bei der Schwarzarbeit. Dazu kommen höhere Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung.

Höherer Mindestlohn kommt kaum gegen Trend zu Schwarzarbeit an

Dass der Mindestlohn zum Anfang dieses Jahres leicht angehoben wurde, wirke dem Trend zu Schwarzarbeit zwar entgegen. Er könne ihn aber lange nicht bremsen, sagen die Forscher. Das Gleiche gelte für die gestiegene Verdienstgrenze für geringfügig Beschäftigte.

Auch die Begrenzung der kalten Progression habe nur wenig Einfluss auf das Ausmaß der Schwarzarbeit. Kalte Progression wird der Effekt genannt, bei dem Steuerzahlende auch dann mehr Abgaben zahlen, wenn ihre Gehaltserhöhung nur die Inflation ausgleicht.

Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten schwarz

Erst vor Kurzem hatte eine Befragung des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) über das vergangene Jahr ergeben: Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten schwarz. Das Institut schätzt, es könnten bis zu zehn Millionen Menschen sein. Befragt wurden mehr als 2.600 Menschen über 18 Jahren.

Schwarzarbeit sei schon seit Jahren ein Problem in vielen Ländern, so das Wirtschaftsinstitut. Mehr Kontrollen würden nicht dagegen helfen. Vielmehr müssten die dahinterliegenden Probleme angegangen werden: Steigende Sozialabgaben, hohe Steuern und große Unterschiede zwischen dem Brutto- und dem Nettolohn.

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Bild von SWR-Volontärin Klara Hofmann