Social Media, Unzufriedenheit und Demokratiebewegung

Drei Parteien legen in BW bei Mitgliedern zu, drei stagnieren

Viele neue Mitglieder bei Linken, Grünen und AfD. Warum treten Menschen im Land in Parteien ein und was hat die Bundestagswahl damit zu tun?

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Von Autor/in Hannes Köhle

Anfang des Jahres wurde der Bundestag gewählt. In sieben Monaten steht die Landtagswahl in Baden-Württemberg an. Bei fast allen Parteien in Baden-Württemberg haben sich im ersten Halbjahr Menschen für einen Eintritt in eine Partei entschieden. Allerdings sind nur rund ein Prozent der Menschen im Land Parteimitglied.

Linke mit meisten Neumitgliedern innerhalb eines halben Jahres

Besonders starken Zuwachs haben die Linken in Baden-Württemberg. Die Partei war noch nie im Landtag von Baden-Württemberg vertreten. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat sich die Zahl der Mitglieder bei den Linken mehr als verdoppelt: von rund 4.300 auf fast 9.700 Mitglieder. Laut Landessprecherin Sahra Mirow liegt das vor allem am Bundestagswahlkampf: "Für viele Neumitglieder war es wichtig, die Linke als klares Bollwerk gegen rechts zu unterstützen."

Der Zulauf der Linken im Land hänge aber auch mit der Enttäuschung junger Studierender in den Uni-Städten in Baden-Württemberg zusammen, sagt der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung Michael Wehner. "Die werden von der grünen Realpolitik von Winfried Kretschmann eben nicht mehr erreicht und haben nach Alternativen gesucht. Derzeit haben sie wohl bei den Linken eine neue ideologische Heimat gefunden." Zum Erfolg hat laut Wehner auch die Social-Media-Kampagne der Partei mit dem Fokus auf die Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Heidi Reichinnek, beigetragen.

Grüne: Mitgliederzahlen haben sich innerhalb 1,5 Jahren verdoppelt

Die Grünen haben im vergangenen Halbjahr 3.800 Mitglieder hinzugewonnen. Bereits 2024 erlebten die Grünen in Baden-Württemberg einen starken Anstieg an Parteieintritten. Laut Landesverband sind so viele Mitglieder wie in keinem anderen Jahr seit seiner Gründung beigetreten. Von Anfang 2024 bis heute hat sich die Zahl der Mitglieder verdoppelt. Und das, obwohl die Partei in den Umfragen im Moment eher stagniert.

"Der große Mitgliederzuwachs zeigt, dass sich viele Menschen für grüne Politik einsetzen wollen. Wir Grüne sind mehr denn je in der Breite des Landes verankert", teilen die Landesvorsitzenden Lena Schwelling und Pascal Haggenmüller dem SWR mit. Das würde für den Wahlkampf Rückenwind bedeuten. "Für grüne Sympathisanten ist der Kampf für die Demokratie ein sehr entscheidendes Mobilisierungsinstrument", sagt Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung.

Baden-Württemberg

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AfD gewinnt genauso viele Neumitglieder wie die Grünen

Die AfD Baden-Württemberg hat nach eigener Aussage im ersten Halbjahr ebenfalls 3.800 neue Mitglieder dazugewonnen. Nimmt man das Jahr 2024 dazu, stieg die Zahl der Mitglieder um fast zwei Drittel an. Für den Co-Landesvorsitzenden Emil Sänze liegt das an einer Mischung aus zwei Gründen: "Die Unfähigkeit der bestehenden Regierung und die Belastung der Bürger mit immer mehr Auflagen, die sie zu erfüllen haben und die an die Brieftasche gehen." Die Menschen würden nun auf eine Partei setzen, die diese Verantwortung nie getragen habe, weil sie immer in der Opposition gewesen sei, so Sänze. Der AfD-Landesverband wird vom Verfassungsschutz Baden-Württemberg als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft.

"Die AfD wird wohl nicht mehr als Protest- oder Denkzettelpartei gewählt", sagt Politikwissenschaftler Wehner. "Viele Menschen finden dort ein Stück weit ihre ideologische Basis und Wahlerfolge bringen sich dann auch in wachsenden Mitgliederzahlen zum Ausdruck."

Nur rund ein Prozent der Menschen in BW engagiert sich in einer Partei

Obwohl die Zahlen der Mitglieder bei vielen Parteien im Land angestiegen sind, engagieren sich laut Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung nur mehr als ein Prozent der Menschen in Baden-Württemberg überhaupt in Parteien. "Also, wir reden da nach wie vor eher von einem kleinen Teil an Menschen, die sich in einer Partei engagieren. Man kann im Prinzip sagen, bundesweit sind 98 von 100 Menschen nicht in einer Partei", so Wehner.

CDU weiterhin Partei mit meisten Mitgliedern in BW

Die CDU bleibt mit weitem Abstand mit rund 53.000 Mitgliedern weiterhin die Partei mit den meisten Mitgliedern in Baden-Württemberg. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.

Die SPD hat immer noch die zweitmeisten Mitglieder im Land und liegt damit vor den Grünen. Die FDP verzeichnet keine neuen Mitglieder innerhalb des ersten Halbjahrs und hat Stand Mitte 2025 rund 800 Mitglieder mehr als die AfD. Das BSW hat seine Mitgliederzahlen innerhalb von sechs Monaten vervierfacht, die absoluten Zahlen liegen jedoch weit unter denen der anderen Parteien: von 80 auf 340 Mitglieder.

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Autor/in
Hannes Köhle
Hannes Köhle ist Teil des Teams von "Zur Sache! Baden-Württemberg".

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