Im Namen der Landesregierung hat sich Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) für den Einsatz der hauptamtlichen und ehrenamtlichen Helfer aller beteiligten Organisationen beim Löschen der Waldbrände in der Ortenau bedankt. Wörtlich sagte Özdemir: "Ein Land misst sich daran, wie es in der Krise funktioniert. Wie es dann funktioniert, wenn es drauf ankommt." Dann müsse alles ineinandergreifen und alle müssten sich gegenseitig helfen. Das mache die Qualität Baden-Württembergs aus.
Auf seiner Sommertour war der neue Regierungschef planmäßig im Nationalpark Nordschwarzwald unterwegs. Özdemir wanderte mit seinem Vorgänger Winfried Kretschmann (Grüne) durch den Nationalpark begleitet von ihren Ehefrauen, Gerlinde Kretschmann und Flavia Zaka. Weil die Brandherde der jüngsten Feuer auf dem Weg zur nächsten Sommertour-Station lagen, legte Özdemir einen Zwischenstopp in Zell am Harmersbach (Ortenaukreis) ein. Auch Landwirtschaftsministerin Marion Gentges (CDU) kam nach Zell.
Waldbrände dauerhaftes Problem - erwartet Özdemir
Özdemir bezeichnete die Waldbrände als ein Phänomen, das es so vor einigen Jahren nicht gegeben habe. Doch das Thema werde bleiben, weil sich das Klima dauerhaft verändere. Seit Dienstag waren im Ortenaukreis mehr als 600 Kräfte von Feuerwehren, Bergwacht, Deutschem Roten Kreuz und Polizei an mehreren Brandstellen im Einsatz. Betroffen waren Biberach, Zell am Harmersbach, Nordrach, Hausach und Steinach (alle Ortenaukreis). Allein in Zell sind rund 20 Hektar niedergebrannt, das entspricht der Fläche von 28 Fußballfeldern. Wegen der ungewöhnlichen Häufung der Brandherde besteht nach Polizeiangaben der Verdacht, dass nicht allein die Trockenheit als Ursache infrage kommt. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung.
Brände von Wäldern häufen sich
Nach der Waldbrandstatistik des Bundeszentrums für Landwirtschaft gab es im vergangenen Jahr bundesweit 1.175 Brände - doppelt so viele wie 2024. Dabei wurden rund 2.600 Hektar Waldfläche vernichtet. Fast jeder fünfte Waldbrand sei vorsätzlich gelegt worden.
In Baden-Württemberg ist die Zahl der Waldbrände im Jahresvergleich um das Zehnfache gestiegen - von 7 Bränden im Jahr 2024 auf 69 im vergangenen Jahr. Die Schwankungen sind allerdings sehr groß - abhängig von der Niederschlagsmenge und der Trockenheit. Im Jahr 2023 gab es in Baden-Württemberg 65 Waldbrände, also fast so viele wie 2025. Aber auch 2026 bestätigt sich der Trend zur verstärkten Waldbrand-Gefahr. Wie das Landwirtschaftsministerium auf SWR-Anfrage mitteilte, hat es in diesem Jahr bislang 45 Waldbrände in Baden-Württemberg mit rund 30 Hektar verbrannter Fläche gegeben. Die aktuellen Waldbrände im Ortenaukreis seien eingerechnet.