Eigenanteile für Pflegeheime stark gestiegen

Mehr als 3.600 Euro im Monat: Pflege im Heim wird für Bewohner in BW immer teurer

Bewohner von Pflegeheimen in Baden-Württemberg zahlen laut vdek immer mehr aus eigener Tasche für ihre Pflege - und deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt.

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Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in Baden-Württemberg müssen immer mehr aus eigener Tasche für ihre Pflege zuzahlen. Einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) zufolge wurden zum 1. Juli in Baden-Württemberg monatlich durchschnittlich 3.657 Euro im ersten Heimjahr fällig. Das waren gut 250 Euro mehr als ein Jahr zuvor, wie Daten zeigen, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen.

Damit müssen die Bewohner in Baden-Württemberg jeden Monat fast 300 Euro mehr im Monat selbst tragen als im Bundesschnitt (3.364 Euro). Teurer war die Pflege im Heim nur in Bremen, im Saarland und in Nordrhein-Westfalen. Deutlich günstiger sind die Eigenanteile dagegen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Über 3.600 Euro pro Monat für Platz im Pflegeheim: Personalkosten ein Faktor

Als Grund für den deutlichen Anstieg hatte der Verband unter anderem die gestiegenen Personalkosten im Pflegebereich ausgemacht. "Die Gehälter von Pflegekräften sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen und liegen im Branchenvergleich nunmehr über dem Durchschnitt", sagte vdek-Chefin Ulrike Elsner einer Mitteilung zufolge.

Pflegekräfte würden gut bezahlt, es könne aber nicht sein, dass das zu einer immer stärkeren Belastung der Pflegebedürftigen führe. "Wir brauchen eine Begrenzung des Kostenanstiegs. Die avisierte Pflegereform muss eine faire Lastenteilung und austarierte Eigenanteile erreichen."

Patientenschützer und Opposition sehen Landesregierung in der Pflicht

Patientenschützer sehen auch die Landesregierung in der Pflicht. "Die Landesregierung ist gefordert, sich nicht länger vor ihrer Verantwortung zu drücken und die Ausbildungs- sowie Investitionskosten komplett zu übernehmen", sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Das würde nach Berechnung der Stiftung die Kosten in Baden-Württemberg um monatlich 623 Euro senken. "Für Unterkunft, Verpflegung und Extra-Komfort kommt weiterhin jeder selbst auf", sagte Brysch. 

Auch die SPD im Landtag forderte die Regierung zum Handeln auf. Das Land könne seinen Teil dazu beitragen, die Beiträge um 10 Prozent zu senken, sagte die stellvertretende Fraktionschefin Dorothea Kliche-Behnke. "Dafür müssen im Landeshaushalt mehr Mittel für die Pflege bewilligt werden. So machen das auch unsere Nachbarländer wie Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz."

Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Kosten

In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung sowie die Ausbildungskosten für Pflegekräfte enthalten, denn die Pflegeversicherung trägt nur einen Teil der Kosten. Für Bewohnerinnen und Bewohner im Heim kommen noch Zahlungen für Unterkunft und Verpflegung sowie Investitionen in den Einrichtungen hinzu.

Bei den selbst zu zahlenden Summen kommt es auf die Aufenthaltsdauer an, weil sich danach Entlastungszuschläge richten, die Pflegebedürftige neben den Leistungen der Pflegekassen bekommen. Der Eigenanteil für die reine Pflege wird im ersten Jahr im Heim um 15 Prozent gedrückt, im zweiten um 30 Prozent, im dritten um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent.

Selbst mit dem höchsten Zuschlag ab dem vierten Heimjahr müssen die Bewohnerinnen und Bewohner in Baden-Württemberg im Schnitt noch 2.216 Euro im Monat aus der eigenen Tasche bezahlen.

Ausgewertet wurden nach Angaben des Verbands der Ersatzkassen (vdek) Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern. Zum Verband gehören etwa die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit.

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